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Montag, 16.07.2018

„Sie sollen nicht nur auf dem Hintern sitzen“

Von Alexander Hiller

Ulrich Däuber  Foto: Robert Michael
Ulrich Däuber Foto: Robert Michael

© Robert Michael

Die Zwischenbilanz weckt große Hoffnungen. Mit acht Erfolgen aus zehn Partien gehen die American Footballer der Dresden Monarchs als Tabellenführer der Nord-Staffel in eine fünfwöchige Spiel- und dreiwöchige Sommerpause. Trotz der mehr als komfortablen sportlichen Lage fordert Trainer Ulrich Däuber noch mehr Fokussierung, noch mehr Konzentration ein. Erstmals spricht der 47-Jährige dabei im Interview mit der Sächsischen Zeitung auch über die deutsche Meisterschaft.

Herr Däuber, Sie haben Ihre Mannschaft in eine dreiwöchige Sommerpause geschickt. Bis zum nächsten Punktspiel sind es sogar fünf Wochen. Weshalb gibt es diese Pause eigentlich?

Eigentlich sollte Ende Juli eine Europameisterschaft in Deutschland stattfinden. Die wurde vom deutschen Verband aus offiziell organisatorischen Gründen verschoben. Dahinter steckt ein internationaler Machtkampf. Jetzt gibt es offenbar eine Ersatz-EM in Finnland, aber ohne deutsche Beteiligung. Der Spielplan für die Liga stand da aber schon, sodass die für uns zu lange Pause entstand.

Wie sind Sie mit der bisherigen Saison Ihres Teams zufrieden?

Wir stehen im Soll, haben aber zwei Spiele blöd verloren (gegen Braunschweig und die Berlin Rebels; Anm. d. R.), können uns da besser präsentieren. Wir können in der Nord-Staffel aber noch Erster werden, uns somit das Heimrecht für die Play-offs erkämpfen. Wir können die Meisterschaft gewinnen. Dass wir so dastehen wie jetzt, muss von uns Coaches erwartet werden.

Sie haben dennoch direkt nach dem gewonnenen Spiel eine ernste Ansprache gehalten. Weshalb?

Wir können jetzt nicht auf einmal sagen, jetzt ist nur Party und Ferien. Wenn wir als Team weiterkommen wollen, müssen wir Entscheidungen treffen, die für uns persönlich schwer sind. Aber das Team muss die Nummer eins für uns sein.

Also verlangen Sie Ihren Schützlingen im Urlaub in puncto Party und Alkohol Enthaltsamkeit ab?

Nein, aber sie sollen stärker zurückkommen, in den Kraftraum gehen, ruhig aber auch einige Blessuren auskurieren. Aber sie sollen nicht drei Wochen lang nur auf dem Hintern sitzen. Die Spieler müssen sich weiter vorbereiten. Wir sind immer noch mitten in der Saison.

Was soll denn nach der Sommerpause noch besser werden?

Wir müssen wieder ein paar Leute auf das Feld bekommen, die jetzt verletzt sind. Und ich glaube, dass wir einfach noch konzentrierter an die Sache herangehen müssen, gut trainieren und uns gegenseitig im Training pushen, damit sich keiner zu sicher fühlt. Wir müssen nichts groß umstellen. Wir haben das richtige System, aber wir dürfen keine Fehler mehr machen.

Was stimmt Sie optimistisch, dass Ihre Mannschaft in der Nord-Staffel die Plätze eins oder zwei belegt und dadurch in den Play-offs Heimrecht hätte?

Ich glaube, dass die meisten Verletzten wieder zurückkehren und dass unsere Führungsspieler, unser Team entscheiden wird, dass wir uns im ersten Spiel nach der Sommerpause von den Berlin Rebels nicht den Arsch versohlen lassen, sondern wir zeigen, was wir wirklich draufhaben. Mich stimmt positiv, dass diese Stimmung auch aus dem Team kommt.

Weshalb verkürzen Sie die Spielpause nicht mit einem Testvergleich?

Wir haben bei Teams aus Prag und Warschau angefragt. Die hatten aber keine Zeit. Hier in der Region gibt es leider kaum Mannschaften auf unserem Niveau. Durch meine Kontakte zum deutschen Meister Schwäbisch Hall haben wir auch dort angefragt. Die wollten, haben aber bereits ein Spiel für den 4. August vereinbart. So konnten wir leider keinen Gegner für ein gemeinsames Trainingsspiel finden.

Es scheint im deutschen Football ohnehin keine ausgeprägte Freundschaftsspiel-Kultur zu geben – weshalb nicht?

Viele Teams bestreiten vor der Saison ein Vorbereitungsspiel, vor allem in den niedrigeren Ligen. In der GFL ist das Problem, dass wir bereits zu viele Spiele haben. Deshalb verzichten viele darauf – auch wegen der hohen Verletzungsgefahr.