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Mittwoch, 21.02.2018

So kämpft Dresden gegen Fahrverbote

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet voraussichtlich am Donnerstag über Diesel-Fahrverbote in besonders belasteten Innenstädten. Die Stadt Dresden sucht den Ausweg.

Von Sandro Rahrisch und Christoph Springer

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Der Straßenverkehr ist in Ballungszentren wie Dresden die bedeutendste Stickstoffoxid-Quelle.
Der Straßenverkehr ist in Ballungszentren wie Dresden die bedeutendste Stickstoffoxid-Quelle.

© Rene Meinig

Die Luft in Dresden könnte sauberer sein. Zwar ist die Stickstoffdioxid-Belastung im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Dennoch: An der Messstation Bergstraße wurde der Grenzwert erreicht. Im Kampf gegen das unsichtbare Gas könnte Dresden nun die Chance erhalten, alle Dieselfahrzeuge aus dem Stadtgebiet zu verbannen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird voraussichtlich an diesem Donnerstag darüber entscheiden, ob Fahrverbote in besonders belasteten Städten ein zulässiges Mittel sind.

Wie viele Autofahrer wären in Dresden von dem Verbot betroffen?

Das Gericht wird kein Fahrverbot anordnen. Das müsste Dresden selbst machen. Würde sich die Stadt dazu durchringen, dann stünde sie vor der Entscheidung, ob das Verbot nur für ältere oder alle Diesel gelten soll. Außerdem müsste festgelegt werden, ob die Fahrzeuge lediglich den 26er-Ring meiden müssten oder die komplette Stadt. In Dresden sind derzeit gut 64 400 Fahrzeuge mit Diesel unterwegs. Das sind etwa 25 Prozent aller Autos. Darin nicht enthalten sind Pendler, Busse und Laster von außerhalb.

Wer würde die Autos in den Fahrverbotszonen kontrollieren?

Weder die Stadtverwaltung noch die Polizei wollen sich da bisher festlegen. Erst wenn das Bundesverwaltungsgericht geurteilt hat, kann darüber entschieden werden, teilte Rathaussprecher Karl Schuricht mit. Möglich ist aber, dass die Polizei während eines Dieselfahrverbots bei allgemeinen Verkehrskontrollen auch prüft, ob ein Auto die passende Plakette hat.

Was unternimmt die Stadt, um ein Diesel-Fahrverbot zu verhindern?

Fuß vom Gas auf der Stadtautobahn, mehr grüne Wellen, Tempo 30 auf der Bautzner Straße und eine Fahrspur weniger auf dem Blauen Wunder sind nur vier Maßnahmen gegen dicke Luft. Sie stehen im neuen Luftreinhalteplan. Außerdem sollen höhere Parkgebühren dafür sorgen, dass Autofahrer auf Bus und Bahn umsteigen, wenn sie ins Zentrum wollen. Schnell war die Stadt mit dem neuen Blitzer an der Bergstraße. Weil Fahrer dort bergauf aufs Gas traten und damit besonders viele Schadstoffe in die Luft pusteten, wird in Höhe Zeunerstraße seit zwei Wochen kräftig fotografiert.

Was hat der neue Blitzer an der Bergstraße bisher gebracht?

Vergleicht man die Stickstoffdioxid-Messwerte der letzten zwei Wochen mit denen vom Februar 2017, so fällt auf, dass die Luftverschmutzung sogar zugenommen hat. Allerdings sei diese Gegenüberstellung nicht seriös, sagt Karin Bernhardt vom Landesumweltamt. Zwar sei der Autoverkehr die Hauptursache für die hohen Stickoxide an der Bergstraße. Allerdings nehme auch das Wetter Einfluss auf die Konzentration an bestimmten Tagen. Vor allem im Winter sorgen Inversionswetterlagen dafür, dass sich Schadstoffe mangels Wind in Bodennähe oft über Tage sammeln. Ein Jahr sollte man mindestens abwarten, um einschätzen zu können, ob der Blitzer etwas genutzt hat, so Bernhardt.

Was ist aus dem Plan geworden, das Tempo auf der Autobahn zu drosseln?

Tatsächlich müssen Autofahrer auf der A4 in Dresden bald genauer auf den Tacho schauen. Zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und Dresden-West ist ab Frühjahr nur noch Tempo 100 erlaubt, teilte Sachsens Verkehrsministerium am Dienstag mit. Allerdings geht die Initiative nicht von der Stadt aus. Bei der Maßnahme handelt es sich um einen Test, mit dem herausgefunden werden soll, ob sich der Verkehrsfluss verbessert und die Unfallzahlen sinken. Bis Ende 2020 soll getestet werden. Genug Zeit, um auch zu prüfen, welchen Effekt das Limit auf die Dresdner Luft hat.

Was machen Logistikunternehmen für bessere Luftqualität?

Sächsische und Thüringer Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen haben das Projekt „Smart Distribution Logistik“ ins Leben gerufen. Das Ziel ist es unter anderem, E-Autos bei der Zustellung von Waren und Zeitungen wirtschaftlich zu nutzen, etwa, indem sich Firmen Elektrofahrzeuge teilen – vom Laster bis zum Lasten-Pedelec. Derzeit wird der Einsatz von über 40 E-Fahrzeugen im Rahmen des Projekts erprobt. Dem Konsortium gehört auch die Sächsische Zeitung GmbH an.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 38 Kommentare

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  1. Fred F.

    Nun macht der vorgestrige Artikel mit den Lastenfahrrädern Sinn, um schon mal zu zeigen wo es hingehen könnte. Hört den dieser Irrsinn nie auf! In anderen Ländern der Erde juckt es keine Sa… und hier wird auf Biegen und Brechen der kleine Mann/Frau und andere 72 Geschlechter ge(Mass)regelt. Ich fahre trotzdem mein Euro 4 Diesel weiter den ich mir voriges Jahr gekauft habe. Die Hersteller scheint es nicht zu interessieren, bzw. scheuen sie sich vor Investitionen, die per Hardware der Sache dienlich sein könnten. Am Ende ist ja klar wer wieder der Buhmann ist, um dann zu sehen wie er von A nach B kommt. Die Politprominenz interessiert das natürlich mit ihren Luxus Straßenkreuzern nicht die Bohne. Wenn das durchgewunken wird, bleibt wohl nur noch die Klage auf Nachbesserung gegen Hersteller XY oder das Auto wird zurückgenommen.

  2. Hinweis

    Also schön am Blitzer Bergstraße im ersten Gang Vollgas, dass es ordentlich nebelt. Nur so schaffen wir es, der Stadt, die ein Diesel-Fahrverbot verhindern will, eins auszuwischen. Am besten gleich noch am Neustädter Bahnhof das Gleiche, und beim an der Ampel warten immer schön den Motor häulen lassen!

  3. Irrsinn

    Der Blitzer an der Bergstraße ist deshalb sinnvoll ,weil ich jetzt im 3.Gang mit höherern Drehzahlen und 50km/h fahre statt wie vorher im 4.Gang mit niedrigen Drehzahlen und 60km/h. Irgendwie braucht man ja etwas Schwung den Berg hinaufzukommen. Leider stehen keine Grünen am Strassenrand und ziehen mich hinauf.

  4. Grauer Hirsch

    Wie bitte, Bautzner Straße Tempo 30? Die Meßstation steht ca. 7km Luftlinie entfernt am anderen Ende des Elbkessels. An einem Autobahn Hauptzubringer, wo jeder LKW und (Linien-)Bus volle Kraft den Berg hinauf benötigt. Von diesem einen noch dazu sehr speziellen Punkt auf die ganze Stadt zu extrapolieren, scheint doch etwas willkürlich zu sein. Vielleicht würde es ja schon helfen, die Messstation ans Laubegaster Elbufer zu karren? Ach nein, da wären ja wieder die mit Dieselmotoren betriebenen Dampfschiffe und Lastkähne...

  5. Dieter

    In der Logistik bemüht man sich, Fahrten gebündelt elektrisch zu befördern, und im Personenverkehr wird entbündelt und Dieselbusse werden einmal quer durch die Stadt geschleust… Darüber hinaus scheint wie so oft der Radverkehr bei der Planung keine Rolle zu spielen.

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