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Donnerstag, 23.03.2017

Spejbl und Hurvinek sind jetzt allein

Helena Stachova, die Prager Theaterchefin und Stimme von Manitschka, ist gestorben.

Von Hans-Jörg Schmidt, SZ-Korrespondent in Prag

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Die tschechische Marionettenspielerin Helena Stachova starb im Alter von 72 Jahren.
Die tschechische Marionettenspielerin Helena Stachova starb im Alter von 72 Jahren.

© CTK/Krumphanzl Michal

  • Die tschechische Marionettenspielerin Helena Stachova starb im Alter von 72 Jahren.
    Die tschechische Marionettenspielerin Helena Stachova starb im Alter von 72 Jahren.
  • Vater Spejbl und Sohn Hurvínek sind in der ganzen Welt bekannt.
    Vater Spejbl und Sohn Hurvínek sind in der ganzen Welt bekannt.

Tränen der Trauer bei vielen großen und kleinen Fans von Spejbl und Hurvinek: Die langjährige Prinzipalin der weltberühmten gleichnamigen Prager Puppenbühne, Helena Stachova, ist tot. Sie verstarb nach Angaben ihrer Tochter Denisa Kirschnerova in der Nacht zum Mittwoch in Prag nach schwerer Krankheit.

Mehr als 50 ihrer 72 Lebensjahre gehörte Stachova dem Ensemble mit den handgeschnitzten Holzpuppen an. Sie begann als junge Elevin, führte und sprach selbst die Figuren der Freundin von Hurvinek, Manitschka, sowie von Großmütterchen Babinka, heiratete den Chef der Truppe, Milos Kirschner, und übernahm 1996 nach dessen Tod die Leitung des Puppentheaters. Stachova schrieb zahlreiche Manuskripte der Stücke und führte Regie.

Wegen zunehmender gesundheitlicher Probleme war sie zuletzt nicht mehr unter den Puppenspielern, sondern widmete sich allein dem Betrieb des Theaters. Das Puppentheater war 1930 von Josef Skupa in Pilsen gegründet worden. Nach dessen Tod übernahm sein Schüler Kirschner die Leitung. Er führte auch die Tradition ein, dass im Ausland stets auch in der dortigen Sprache gespielt wurde.

„Ich mag die Deutschen sehr“, sagte Helena Stachov vor einiger Zeit dem Prager LandesEcho. „Sie diskutieren gerne über verschiedene Gesellschaftsfragen. Sie verstehen daher unser Spejbl-Hurvinek-Duo, da sie unterschwellig gerade auf solche Diskussionen eingestellt sind.“ Das Theater setze aber nicht auf einen „Frontal-Humor“. „Die Grundlagen unseres tschechischen Humors wurden in vergangenen Zeiten gelegt, als man nicht erklären, sondern nur anzudeuten brauchte, was man nicht offen aussprechen durfte.“ Helena Stachova hat persönlich mehrere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Sie verlor ein Kind und erlitt bei einem unverschuldeten Autounfall schwere Gesichtsverletzungen. Später diagnostizierten die Ärzte bei ihr eine Krebserkrankung der Lymphdrüsen. In ihren letzten Lebensjahren gesellten sich dazu schmerzhafte Rückenprobleme. Die rührten auch vom anstrengenden Puppenspiel her. Jede der handgeschnitzten Holzpuppen wiegt etwa fünf Kilogramm, was sich bei den bis zu zweistündigen Aufführungen irgendwann bemerkbar machte.

Stachova hat sich von Problemen nie unterkriegen lassen. Im Jahr 2000 begann ein langwieriger Streit um die Rechte an den beiden „Hauptdarstellern“ Spejbl und Hurvinek mit der Anstalt für Sozialdienste in Pilsen. Letztere hatte den Nachlass Skupas von einer entfernten Verwandten bekommen und wollte künftig an den Einnahmen beteiligt werden. Der Streit, den Helena Stachova finanzieren musste, ging bis vors Oberste Gericht, das nach acht Jahren letztendlich Stachova und dem Theater recht gab. In all diesen Jahren sorgte sie dafür, dass keine einzige Vorstellung wegen der Finanzprobleme ausfiel. Wie Denisa Kirschnerova betonte, soll das Theater auch nach dem Tod seiner Prinzipalin weiter bestehen bleiben: „Wir werden uns darum bemühen, dass unsere hölzerne Familie ihr Theaterleben weiter leben kann.“