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Samstag, 15.09.2018

Spinnerei oder Zug der Zukunft?

Der Verfasser einer Anzeige möchte das Transportwesen in Görlitz revolutionieren – per Hyperloop. Eine aberwitzige Idee?

Von Robert Bosse

Dieser studentische Entwurf eines Hyperloops gewann bei einem Wettbewerb den ersten Preis.
Dieser studentische Entwurf eines Hyperloops gewann bei einem Wettbewerb den ersten Preis.

© Technische Universität Delft/dpa

Görlitz. Wie lange braucht man vom Bahnhof Rauschwalde bis hoch zur Landeskrone? Und weiter bis zum Berzdorfer See? Mit dem Auto für die erste Strecke vielleicht sieben Minuten, für die zweite noch 15 Minuten mehr, wenn man zur Blauen Lagune will. Das alles könnte doch viel schneller gehen, meint zumindest der Verfasser einer Anzeige im Niederschlesischen Kurier vom 18. August. Er schlägt vor, für besagte Strecke einen Hyperloop zu bauen.

Diese hypermoderne Technologie wird seit einigen Jahren schon von manchen als die zukünftige Alternative zu Flugzeug und Bahn angesehen, von anderen als Hirngespinst abgetan. Geplant ist die Reise in einer Vakuum-Röhre mit elektromagnetischem Antrieb. Durch den fehlenden Luftwiderstand sollen Geschwindigkeiten erreicht werden, die das Tempo der uns bekannten Transportmittel zu Land weit in den Schatten stellen. Zumindest ist das der Plan. Das Konzept stammt von dem US-amerikanischen Unternehmer Elon Musk, der es schon 2013 vorstellte. Seitdem wird auf der ganzen Welt getüftelt. Zuletzt baute eine Gruppe von Münchener Studenten eine 1,2 Kilometer lange Röhre, in der sie ihr Gefährt mit 467 km/h durchsausen ließen. Gesetztes Ziel sind aber 1 200 km/h, die der Hyperloop schaffen soll. Berlin würde man von München aus also in weniger als einer Stunde erreicht haben. Und wollte man von Görlitz ins Städtchen Geldern, einmal quer rüber auf die andere Seite der Republik an die Grenze zu den Niederlanden, so hätte man in der Röhre die Strecke nach knapp einer halben Stunde bewältigt.

Die Entfernungen vom Bahnhof in Rauschwalde zur Landeskrone und auch bis zum Hotel am Berzdorfer See sind freilich etwas kürzer. Die Anzeige nimmt darauf sogar Rücksicht, indem sie eine Röhrenfahrt mit verminderter Geschwindigkeit vorschlägt, doch fällt es trotzdem schwer, sich vorzustellen, in einer Röhre festgeschnallt mit 800 km/h fünf Kilometer den Berg heraufzuflitzen. Nach ein paar Sekunden wäre man ja schon angekommen. Und das Ein- und Aussteigen würde wohl die meiste Zeit beanspruchen. Die Zeitungsannonce ist mit einer Telefonnummer versehen. Interessierte können demnach jederzeit anrufen, um sich weitere Auskünfte einzuholen oder sogar mit an der Planung teilzunehmen. Im Telefongespräch erzählt der Ideengeber, dass er das schon länger verfolge und verweist auf die ersten Teststrecken, die in Europa am Entstehen sind. So beantragt ein kanadisches Startup derzeit Baugenehmigungen für eine Hyperloop-Strecke im kleinen Örtchen Droux, mitten in der französischen Provinz. Warum also nicht auch in Görlitz?

Seit fünf Jahren schreibe er schon die kurzen Texte in der Zeitung. Immer in der Hoffnung, Mitstreiter zu finden, die ihn dabei unterstützen, den „Zug der Zukunft“ in die Oberlausitz zu holen. Sei es finanziell oder durch technisches Verständnis. Schließlich steckt diese Technologie weltweit noch in den Kinderschuhen, da ist jede Form der Unterstützung willkommen. Rückmeldungen auf die Anzeige blieben allerdings aus. Bisher. Vielleicht muss die Technik erst noch bekannter werden.

Vielleicht liegt es aber auch an der vorgeschlagenen Kurzstrecke. Falls sich der Hyperloop jemals durchsetzen sollte, dann wohl nicht zwischen Bahnhof, Landeskrone und See. Um die Aussicht eines Berges zu genießen, ist der Aufstieg zu Fuß doch eigentlich immer der schönste Part.