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Freitag, 15.06.2018

Somsdorf will die EM

In Freital-Somsdorf soll die Seifenkisten-Europameisterschaft steigen – mit Hunderten Fahrern und Tausenden Besuchern.

Mit bis zu 75 Stundenkilometern den Berg hinab – das ist bislang jedes Mal beim Seifenkistenrennen in Kleinnaundorf zu erleben. 2021 soll das Event noch größer werden. Dafür ist allerdings ein Umzug nötig.
Mit bis zu 75 Stundenkilometern den Berg hinab – das ist bislang jedes Mal beim Seifenkistenrennen in Kleinnaundorf zu erleben. 2021 soll das Event noch größer werden. Dafür ist allerdings ein Umzug nötig.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. In den kommenden vier Wochen blickt die Welt nach Russland, wenn dort die Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet. Sportler aus mehreren Ländern werden wohl auch bald in Freital für einen einmaligen Höhepunkt sorgen. In Somsdorf sollen im Jahr 2021, zum hundertjährigen Stadtjubiläum Freitals, die Seifenkisten-Europameisterschaften stattfinden. Das steht seit Mittwochabend fest. Die Pläne wurden in der Freitaler Ortschaft öffentlich präsentiert und stießen bei den rund 20 Gästen auf große Zustimmung. Die Sächsische Zeitung beantwortet die wichtigsten Fragen zu der Veranstaltung.

Was man zum Seifenkisten-Rennen wissen muss

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Was genau ist die Seifenkisten-Europameisterschaft?
Seifenkisten – das klingt zunächst nach einem Gaudi für Kinder. Doch es gibt eine professionelle Rennszene, die sich bei nationalen und internationalen Wettkämpfen misst. Die Teilnehmer stecken viel Geld in ihre Boliden, die weniger an Seifenkisten, aber mehr an Mini-Formel-1-Wagen erinnern – allerdings ohne Motor. Die Europameisterschaften finden jedes Jahr statt – derzeit mit Fahrern aus sieben Nationen.

Warum soll die EM ausgerechnet nach Somsdorf kommen?
Professionell ausgetragene Seifenkistenrennen haben in Freital schon Tradition. In Kleinnaundorf wird seit 2012 ein Rennen des sogenannten Mittel-Deutschland-Cups ausgetragen. 2016 fand hier die Deutsche Meisterschaft statt, im nächsten Jahr wieder. Dahinter steht Ortsvorsteher Thomas Käfer. Er hatte die Idee für die Seifenkistenrennen und ist auch selbst ein begeisterter und erfolgreicher Fahrer. Mit seinem Kleinnaundorfer Heimatverein hat er sich nun an die Somsdorfer gewandt, weil die Strecke in Kleinnaundorf mit rund 800 Metern laut EM-Statuten zu kurz ist. Gebraucht werden mindestens 1500 Meter.

Was genau ist in Somsdorf geplant?
Die Strecke soll auf einer Länge von etwa zwei Kilometern auf der stark abschüssigen Höckendorfer Straße eingerichtet werden. Start soll am Gasthof Erbgericht in Somsdorf sein, das Ziel am Gasthaus Zum Rabenauer Grund in Hainsberg – macht 120 Meter Höhenunterschied. Die Seifenkisten-Europameisterschaften finden traditionell am letzten Juli-Wochenende statt. Erwartet werden 150 Teams aus Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich, Belgien und Tschechien mit bis zu 250 Fahrern. Sie ermitteln in mehreren Läufen den Schnellsten. Mit 8000 Zuschauern am gesamten Wochenende wird gerechnet. Thomas Käfer kalkuliert mit einem Budget von rund 150000 Euro. Das soll durch Sponsoren, Fördermittel und Eintrittsgelder gedeckt werden.

Welche Einschränkungen sind für die Somsdorfer zu erwarten?
Die Höckendorfer Straße muss für das Rennen am Sonnabend und Sonntag gesperrt werden. Auch die zweite Verbindung von Hainsberg nach Somsdorf über die Straße Alter Berg wird für das Rennen gebraucht – damit die motorlosen Seifenkisten auf den Berg gezogen werden können. Für die Somsdorfer bleibt also nur die umständliche Ausweichstrecke über Lübau nach Rabenau und von dort nach Freital.

Hat denn Somsdorf die Europameisterschaften schon sicher?
Nein. Am Mittwoch haben die Kleinnaundorfer ihr Vorhaben zunächst in Somsdorf vorgestellt. Über die Runde im Vereinshaus des Eibe-Vereins waren alle Somsdorfer per Handzettel informiert worden. Da die Anwesenden keine Einwände gegen die Pläne hatten, wird es nun mit der Bewerbung ernst. Ende Oktober wird der Kleinnaundorfer Heimatverein diese beim Seifenkisten-Verband einreichen. Im November fällt die Entscheidung. Organisator Thomas Käfer rechnet sich sehr gute Chancen aus für den Zuschlag. Zum einen werde die EM immer reihum in allen Nationen, die Fahrer stellen, ausgetragen. 2021 sei Deutschland dran. Zum anderen habe sich Kleinnaundorf durch die dortigen Rennen einen exzellenten Ruf als Organisator aufgebaut.