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Donnerstag, 12.07.2018

So sieht es jetzt im Kulturhaus aus

Verfall und Zerstörungen sind größer als bisher bekannt. Unternehmer starten eine Initiative zur Rettung des bekannten Bischofswerdaer Hauses.

Von Ingolf Reinsch

So sieht es im Kulturhaus aus

Trostlos von außen - das Bischofswerdaer Kulturhaus. Der Anblick im Inneren ist deutlich schlimmer.
Trostlos von außen - das Bischofswerdaer Kulturhaus. Der Anblick im Inneren ist deutlich schlimmer.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Die letzte große Veranstaltung im Kulturhaus Bischofswerda liegt nicht einmal anderthalb Jahre zurück. Es war der Weiberfasching im Februar 2017. Über 500 Besucher feierten mit.

So sieht es im Kulturhaus aus

Wie ein Gebäude in reichlich 16 Monaten dermaßen verfallen kann, dass man es auf absehbare Zeit wohl nicht mehr wird nutzen können, ist eines von mehreren Rätseln, die sich um das Kulturhaus ranken. Dem Wirtschaftsförderverein Bischofswerda (WFB) liegen Fotos vor, die den baulichen Verfall, aber auch mutmaßliche Zerstörungen dokumentieren. Bilder, die erschrecken und wehtun.

Verwüstungen im ganzen Haus

Auf einer Fläche von rund 30 Quadratmetern ist das Dach über dem Foyer eingestürzt. Regenwasser konnte in das Gebäude eindringen und bahnte sich seinen Weg in den benachbarten großen Saal, heißt es in einer Pressemitteilung des Wirtschaftsfördervereins. Das Parkett quoll auf, fault an mehreren Stellen und wurde im gesamten Saal irreparabel beschädigt.

Mehrere Augenzeugen berichteten unabhängig von einander der SZ, dass Türen des Hauses offen standen. So drangen mit hoher Wahrscheinlichkeit Leute in das Gebäude ein, die dort nichts zu suchen haben. Nahezu alle Räume wurden verwüstet, verschlossene Türen aufgebrochen, sämtliche Schaltkästen der Elektroanlagen sowie Teile der Saal- und Beleuchtungstechnik geplündert. Essensreste, zerschlagene Eier und der Müll ehemaliger Schlafplatze ziehen Ungeziefer an. Brandstellen an Holzwänden, entleerte Pulverfeuerlöscher vom Keller bis zur obersten Etage sowie Schmierereien an den Wänden zeugen von vorsätzlichem Handeln, heißt es.

Seitdem die letzte Eigentümergemeinschaft, die Kulturhaus Bischofswerda GmbH, im Frühjahr 2015 Insolvenz anmelden musste, wird das Gebäude von einem Dresdner Rechtsanwalt verwaltet. Ein vor etwa zwei Jahren abgeschlossener Kaufvertrag mit einer Projektgesellschaft wurde nicht wirksam. Nach Aussage der für Ordnung und Sicherheit zuständigen Amtsleiterin in der Stadtverwaltung Sybille Müller habe man den Insolvenzverwalter auf die Missstände hingewiesen und ihn zum Handeln aufgefordert – bisher ohne Erfolg.

Runder Tisch mit Stadträten

Um den sichtbaren Verfall des Kulturhauses zu stoppen, beschäftigt sich der Wirtschaftsförderverein seit Beginn dieses Jahres mit dem Gebäude. „Es ist ein Haus, das für viele Menschen aus Bischofswerda und dem Umland identitätsstiftend ist. Das Kulturhaus gehört zu einer lebenswerten Stadt“, sagt Toralf Käppler vom Wirtschaftsförderverein. Der Verein, dem überwiegend Unternehmer angehören, plädiert seit Langem für die Aufwertung der Stadt Bischofswerda als Mittelzentrum für die Region, wozu auch sogenannte weiche Standortortfaktoren gehören. Im Interesse, eine Lösung zu finden, luden die Vereinsmitglieder in der vergangenen Woche Vertreter aller Stadtratsfraktionen und den Wirtschaftsförderer der Stadtverwaltung, Matthias Hoyer, zu einem „Runden Tisch“ ein. Der WFB stellte dort ein von seinen Mitgliedern entwickeltes Konzept vor, wie das Kulturhaus möglicherweise der Stadt und ihren Bürgern erhalten bleiben kann.

Die anschließende Diskussion sei rege und emotional geführt worden, teilt der Wirtschaftsförderverein mit. Einig seien sich die Teilnehmer darin, dass es notwendig sei, das Kulturhaus vor weiteren Verfall zu sichern. Dass das Haus nicht in städtischem Eigentum ist, macht dieses Anliegen allerdings nicht einfacher. Erforderlich sei ein „äußerst bedachtes und rechtssicheren Vorgehen“, heißt es beim Wirtschaftsförderverein. Dessen Angaben zufolge wollen sich die anwesenden Stadträte schnellstmöglich für eine Sondersitzung des Stadtrates, eventuell noch Mitte Juli, einsetzen, um eine Objektsicherung und das weitere Vorgehen zu beraten.