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Donnerstag, 19.05.2011

Sinnsuche in Südkorea

Die Dresdner Galerie bautzner69 zeigt „Korean Wave“ – mit Fotografien auf der Suche nach dem Ich zwischen Popkultur und strenger Norm.

Von Su-Ran Sichling

Ernst sind ihre Blicke, angespannt und ein wenig verschleiert. Auf den Schwarzweiß-Fotografien von Siyeon Park schauen koreanische Schülerinnendirekt in die Kamera: Frontal in einer Schuluniform aufgenommen, haben sie den immer gleichen engen, verglasten Gang in ihrem Rücken. Karen Weinert, die zusammen mit Uwe Patzer die Galerie „bautzner69“ leitet, in der die Ausstellung „Korean Wave“ mit südkoreanischer Fotografie“ zu sehen ist, erläutert die Situation, in der die Fotos entstanden sind. „Diese jungen Frauen wurden kurz vor ihrer Abiturprüfung porträtiert. In Südkorea ist der Leistungsdruck deutlich höher als in Deutschland. Die Ergebnisse der Abiturprüfung entscheiden: Wo werde ich studieren? Welchen Beruf kann ich ergreifen? Und – ganz wichtig – welchen Mann werde ich heiraten?“

Neben den Arbeiten von Siyeon Park beschäftigen sich auch die Fotografien von Jihyun Kwon mit Menschen im Porträt. Bei ihr erzählen Schriftzeichen auf den Gesichtern von persönlichen Schuldgefühlen. Weitere Aufnahmen vermitteln den Eindruck, dass es neben der Fokussierung auf den Menschen als Individuum immer auch um sein Verschwinden in der Umgebung geht. So dokumentiert Seulgi Kang das Heranwachsen junger Mädchen. Ihre Gesichter sind von Blumen verdeckt oder von der Kamera abgewendet. An anderer Stelle verschmilzt der Körper einer Frau mit dem Tapetenmuster einer Wand. Die weißen Räume von Serry Park lösen sich förmlich im Licht auf.

Walter Bergmoser, Kurator der Ausstellung und Professor in Seoul, setzt das Phänomen mit einem anderen in Beziehung: Nach der südkoreanischen WirtschaftskriseEnde der 1990er-Jahre kam eine kulturelle Bewegung aus Seifenopern und Popbands ins Rollen, die „Korean Wave“. In den Fernsehserien zeichnen die Protagonisten Lebenswege von Menschen nach, die ihre Mittelklassejobs aufgeben und nach Selbstverwirklichung streben. Die Ausstellung „Korean Wave“ zeigt individuelle Beispiele dieser Suche in Fotografien, die trotz aller Unterschiede zwischen südkoreanischen und deutschen Biografien doch die gleiche Frage nach dem eigenen Ich stellen.

Was:Korean Wave – südkoreanische FotografieWann:bis 28. Mai, Di 10–12, Do 18–20, Sa 15–18 Uhr sowie nach VereinbarungWo:Galerie bautzner69, BautznerStraße 69, 01097 Dresden