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Dienstag, 27.02.2018

So eng wie nie

Vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsanwärter in einer Woche? In der 2. Liga kein Problem – auch nicht für Dynamo.

Von Daniel Klein

An Rechenspielen möchte sich Uwe Neuhaus nicht beteiligen.
An Rechenspielen möchte sich Uwe Neuhaus nicht beteiligen.

© Robert Michael

Die Drohung ist nicht ernst gemeint. „Wenn ihr jetzt mit der Spinnerei anfangt, beende ich das Gespräch sofort“, sagt Uwe Neuhaus den Journalisten nach dem 3:2-Auswärtssieg in Bielefeld und grinst schelmisch. Ein Medienboykott droht also nicht, den auf fünf Punkte geschmolzenen Rückstand auf den dritten Tabellenplatz möchte der Dynamo-Trainer jedoch partout nicht thematisieren – aus verständlichen Gründen.

Die Gefahr ist groß, das andere Ende der Tabelle aus dem Blick zu verlieren. Die Realitäten zu verkennen war in der Vergangenheit oft eine Dynamo-Spezialität. Und die Realität ist: Auch vom Abstiegsrelegationsplatz trennen die Schwarz-Gelben lediglich fünf Punkte. Deshalb war der Sieg in Bielefeld extrem wichtig. „Wir sind froh, dass wir jetzt ein bisschen Luft haben“, sagt Neuhaus. Doch so groß ist das Polster nicht.

Zwischen Platz drei und 16 liegen nur zehn Punkte – und das zehn Spieltage vor dem Saisonende. Nur mal zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es satte 27 Punkte. Dass es derart eng zugeht in der 2. Bundesliga ist perfekt für die Spannung, weil es für wirklich alle 18 Vereine noch um etwas geht. Abgesehen von Nürnberg und Düsseldorf können alle Mannschaften – rein rechnerisch – noch auf- oder absteigen. Auch der Tabellenzwölfte Dynamo.

Die Spieler wehren sich zumindest öffentlich gegen diese doppelte Sichtweise, was den Trainer freuen dürfte. „Wir wissen, dass wir weiter im Abstiegskampf stecken“, erklärt Erich Berko. Und Manuel Konrad findet, dass es nicht angebracht sei, jetzt auf die Tabelle zu schauen. „Ich gucke jedenfalls nicht, und das ist, finde ich, auch nicht der richtige Weg.“

Wie der vernünftige Weg aussieht, weiß jeder Fußballprofi, auch Lucas Röser: „Wir müssen von Spiel zu Spiel denken.“ Als nächstes steht die Heimpartie gegen Darmstadt 98 an, eine Woche darauf kommt der 1. FC Heidenheim nach Dresden. Bei aller gebotenen Demut: Unlösbar sind beide Aufgaben nicht.

Die Spieler selbst verbreiten vorsichtigen Optimismus, dass die bei der Arminia gezeigte Leistung auch in den kommenden Partien abgerufen werden kann. Mentalität und Körpersprache seien deutlich besser geworden, findet Konrad. „Wir lassen uns von einem Rückstand nicht mehr beeindrucken. Die Brust wird größer, die Dynamos spielen wieder so, wie man sie kennt.“ Und auch erfolgreich.

Mit einem Sieg gegen Darmstadt, es wäre der dritte in Folge, könnten die Schwarz-Gelben bis auf Rang sieben vorrücken. Dort standen sie auch nach den ersten beiden Spieltagen, es war die beste Platzierung in dieser Saison. Zwischenzeitlich rutschte Dynamo bis auf den Abstiegsrelegationsplatz ab. Wenn es nun möglich ist, wieder in die andere Richtung zu schielen, zeigt dies, wie ausgeglichen die Liga besetzt ist. Oder anders formuliert: Das Unkonstante ist das einzig Konstante in dieser Saison. Der Grund für die Aufs und Abs, die jeder Zweitligist schon durchgemacht hat, ist die Ausgeglichenheit – der Kader wie der Etats. Natürlich gibt es deutliche Unterschiede, doch kein Klub überragt mit seinem Budget die Konkurrenten haushoch und keiner ist hoffnungslos abgeschlagen. Die Erstliga-Absteiger Darmstadt und Ingolstadt waren auch keine Schwergewichte, in der nächsten Saison warten mit – Stand heute – dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV ganz andere Kaliber.

Für Dynamo wäre eine späte Aufholjagd in die Aufstiegsregion kein Novum. In der Saison 2010/11 lag die Mannschaft nach dem 24. Spieltag der 3. Liga auf dem achten Platz, neun Punkte von Rang drei entfernt. Allerdings hatte das Team da noch 14 Partien vor der Brust. Der zweite Unterschied: Dynamo spielte damals immer in der oberen Hälfte mit.

Das ist nun anders und die Wahrscheinlichkeit deshalb geringer, dass es noch klappt mit der Bundesliga-Rückkehr nach 23 Jahren. Vor Dynamo drängeln sich einige ambitionierte Teams. „Was in den nächsten Wochen passiert, wissen wir nicht. Aber wenn es nach oben ginge, hätte ich nichts dagegen“, sagt Konrad. Gemeint hat er nur die Richtung in der Tabelle.

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