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Montag, 17.09.2018

Sind erst alle Kartoffeln drin, legt sich der Bauer wieder hin

Von Freitag bis Sonntag fand in Coswig das landesweite Erntedankfest statt . Die SZ hat Eindrücke gesammelt.

Von Beate Erler

Landeserntedank

Beim historischen Festumzug während des 21. Landeserntedankfestes in Coswig wurde die Geschichte der Landwirtschaft am Sonntag in über 30 Bildern vorgestellt.
Beim historischen Festumzug während des 21. Landeserntedankfestes in Coswig wurde die Geschichte der Landwirtschaft am Sonntag in über 30 Bildern vorgestellt.

© Norbert Millauer

Coswig. Am Sonntag kurz vor zwölf Uhr bahnt sich der historische Festumzug zum 21. Landeserntedankfest auf der Hauptstraße seinen Weg. Links und rechts stehen zahlreiche neugierige Zuschauer, viele Fenster sind geöffnet, aus denen die Coswiger auf den Umzug hinabblicken. Er zeigt die Geschichte der Ernte- und Landwirtschaft in 30 aufwendigen Bildern und geht über mehrere Stunden.

Landeserntedank

Gleich am Anfang sitzt die Politikprominenz in einem königlichen Pferdegespann: Matthias Rößler und Bürgermeister Frank Neupold winken den Zuschauern. Das nächste Gespann trägt die Gewinner-Erntedankkrone aus der Lausitz, gefolgt von singenden Kindern aus der Kirchgemeinde Brockwitz-Sörnewitz und einem selbstgebauten Wetterhäuschen von Anke Damme aus Coswig. „Beim Erntedankfest dankt man Gott für seine Gaben“, sagt der Moderator. Dazu gehört natürlich auch das Wetter, das den Landwirten hoffentlich gut gesonnen ist.

Darum geht es auch in der Peter-Pauls- Kirche, in der an den drei Tagen die schönsten Erntekronen ausgestellt sind. „Besonders am Samstag war die Kirche rappelvoll“, sagt Helga Lämmer vom Sächsischen Landfrauenverband. Da wurde die Siegerkrone prämiert und über 2 000 Besucher sind im Laufe des Tages gekommen.

Die Erntekrone hat eine alte Tradition. Sie schmückte jedes Jahr den letzten Erntewagen, der hinaus aufs Feld fuhr. Meist wurden sie von den Erntehelferinnen angefertigt, die sich so für die Arbeit und ihren Verdienst beim Landwirt bedanken wollten. Die Landfrauen wollen die Tradition erhalten und haben deshalb den Wettbewerb vor 25 Jahren ins Leben gerufen.

Bis zu 160 Stunden Arbeit können in einer solchen Riesenkrone stecken, die nur aus frisch geerntetem Getreide und nur mithilfe von Draht gebunden werden darf. Die Montags-Sportmädels aus Zehren gewannen den Platz zwei für die schönste regionale Krone, die zusammen mit der Siegerkrone aus der Lausitz beim Festumzug mitfahren durfte.

Etwas abseits vom Hauptstraßentrubel hinter dem Rathaus gibt es vor allem für Kinder viel zu entdecken und auszuprobieren. Zum Beispiel am Stand vom Sachsenforst, der sich zum Erntedankfest mit Bastelstand, Pilzberatung und Bogenschießen präsentieren will.

Besonders viel Andrang gibt es bei der Pilzberaterin für Mittelsachsen, Sieglinde Köhler. „Die Leute standen zum Teil in Viererreihen und waren überrascht von der Artenvielfalt trotz der Trockenheit“, sagt sie. Denn auf dem Tisch liegen über 120 verschiedene Pilzarten, die noch dazu alle frisch gesammelt wurden. Über 20 Pilzfreunde haben beim Sammeln geholfen und sind in Klotzsche, Meißen, in der Dippser Heide und in Bärenfels fündig geworden. „Die meisten Besucher wollen natürlich wissen, welche Pilze essbar sind und welche nicht“, sagt Sieglinde Köhler.

Nach dem Fest will sie die Pilze wieder in den Wald bringen und der Natur, passend zum Erntedankfest, etwas zurückgeben.