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Montag, 28.03.2011 Ebersbach-Neugersdorf

Spreequellstadt hat noch keinen neuen Bürgermeister

Keiner der Bewerber bekam gestern die absolute Mehrheit. Am 10. April müssen die Einwohner noch einmal wählen.

Von Romy Kühr

Um 21.30 Uhr am Sonntagabend gab der Wahlausschuss das endgültige Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Ebersbach-Neugersdorf bekannt. Es war denkbar knapp: V erena Hergenröder (parteilos und ehemals Bürgermeisterin in Neugersdorf) erhielt die meisten Stimmen: 2.935. Trotzdem wird sie nach dem ersten Wahlgang nicht Bürgermeisterin, denn hierfür wäre eine absolute Mehrheit, also mehr als die Hälfte der Stimmen, nötig. Ihr ehemaliger Amtskollege aus Ebersbach, Bernd Noack (CDU) erhielt 2.770 Stimmen. Politikneuling David Andrick (Die Linke) wählten 557 Einwohner.

Die Wahlbeteiligung war mit 53,7 Prozent recht gut. Da das Ergebnis aber nicht eindeutig ist, steht nun eine Neuwahl an. Sie ist für den 10. April angesetzt. Dann genügt die einfache Mehrheit, der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt. Ab Dienstag können sich für die Neuwahl auch neue Bewerber für das Bürgermeisteramt melden. Die Wahlvorschläge müssen bis zum 31. März 18 Uhr in der Stadtverwaltung eingehen.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Dass die Bürgermeisterwahl in Ebersbach-Neugersdorf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden früheren Amtsinhabern werden würde, hatte Politikwissenschaftler Eckhard Jesse von der Technischen Universität Chemnitz schon vor der Wahl im SZ-Gespräch vermutet. Der dritte Bewerber würde es schwer haben, sagte er. "Es wird sich sicher zwischen den beiden bekannten Amtsinhabern entscheiden."

Lange Zeit hatte es auch so ausgesehen, als würde die Bürgermeisterwahl zwischen den beiden ehemaligen Bürgermeistern von Neugersdorf und Ebersbach, Verena Hergenröder (parteilos) und Bernd Noack (CDU), entschieden werden. Beide hatten sich schon frühzeitig dazu bekannt, dass sie kandidieren. Sie wollten den mit der Städtefusion begonnenen Prozess des Zusammenwachsens beider Ortsteile weiter mit an der Spitze begleiten, erklärten beide. Doch quasi in letzter Minute, nur wenige Tage vor Ende der Bewerbungsfrist, stellte die Linke noch einen Kandidaten auf. David Andrick hatte lange über den Schritt nachgedacht - und sich dann doch dafür entschieden. "Bekannte hatten mich in Gesprächen auch immer wieder ermutigt", erklärt der 37-Jährige Neugersdorfer seinen Entschluss. Mit der dritten Bewerbung um das Amt bekam die Bürgermeisterwahl noch einmal eine ganz neue Spannung.

Mäßige Resonanz

Alle Kandidaten luden zu mehreren Infoveranstaltungen und Bürgersprechstunden ein. Die Resonanz war mäßig, wie zum Beispiel Verena Hergenröder berichtet. Sie habe einige wenige persönliche Gespräche in den Bürgersprechstunden geführt. Trotz rund 7.400 verteilter Postkarten mit Wahlwerbung erhielt sie insgesamt etwa 30 Zuschriften und E-Mails von Bürgern, die Hinweise oder Fragen an die Kandidatin hatten. "Anhand dessen lässt sich schwer abschätzen, wie es ausgeht", sagte sie wenige Tage vor der gestrigen Wahl. Eine ganz besondere Veranstaltung mit großem Interesse organisierte der Gewerbeverein Oberland. Er hatte alle drei Kandidaten eingeladen. Vor allem Unternehmer aus der Stadt nahmen die Gelegenheit war, hier ihre Fragen zu stellen.

Hier kristallisierte sich auch eine starke Forderung der Einwohner heraus: Die Bewerber sollten sich unbedingt auch intensiv mit den Gegebenheiten im jeweils anderen Stadtteil beschäftigen. Die beiden Ortsteile zu einer neuen Stadt zusammenzuführen - auch in den Köpfen ihrer Einwohner - wird jedoch die wohl größte Aufgabe für den neuen Amtsinhaber werden.