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Donnerstag, 13.09.2018

Sport statt Spaghetti

Nicht Kantine, sondern Sportraum: Die Dresdner Firma Sportivation bringt kleine und große Unternehmen in Bewegung.

Von Jana Mundus

Juliane Fischer (l.) von Sportivation zeigt Birgit Lommel, die bei der Stadtentwässerung arbeitet, sportliche Übungen am Arbeitsplatz.
Juliane Fischer (l.) von Sportivation zeigt Birgit Lommel, die bei der Stadtentwässerung arbeitet, sportliche Übungen am Arbeitsplatz.

© Rene Meinig

Es ist ein bedenklicher Trend für die deutsche Wirtschaft. Die langjährige Tendenz zu steigenden Fehlzeiten im Job setzt sich fort. Laut der Krankenkasse AOK kamen sächsische Arbeitnehmer im Jahr 2017 auf 20 Krankentage. Deutsche Unternehmen mussten schätzungsweise 53 Milliarden Euro an Gehältern für kranke Mitarbeiter zahlen, im Jahr 2006 waren es noch gut 25 Milliarden Euro. Ein Grund für den Trend: die alternde Gesellschaft. Mit dem Alter steigt auch die Zahl der Krankheitstage. Immer mehr Firmen setzen deshalb auf Gesundheitsprävention für ihre Mitarbeiter. Die Dresdner Firma Sportivation hat genau darin ihre Mission gefunden.

Die Vision war eine große. „Wir wollten die Welt mit Sport therapieren“, sagt Niels Böttger und lächelt. Beim Sportwissenschaftsstudium in Leipzig traf er auf Ralf Braune und Thomas Barth. Vor zehn Jahren entstand die Idee, eine Firma zu gründen, die Unternehmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützt. Heute sind die drei Geschäftsführer von Sportivation. „Wir wollen unsere Kunden auf dem Weg hin zu einem vitalen Unternehmen begleiten“, erklärt Böttger und erzählt von Mitarbeiterbefragungen, Arbeitsplatzanalysen, Check-ups und Sportkursen. Das Besondere daran: Böttger und sein Team kommen dafür ins Haus.

Gymnastik gegen Kanaldeckel

Sport zu machen – manch einer kann sich dafür nur schwer motivieren. „Die Hürden sollten deshalb nicht allzu hoch sein“, sagt der Dresdner. Das Angebot, direkt in die Firma zu kommen und dort Kurse anzubieten, sei deshalb ideal. „Dann müssen die Mitarbeiter nach der Arbeit nicht erst ins Fitnessstudio fahren.“ Im Jahr 2012 wurde das erste Büro von Sportivation in Leipzig eröffnet, wenig später ging Niels Böttger nach Dresden zurück und managt seitdem den zweiten Standort. Seit Kurzem gibt es das Unternehmen auch in Chemnitz.

Juliane Fischer ist für Sportivation regelmäßig in den Büros der Stadtentwässerung Dresden unterwegs. Schon seit 2010 gehört das Unternehmen zum Kundenkreis der Gesundheitsmanager. Der Stadtentwässerung ging es aber nicht nur um das Anbieten von Kursen in der Mittagspause. „Über die Jahre hat sich die Philosophie im Haus verändert, würde ich sagen“, erklärt Juliane Fischer. Die Mitarbeiter hätten verstanden, dass sie etwas für sich tun müssen, um ihre Lebensqualität zu steigern. Gerade Muskel- und Skeletterkrankungen kommen bei langen, sitzenden Tätigkeiten immer wieder vor. Oder auch bei den Menschen, die draußen unterwegs sind und schwere Kanaldeckel stemmen müssen. Verschiedenste Sportangebote wie Wirbelsäulengymnastik, Tai Chi, Yoga oder Fußball halten die Mitarbeiter heute in Bewegung. Neben einer aktiven Pause gibt es auch Angebote nach der Arbeit. Wer will, kann zwischendurch an die Klimmzugstange, die im Flur aufgehängt wurde.

Das Kursangebot sei aber nur ein Baustein im gesundheitlichen Betriebsmanagement, sagt Niels Böttger. Deshalb bietet Sportivation ebenfalls Seminare und Fortbildungen an. Da geht es um gesunde Ernährung, Rückengesundheit oder um das ergonomisch korrekte Sitzen am Arbeitsplatz. Viele Kunden lassen einzelne Mitarbeiter ihrer Firmen von Sportivation auch zu Multiplikatoren in Sachen Gesundheitsförderung ausbilden.

Für Sport gibt’s Geld

Zu den Kunden gehören heute die sächsischen Staatsministerien, die Landeshauptstadt Dresden, die Online-Druckerei Flyeralarm oder auch der Computerspezialist Cyberport. Ihren Ansatz könnten aber auch Firmen in anderen deutschen Städten gut vertragen, finden die Sportivation-Gründer. Sie haben deshalb schon alles für ein Franchisemodell vorbereitet. „Sollte sich jemand melden, der Sportivation irgendwo anders aufziehen will, wären die Grundlagen schon da“, erklärt Böttger. Derzeit hat das Unternehmen fünf festangestellte Mitarbeiter und über 30 freie Mitarbeiter, darunter Sportwissenschaftler, Gesundheitsmanager und Physiotherapeuten. Sie alle schauen auch immer wieder nach Trends im Sport- und Fitnessbereich. Denn angeboten werden soll ja das, was den Menschen Spaß macht.

In Zeiten, in denen viele Unternehmen nach gutem Personal suchen und es wichtiger wird, dieses auch zu halten, sei ein Gesundheitsmanagement im Betrieb durchaus attraktiv. „Das zeigt den Mitarbeitern: Deine Gesundheit ist uns wichtig.“ Was viele Firmen nicht wüssten: Pro Jahr könnten sie 500 Euro pro Mitarbeiter an steuerlichen Vergünstigungen für solche Angebote geltend machen. Vielleicht noch ein Argument, um in Bewegung zu kommen, hofft das Sportivation-Team.