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Donnerstag, 15.03.2018

Skepsis gegenüber der Technologiemeile

Die Felder entlang der Nöthnitzer Straße sollen verschwinden. Forschungsbauten sind geplant. Das gefällt nicht jedem.

Von Annechristin Bonß

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Die Zeile mit Forschungsbauten an der Nöthnitzer Straße soll sich schließen. Hier könnten mehr Wissenschaftler arbeiten. Über den Plan wird gestritten.
Die Zeile mit Forschungsbauten an der Nöthnitzer Straße soll sich schließen. Hier könnten mehr Wissenschaftler arbeiten. Über den Plan wird gestritten.

© Rene Meinig

Bei diesem Thema kochen die Emotionen über, prallen die Gefühle aufeinander. Eine Mischung aus Unverständnis, Skepsis, Misstrauen, Enttäuschung, Wut und Entschlossenheit. Wenn es um den Südhang geht, bleibt das Rationale außen vor. Denn für jenes Gelände südlich der Nöthnitzer Straße gibt es viele Interessenten. Die TU Dresden sowie andere Wissenschaftseinrichtungen brauchen dringend Platz zum Erweitern. Die brachliegenden Lücken in der Häuserzeile an der Nöthnitzer Straße nahe dem TU-Campus scheinen optimal zu sein für weitere Forschungsbauten. Und warum nicht gleich eine zweite Reihe planen? Als das Land vor wenigen Jahren mit dem Hochleistungsrechner den ersten Block genau dorthin bauen ließ, hat das den Anwohnern überhaupt nicht gefallen. Verhindern konnten sie den Bau nicht. Denn baurechtlich war der korrekt, genau wie die Nicht-Information der Anwohner und Nachbarn. Seit damals ist das Unbehagen gegen neue Bauvorhaben auf der Fläche größer denn je.

Nun wollen die Stadtplaner mit einem Bebauungsplan Klarheit für die Flächen schaffen. Demnach könnten künftig entlang der Nöthnitzer Straße Gebäude in zwei Reihen stehen. Insgesamt 16 Baufelder sind markiert. In der ersten Reihe stehen bereits sieben Gebäude. In der zweiten gibt es neben dem Hochleistungsrechner noch den Sporthallenkomplex und eine Kita. Die anderen Flächen könnten bebaut werden. Dabei gilt: Nur auf 40 beziehungsweise 50 Prozent des jeweiligen Grundstücks dürfen Gebäude stehen. Das ist wenig im Vergleich zu anderen Bauplänen. Im Wissenschaftsgebiet Ost in Reick und Strehlen dürften 80 Prozent der Fläche versiegelt werden. Fünf Stichstraßen sollen von der Nöthnitzer Straße in das Gebiet führen. Zwischen beiden Baureihen ist ein grüner Streifen für Fußgänger und Radfahrer vorgesehen. Zwischen den Bauten bleiben 20 bis 70 Meter breite Schneisen frei. Dadurch soll die frische Luft vom Südhang in die Stadt weiterfließen.

Leicht haben es sich die Stadtplaner nicht mit dem Plan gemacht. Schon immer ist die Skepsis der Anwohner groß. Die wollen möglichst viele der freien Grundstücke erhalten. Deswegen wurde das Ringen um den Bauplan vor wenigen Jahren erst einmal ruhen gelassen. Zuerst wollten die Stadtplaner mit dem Rahmenplan Südvorstadt Ideen für den gesamten Stadtteil sammeln. Der gibt eine Vision, wie sich die Flächen zwischen Hauptbahnhof und Kohlenstraße in den kommenden 20 bis 30 Jahren entwickeln könnten und wo Platz für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit bleibt. Im Internet wurde auf einer Extra-Seite öffentlich über die Ideen diskutiert. Bei Bürgerdiskussionen konnten sich die Anwohner einbringen. Nun, da der Rahmenplan beschlossen ist, gibt er auch Anhaltspunkte für den Bauplan an der Nöthnitzer Straße. Die haben die Stadtplaner berücksichtigt, sagt Andrea Steinhof vom Stadtplanungsamt.

Sorge um die Frischluft vom Hang


Stimmt der Bauausschuss dem Entwurf dafür zu, soll darüber ebenfalls öffentlich diskutiert werden. Wer Kritik, Anregungen oder Änderungswünsche hat, kann diese an die Stadt senden. Das gilt nicht nur für Anwohner und Nachbarn, sondern auch für städtische Ämter, zum Beispiel das Umweltamt. Doch schon mit der Zustimmung zu dieser öffentlichen Auslegung haben es sich die Ortsbeiräte in Plauen schwer gemacht. Über zwei Stunden lang dauerte die Diskussion am Dienstagabend, mehrere Unterbrechungen waren notwendig, erst halb elf am Abend stand die Entscheidung.

In ihrem Beschluss haben die Plauener drei Schwerpunkte formuliert. Hauptsorge ist, dass die Frischluft vom Hang durch die Neubauten blockiert wird. Deshalb fordern die Räte noch kleinere Maße für mögliche Neubauten. Zudem soll der Plan auf die Belastung auf der Nöthnitzer Straße eingehen. Arbeiten in dem Gebiet mehr Menschen, sind auch mehr Radfahrer, Fußgänger, Autos und Passagiere in den Bussen auf der Nöthnitzer Straße unterwegs.

Zudem sollen auf der Ecke Nöthnitzer/Bergstraße keine mehrstöckigen Gebäude entstehen. Die Flächen sollen vielmehr naturnah gestaltet der Eingang zur Technologiemeile werden. Damit wäre ein besserer Frischluftabfluss gewährleistet, so die Meinung der Ortsbeiräte. Dass die Stadtplaner genau auf diesen Flächen ein Parkhaus für möglich halten, um der Forderung nach mehr Parkplätzen im gesamten Gebiet nachzukommen, ignorieren die Kommunalpolitiker mit diesem Beschluss. Bindend sind die Forderungen nicht. Erst der Bauausschuss entscheidet. Ob er dem nachkommt, ist offen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Dräsdnor

    Woher kommt eigentlich das Geld für die viele Forschung in den neuen Objekten? So manches Institut bangt ja von einem Auftrag zum nächsten.

  2. Robert

    @ Dräsdnor, #1: Das stammt direkt aus dem Rentensystem, wo es den vielen armen, notleidenden Rentnern weggenommen wird, die sich dann hier in den Kommentarspalten darüber beschweren können, dass kein Geld da ist.

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