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Donnerstag, 21.06.2018

Sofort Feuer und Flamme

Die zehnte Schumanniade in Kreischa und Reinhardtsgrimma beginnt. Für einen früheren Startenor endet dann eine Ära.

Von Stephan Klingbeil

Die Mitglieder der Veranstalter vom Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischa, wie Wolfgang Bergner, Iris Dill, Dorothea Konrad und Freya Kazzer (v.l.n.r.), freuen sich schon auf die nun beginnende zehnte Schumanniade. Die Büste des Namenspatrons im Kurpark von Kreischa bekommt in Kürze Gesellschaft.
Die Mitglieder der Veranstalter vom Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischa, wie Wolfgang Bergner, Iris Dill, Dorothea Konrad und Freya Kazzer (v. l. n. r.), freuen sich schon auf die nun beginnende zehnte Schumanniade. Die Büste des Namenspatrons im Kurpark von Kreischa bekommt in Kürze Gesellschaft.

© Karl-Ludwig Oberthür

Kreischa/Reinhardtsgrimma. Es wird ein Abschied nach fast zwei Jahrzehnten. Mit der am Freitag beginnenden zehnten Schumanniade hört der ehemalige Startenor Peter Schreier als künstlerische Leiter dieses dreitägigen Musikfestivals in Kreischa und Reinhardtsgrimma auf. Ehe sein Nachfolger Olaf Bär das Ruder übernimmt, will der 82-jährige Kammersänger aus Dresden sogar noch ein letztes Mal selbst bei der Schumanniade auftreten.

Mit seinem Freund, dem weltbekannten Pianisten Sir András Schiff, interpretiert er zum Abschluss bei der Matinee am Sonntag im Schloss Reinhardtsgrimma als Sprecher die Davidsbündlertänze vom jungen Robert Schumann – nach Melodramen von Friedrich Hebbel. Schreier freut sich auf diese, wie er sagt, „Herausforderung“.

„Die Matinee ist aber schon ausverkauft“, erklärt indes Iris Dill vom Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischa, der die Konzertreihe organisiert. Anders sehe es bei den beiden weiteren Veranstaltungen der Schumanniade aus.

Zum Auftakt am Freitag, dem 22. Juni, im schmucken Trausaal des Barockschlosses Reinhardtsgrimma wird Sopransängerin Miriam Alexandra Lieder von Clara und Robert Schumann sowie von Fanny und Felix Mendelssohn und Pauline Viarot zum besten geben. Begleitet wird die Gewinnerin des internationalen Händelwettbewerbs von Eric Schneider am Klavier.

Für das Konzert der vielseitigen Konzert- und Opernsängerin gibt es genauso noch Restkarten wie für das zweite Konzert der Schumanniade am Sonnabend in der Kreischaer Kirche. Ab 20 Uhr ist dort das Konzert mit Werken von Schumann für zwei Klaviere, zwei Celli und ein Solo-Horn in B-Dur sowie das Konzert für zwei Klaviere, 4 Hörner in F-Dur und die Violinsonate Nummer zwei in d-Moll zu hören. Am Klavier: Sir Schiff und Schaghajegh Nosrati. Mit der Preisträgerin des internationalen Bach-Wettbewerbs in Leipzig trat der Starpianist schon mehrmals auf. Ebenso dabei ist dessen Frau, Geigerin Yuuko Shiokawa.

Künstler vom Weltformat traten bereits viele, auch mehrmals, bei Schumanniaden auf. Aus Österreich, Japan, England oder auch Norwegen reisten sie an und sorgten ebenfalls dafür, dass Kreischa in der Musikwelt ein Begriff geworden ist. Sie folgten stets dem Ruf von Schreier. Die Schumanniade ist eng mit dem Ehrenvorsitzenden des Kunst- und Kulturvereins verbunden.

Der langjährige Kammersänger und Dirigent hat ein Wochenendhaus im Ortsteil Lungkwitz und weilte bereits 1994 regelmäßig dort. Damals hatte sich der Kunst- und Kulturverein gegründet, um dem kulturellen Leben in Kreischa mehr Schwung zu verpassen. Seither organisiert Verein unter anderem eine eigene Konzertreihe in den Ortsteilen Kreischa, Quohren und Saida, die Nachfolgeveranstaltungen der beliebten Seniorennachmittage. Und der Chor des Vereins tritt regelmäßig auf, auch mit anderen Gesangsgruppen.

Die langjährige Vorsitzende, Dorothea Konrad, brachte in den 1990er-Jahren die Idee ein, Schumann als Namenspatron zu wählen. Damit sollte an dessen Aufenthalt in Kreischa erinnert werden. Robert und seine Frau, die Pianistin Clara Schumann, lebten zwischen 1844 und 1850 in Dresden. Damals war die Residenzstadt eine Hochburg der deutschen Revolutionsbewegung.

Über den Nachbarn zum Verein

Als es im Mai 1849 zum Dresdner Aufstand kam, floh der aus Zwickau stammende Komponist mit seiner Familie nach Maxen auf das Rittergut von Freunden. Doch das Gebaren dorthin geflüchteter Aristokraten soll für Schumann zu viel gewesen sein. So zog der damals 38-Jährige samt Familie weiter ins nahe Bad Kreischa. Dort fand er Ruhe zum Komponieren. In den folgenden Wochen komponierte er mehrere Stücke.

Vor allem diese Werke wurden bei der Schumanniade gespielt – und werden es sicher auch noch nach dem Ausscheiden von Schreier unter Olaf Bär. Im Verein geht man davon aus, dass der 60-jährige Schumann-Preis-Träger und Professor an der Hochschule für Musik in Dresden als neuer künstlerischer Leiter am bewährten jetzigen Konzept anknüpfen wird. Der zweijährige Rhythmus soll wohl beibehalten werden. Nur einmal, aufgrund des 200. Geburtstags des Namenspatrons pausierte das Festival mal drei Jahre, damit es im Jubiläumsjahr 2010 stattfinden konnte.

1999 feierte die Schumanniade Premiere. Schreiers Vision wurde Realität. Der frühere Startenor kam am 28. Februar 1995 über seinen Nachbarn aus Lungkwitz, dem Violinisten und Vorstand Martin Schneider-Marfeld, zum Verein. Er erzählte von der Schubertiade Feldkirch und und seiner Idee der Schumanniade in Kreischa. „Wir waren sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich Dorothea Konrad. Noch am selben Abend wurde Schreier Vereinsmitglied.

Das Musikfestival erlangte rasch internationale Bekanntheit. Regelmäßig waren die Konzerte ausverkauft. „Einmal war es bei einem Auftritt von Herrn Schreier rappelvoll und es wollten immer mehr Leute dabei sein, dass wir Vereinsmitglieder unsere Plätze geopfert, also abgegeben haben“, sagt Dorothea Konrad. Auch dieses Jahr locke die Schumanniade wieder viele Klassikliebhaber, darunter auch Gäste von den Schumann-Vereinen aus Leipzig und Zwickau, für ein paar Tage nach Kreischa.

Nicht wenige der Besucher werden sich am Sonnabend um 18 Uhr im Kurpark versammeln. Denn dann wird dort eine Büste von Peter Schreier enthüllt. Neben dem Schöpfer Hans Kazzer will unter anderem auch der Startenor selbst mit vor Ort sein.

Restkarten für die Konzerte am Freitag und Sonnabend kann man noch bestellen unter: 035206 185559 und per E-Mail an: schumanniade@kvkreischa.de .