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Donnerstag, 09.11.2017

Spätes Mittelalter bremst neue Parkplatz-Pläne

Neben der Jägerkaserne in Görlitz wurde bei Bauarbeiten ein antiker Turm entdeckt. Das Problem: Die Stadt wollte hier eigentlich Autostellplätze einrichten.

Von Matthias Klaus

Archäologin Nicole Eichhorn hat die Ausgrabung neben der Jägerkaserne geleitet. Sie ist begeistert vom guten Zustand des Geschützturms aus dem Spätmittelalter.
Archäologin Nicole Eichhorn hat die Ausgrabung neben der Jägerkaserne geleitet. Sie ist begeistert vom guten Zustand des Geschützturms aus dem Spätmittelalter.

© nikolaischmidt.de

Nicole Eichhorn misst noch mal nach. Ja, stimmt. 3,40 Meter. So dick ist die Wand. Mächtig gewaltig. „Aber schreiben Sie bitte nicht ,schön‘. Schreiben Sie lieber ,eindrucksvoll‘, bittet die junge Frau vom Landesamt für Archäologie Sachsen und lacht. Ein spätmittelalterlicher Görlitzer Stadtturm hat die Begeisterung der Altertumsexperten aus der Landeshauptstadt geweckt. Selten offenbar, dass so ein Bauwerk so gut erhalten gefunden wurde.

Nicole Eichhorn weiß seit dem Sommer von der Ruine aus Granit auf der Baustelle für die Sporthalle. Beim Verlegen von Leitungen neben der Jägerkaserne an der Hugo-Keller-Straße waren die Bauarbeiter auf den Geschützturm gestoßen. Das Landesamt in Dresden datiert ihn auf das späte 15. Jahrhundert. Vermutlich, genau will man sich noch nicht festlegen. „Die Schweden drin, die Sachsen draußen“, so formuliert Thomas Westphalen die Funktion des Turmes. Als die kaiserlich-kursächsischen Truppen 1641 die Stadt beschossen, hat das Bauwerk keinen Schaden genommen. Unklar sei bis vor Kurzem gewesen, ob der Turm nach dem Abbruch der Görlitzer Stadtbefestigung nach 1840 ebenfalls abgetragen wurde, schildert der Abteilungsleiter aus dem Landesamt für Archäologie. „Aber anscheinend hatte man sich schon damals zum Erhalt bekannt – und den Turm einfach nur zugeschüttet“, sagt Thomas Westphalen. Dass es den Turm mit seinen drei Geschützständen gibt, so ganz neu ist die Erkenntnis nicht. Auf unterschiedlichen historischen Ansichten der Stadt ist er zu sehen. „Trotzdem, dass er so gut erhalten ist, ist schon bemerkenswert“, sagt Christoph Heiermann vom Landesamt.

Das Rathaus steht nun vor einem Problem. Denn eigentlich waren dort, wo sich das historische Bauwerk befindet, lang erwartete Parkplätze geplant. „Ein kompletter Parkplatz ist jetzt nicht mehr machbar.“ So sieht es Bürgermeister Michael Wieler. Ob und wie der Turm künftig anzuschauen, vielleicht auch zu begehen ist – das ist noch völlig offen. „Eine unmittelbare Nutzung kommt ja nicht infrage“, sagt der Bürgermeister. Letztendlich werde er gemeinsam mit dem OB dem Stadtrat einen Vorschlag unterbreiten, wie die Granitruine für Besucher zugänglich gemacht werden könnte. Und Michael Wieler bringt bei dieser Gelegenheit wieder die Idee eines ein Parkdecks im Hof der Jägerkaserne zur Sprache.