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Montag, 13.08.2018

Sperren für den Sport

Das gibt es nur zum Velorace: freie Strecken für Radfahrer, Autos landen in Sackgassen.

Von Christoph Springer

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An der Elbe hatten die Radsportler freie Bahn, Autos durften die Strecke nicht queren.
An der Elbe hatten die Radsportler freie Bahn, Autos durften die Strecke nicht queren.

© Christian Juppe

  • An der Elbe hatten die Radsportler freie Bahn, Autos durften die Strecke nicht queren.
    An der Elbe hatten die Radsportler freie Bahn, Autos durften die Strecke nicht queren.
  • Radolympiasieger Olaf Ludwig und seine Freundin Olga Lazarova erwarten am Sonntag beim Velorace den Start zur 63-Kilometer-Strecke. Gewinner der Königsdiszilin von 105 Kilometern sind aber andere: Patrick Altefrohne und Tanja Frühmesser.
    Radolympiasieger Olaf Ludwig und seine Freundin Olga Lazarova erwarten am Sonntag beim Velorace den Start zur 63-Kilometer-Strecke. Gewinner der Königsdiszilin von 105 Kilometern sind aber andere: Patrick Altefrohne und Tanja Frühmesser.
  • Vielfach gab es Sperrungen - zum Ärger der Autofahrer.
    Vielfach gab es Sperrungen - zum Ärger der Autofahrer.

Seit einer Dreiviertelstunde kurvt Madeleine Mundt durch Dresden. Die 35-Jährige ist genervt. Jetzt meint sie, einen Weg gefunden zu haben und fährt auf dem Sachsenplatz zur Albertbrücke. Doch am Käthe-Kollwitz-Ufer muss sie wieder umdrehen. Da kennt die Polizei kein Pardon, denn die Straße an der Elbe gehört an diesem Sonntag zur Radrennstrecke. Reichlich 20 Kilometer lang ist der Rundkurs durch Dresden. Die Albertbrücke ist deshalb dicht und die Marienbrücke eine Einbahnstraße in Richtung Bahnhof Mitte. Im Stadtzentrum ist für Autofahrer nur die Carolabrücke frei. Das erfährt Madeleine Mundt von Steffen Boden, einem Dispatcher der Dresdner Verkehrsbetriebe. Gemeinsam mit einem Kollegen ist er dafür zuständig, am Käthe-Kollwitz-Ufer die Straßenbahnen der Linien 6 und 13 über die Rennstrecke zu schleusen.

Am Sonntagvormittag gegen 11.30 Uhr funktioniert das ganz gut. Denn es ist gerade Rennpause, nur vereinzelte Radler sind jetzt auf der Strecke. Trotzdem dürfen den abgesperrten Rundkurs keine Autos kreuzen. „Ich komme von Altleuben und muss zur Hofewiese“, sagt Madeleine Mundt. „Für eine Strecke, die ich sonst in zehn Minuten fahre, habe ich jetzt schon 45 Minuten gebraucht.“ Das Sperrschild am Sachsenplatz in Richtung Albertbrücke hat sie ignoriert, einen Hinweis auf die freie Caro-labrücke gibt es dort nicht. Polizist Roland Engelmann zuckt mit den Schultern. Das sei eigentlich Sache der Veranstalter, sagt er. Madeleine Mundt muss wenden und sich einen Weg zur Carolabrücke suchen.

„Ein paar Autofahrer murren, die meisten sehen das aber ein“, beschreibt Engelmann seine Erfahrungen vom Sonntagvormittag. Auch Dispatcher Steffen Boden ist nicht beschimpft worden. Ronny Dörfler hat es da schwerer. Er muss Radfahrer stoppen, die von der Brücke kommen und Richtung Straßburger Platz wollen. Sie dürfen fahren. Aber nur dann, wenn er nicht mit seiner Sperrfahne winkt, weil gerade Rennfahrer vorbeikommen. „Sie begreifen es nicht“, schimpft er über solche Radfahrer, die nicht anhalten wollen. „Manche meinen, es besser zu wissen.“

Beate Nauders fährt mit ihrem Auto auch in den gesperrten Bereich vor der Brücke. „Ich will nur wissen, wo ich lang kann“, sagt sie und freut sich über die Sportler in der Stadt. „Ich finde das toll, dass es solche Aktivitäten gibt.“ Ähnlich geht es Sonja Härtel. Sie ist selbst Radsportlerin und feuert ihren Freund an, der beim Velorace dabei ist. „Ich finde es gut, dass die Stadt dafür gesperrt wird“, sagt die 28-Jährige. Am Start und Ziel hat sie sich mit einem Hocker postiert. „Tour de France“ steht auf der Sitzfläche. Die Erfurterin ist begeistert von den Rennen in Dresden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 57 Kommentare

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  1. Sven

    Unglaublich, die ganze Innenstadt zu sperren bei der derzeit ohnehin schon hohen Vielzahl an Baustellensperrungen. Ich habe am Sonntag mit meiner Familie sage und schreibe 50 Minuten vom Zoo bis in die Neustadt gebraucht. Eine ordentliche Information der Veranstalter (Skoda *hüstl*), der Stadt UND der Zeitungen/Radios im Vorfeld hätte das verhindern können und ich hätte über einen einfachen Umweg den Weg über die Carolabrücke wählen können. Oder den ÖPNV. Offensichtlich ging es nicht nur mir so. Die dichten Einbahnstraßen in Striesen und Blasewitz konnten das bezeugen. Es könnte so einfach sein... aber die Polizisten stehen sich lieber achselzuckend die Beine in Bauch anstatt eine ordentliche Verkehrsführung zu gewährleisten.

  2. Dresdner Bürger

    Für mich ist es unverständlich das eine ganze Stadt DERART in "Geiselhaft" genommen werden muss! Nichts gegen Sport, aber es gibt genügend Menschen die auch Sonntag zur Arbeit müssen,einem Tag, an dem zudem der öPNV nur ausgedünnt verkehrt. Da bedarf es einfach einer besseren Planung und Ausschilderung von Alternativrouten!

  3. D. Heim

    Beim ersten Velorace war ich genervt. Beim zweiten wusste ich, was zu tun ist: Website Velorace, Rennstrecke anschauen. Aus der Neustadt in den großen Garten habe ich dann mit dem Auto nur einen geringen Umweg über den Hbf. gehabt. Die Beschilderung ist aber schlecht: Einfach mal draufschreiben, dass nur die Carolabrücke im Zentrum frei ist, dann kann sich jeder orientieren. Sport frei!

  4. @Sven

    Wer muss denn in Dresden vom Zoo in die Neustadt mit dem Auto fahren? Da müssen also Millionen Steuergelder für solch sinnlose Fahrten ausgegeben werden? Haben Sie eine so schwere Behinderung, dass da nichts anderes geht? Und dann sollen auch noch die Polizei Berater dafür spielen? Einmal Zeitung lesen, haben Sie ja heute hinbekommen.

  5. Markus

    Irgendwie gab es dazu keinerlei Infos im Vorfeld. Weder in der SZ oder einer anderen lokalen Zeitung. Oder habe ich das übersehen? [Anm. d. Red.: In unserer Wochenendausgabe ist dazu ein großer Artikel erschienen ("Dresden wird zur Radrenn-Zone")

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