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Dienstag, 08.05.2018

Siemens bleibt in Görlitz

Die Schließungspläne für den Siemens-Standort sind endgültig vom Tisch. In der Nacht einigten sich Unternehmensführung, Gesamtbetriebsrat und IG Metall auf einen Zukunftspakt.

Von Sebastian Beutler

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Görlitz wird Aufgaben von anderen Industriedampfturbinen-Werken von Siemens übernehmen.
Görlitz wird Aufgaben von anderen Industriedampfturbinen-Werken von Siemens übernehmen.

© Pawel Sosnowski

Görlitz. Der Kampf um den Erhalt des Görlitzer Turbinenbaus war erfolgreich: Siemens wird den Standort zur weltweiten Zentrale für das Industriedampf-turbinengeschäft ausbauen. Das ist Teil eines Kompromisses über die Restrukturierungen in der Kraftwerksparte bei Siemens, auf den sich heute Nacht das Siemens-Management mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall geeinigt haben.

Wie Personal-Vorstand Janina Kugel in einer Konferenzschaltung heute Morgen vor Journalisten sagte, soll Görlitz Aufgaben von anderen Industriedampfturbinen-Werken von Siemens übernehmen. Welche das sein werden, wie viele Jobs der rund 950 Beschäftigten in Görlitz erhalten bleiben, soll jetzt Gegenstand von Verhandlungen über einen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat sein. Allerdings halte Siemens an Restrukturierungen und damit am Abbau von Stellen in Görlitz fest, sichert aber zu, dass künftig sowohl Industriedampfturbinen in Görlitz entwickelt als auch gefertigt werden.

Siemens rückt damit von seiner Ankündigung von Mitte November ab, das Görlitzer Werk zu schließen und den Standort aufzugeben. Das hatte zu heftigen Protesten seitens der Belegschaft, der Görlitzer Industrie, aber auch von Landes- und Kommunalpolitikern geführt. So hatten die Görlitzer Siemensianer immer darauf hingewiesen, dass das Industriedampfturbinengeschäft nicht von den Einbrüchen im Geschäft mit großen Gas- und Dampfturbinen betroffen sei. Mit diesen Einbrüchen hatte Siemens aber seine Umstrukturierungen in der Kraftwerkssparte begründet.

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Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte mehrfach das Görlitzer Siemens-Werk besucht und auch bei einem Treffen mit Siemens-Chef Joe Kaeser in München auf den Erhalt des Görlitzer Standortes gedrungen. In einer Reaktion auf Twitter äußerte sich Kretschmer zufrieden: „Unser Einsatz hat sich gelohnt.“

Überhaupt kommt Siemens mit seinem Restrukturierungsprogramm der IG Metall und dem Betriebsrat weit entgegen. Bis auf Offenbach soll kein Siemens-Werk geschlossen werden. Auch für Leipzig, wo Siemens sein Kraftwerks-Unternehmen mit 200 Stellen aufgeben wollte, soll jetzt ein Verkauf geprüft werden. Trotzdem will Siemens mit seinen Umstrukturierungen einen hohen dreistelligen Millionen-Betrag weltweit einsparen.

Stellenabbau soll es an den Standorten in Berlin, Duisburg, Erfurt und Mülheim geben. In den USA und anderen außereuropäischen Ländern habe Siemens auch schon begonnen, Arbeitsplätze zu streichen. Ob es am Ende aber zum im November angekündigten Abbau von 6900 Stellen in der Kraftwerkssparte weltweit kommt, ließ Janina Kugel offen. Wenn es andere Wege gibt, um das Einsparziel zu erreichen, sei sie dafür offen, sagte sie.

Siemens und die Arbeitnehmervertreter einigten sich zudem auch auf die Einrichtung eines Zukunftsfonds in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren, um Siemens-Mitarbeiter für neue Jobs in der digitalisierten Industrie zu qualifizieren.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Dalanari

    Ich wundere mich immer wieder, dass große Unternehmen erst durch den Druck von Öffentlichkeit und Politik bereit und in der Lage sind, nach Lösungen zu suchen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt... Was die Politik letzten Endes für Zugeständnisse an die Industrie macht, wird ihr Geheimnis bleiben. Trotz allem freue ich mich für die Stadt Görlitz und die Siemensianer.

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