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Sonntag, 05.08.2018

So wurde an der Bastei gelöscht

Die Feuerwehrleute leisteten Außergewöhnliches. Die Brandursache ist noch rätselhaft.

Von Daniel Förster und Gunnar Klehm

Waldbrand in der Sächsischen Schweiz

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Am Freitag bekämpften noch mal 180 Feuerwehrleute aus der Region den Brand.
Am Freitag bekämpften noch mal 180 Feuerwehrleute aus der Region den Brand.

© Daniel Förster

  • Am Freitag bekämpften noch mal 180 Feuerwehrleute aus der Region den Brand.
    Am Freitag bekämpften noch mal 180 Feuerwehrleute aus der Region den Brand.

Kurort Rathen/Lohmen. Meter um Meter arbeiten sich die Feuerwehrleute durch den vom Löschwasser aufgeweichten Waldboden bis zur Felskante vor. Bei jedem Schritt müssen sie aufpassen, nicht abzurutschen. Bis zur Erschöpfung löschen sie etwa 4 000 Quadratmeter Fläche, die in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz im Basteigebiet brennen. Erst nach 28 Stunden Schuften bei tropischen Temperaturen hieß es am Freitag gegen 17 Uhr endlich: „Feuer gelöscht“. Alle, die hier in dem unwegsamen Gelände agierten, können jetzt nachvollziehen, warum der Felsen den Namen „Kraxelbrüderscheibe“ bekam. Teilweise mussten die Feuerwehrleute von der Bergwacht gesichert werden, weil die Gefahr des Abstürzens so groß war. Jetzt rücken die Einsatzkräfte wieder ab. Nur eine Brandwache bleibt vor Ort. Zur Sicherheit hat die Feuerwehr noch eine der Schlauchleitungen liegen gelassen.

Waldbrand in der Sächsischen Schweiz

Am Donnerstag, kurz, nach 13 Uhr, erreichte die erste Meldung des Waldbrandes im Basteigebiet die Feuerwehr. In mehreren Wellen rückten 154 Kameraden von 15 Ortsfeuerwehren aus, um das Feuer zu löschen. Die Rauchwolken waren weithin sichtbar. Schließlich wurde der Brandherd zwischen Wehlen und Bastei oberhalb des Hirschgrunds geortet. Der hatte sich aber schon ausgebreitet und war nur fußläufig zu erreichen.

Pendelverkehr der Tankwagen

Löschwasser dorthin zu bringen, war eine große logistische Herausforderung, die die Feuerwehr von drei Seiten aus anging. Die Einsatzzentrale wurde mitten im Wald nahe dem Steinernen Tisch eingerichtet. Die hatte der stellvertretende Kreisbrandmeister, Steffen Pilz, übernommen. Im Wald wurde auch die Übergabestation aufgebaut, an der das Löschwasser in die Schläuche gepumpt wurde. Waren die Tankfahrzeuge leer, sind sie zum Auffüllen nach Rathewalde zum Teich gependelt. Außerdem wurden Schlauchleitungen zur Zisterne am Bastei-Hotel verlegt und eine Förderstrecke über mehr als 500 Meter von der Elbe zum Ort der Wasserübergabe. „Über einen Höhenunterschied von 150 Metern mussten wir das Wasser nach oben bringen“, sagt Kreisbrandmeister Karsten Neumann. Es war eine organisatorische Meisterleistung, an der am Ende fast alle Feuerwehren aus der Sächsischen Schweiz beteiligt waren.

Regen macht Bogen um Brand

Trotz aller Anstrengungen gelang es jedoch nicht, den Brand bis zum Einbruch der Dunkelheit zu löschen. Die Feuerwehr schaffte es nur, den ersten, hinten liegenden Abschnitt zu erreichen. Bis zum Ende des Felsriffs oberhalb der Elbe schafften sie es nicht. Schließlich musste der Einsatz unterbrochen werden, weil es für die Feuerwehrleute zu gefährlich wurde. Ein Ausleuchten des Geländes war unmöglich. Etwa 40 Kameraden blieben jedoch die Nacht über als Brandwache vor Ort.

Insbesondere wurde beobachtet, ob sich das Feuer weiter Richtung bewohntem Gebiet ausbreitete. „Das Feuer hatte sich über Nacht weit in den Boden eingebrannt“, sagt Neumann.

Gegen 6.30 Uhr wurden am Freitag die Löscharbeiten wieder aufgenommen. Am Vormittag wurden zusätzliche Kräfte von weiter entfernten Feuerwehren aus Pirna, Sebnitz, Langenwolmsdorf, Dürrröhrsdorf-Dittersbach und Bad Gottleuba-Berggießhübel herangezogen, um die inzwischen ausgepowerten Kameraden abzulösen, die in der erbarmungslosen Hitze unermüdlich schufteten. So waren am Freitag nochmals bis zu 180 Feuerwehrleute aus der Region im Einsatz.

Regen hätte auch geholfen. Am Vormittag zog dann auch ein Regenband von Nordosten in die Sächsische Schweiz. Das schrammte jedoch genau am Basteigebiet vorbei. Nur auf der Linie Sebnitz, Bad Schandau, Bielatal regneten sich die Wolken ab. Der Wind, der das Regengebiet begleitete, half stattdessen dem Feuer. Auch am Donnerstag hatten Windböen eines drohenden Gewitters neue Flammen entfacht. Auch da machte der Regen einen Bogen um den Großbrand.

In der Not wurde sogar der überaus teure Einsatz eines Löschhubschraubers ins Spiel gebracht. „Aufgrund der exponierten Lage auf den Felsen wurde aber darauf verzichtet, damit die Glut nicht mit dem Auftreffen des Wassers nach unten geworfen wird“, erläutert Einsatzleiter Steffen Pilz. Dort schützten Feuerwehrleute die Häuser.

Zeitweise drohte das Feuer nach unten Richtung Elbe vorzudringen. Wie Fackeln fiel brennendes Material an den Felskanten hinab und wurde von den Feuerwehrleuten gelöscht, die dort ihren Posten bezogen hatten. Das Feuer war schließlich unter Kontrolle und konnte „dank des großen Engagements aller Einsatzkräfte gelöscht werden“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Insgesamt waren 17 Ortsfeuerwehren aus der Region im Einsatz. Die Bergwacht war zunächst mit den Bereitschaften Bad Schandau und Sebnitz vor Ort, später wurden auch noch die aus Pirna, Dresden und Meißen hinzugezogen. Zur Brandursache ist noch nichts bekannt.

Das Kontrollregime im Nationalpark werde unverändert beibehalten, erklärte der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dietrich Butter. „Es gibt immer noch Leute, die es noch nicht wissen, dass es derzeit Sonderregelungen gibt“, sagt er. Wegen der anhaltend hohen Waldbrandgefahr wurde vom Landratsamt ein Betretungsverbot von 21 bis 6 Uhr verfügt. Tagsüber dürfen Waldwege im gesamten Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz nicht verlassen werden. (mit ypo)