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Mittwoch, 08.08.2018

Sicherheit ist nicht zu erzwingen

Von Andreas Weller

SZ-Redakteur Andreas Weller
SZ-Redakteur Andreas Weller

© André Wirsig

Dass Sachsen sich am Pilotprojekt Ankerzentren beteiligt, ist längst entschieden. Nun sollte es darum gehen, wie dieses Zentrum an der Hamburger Straße gestaltet wird. So wie die Erstaufnahmeeinrichtung hoffentlich nicht.

Auch wenn die neuen Sicherheitsmaßnahmen zu greifen scheinen und die Kriminalität in dem Heim sinkt, gibt es weiterhin Übergriffe. Nun werden wieder einige sagen: Wenn die Leute hierher kommen und Schutz wollen, sollen sie sich benehmen. Doch so einfach ist es nicht. Sicherheit ist nicht zu erzwingen, wie sich bei der Hamburger Straße zeigt. Sie kann durch ein Sicherheitskonzept in Teilen beeinflusst werden.

Aber es hat sich nichts Grundlegendes an den Lebensbedingungen der Bewohner geändert. Ein halbes Jahr und mehr auf engstem Raum, mit vielen anderen Menschen, ohne Rückzugsmöglichkeit, andere Kulturen und Glaubensrichtungen aufgezwängt zu bekommen – das schürt nun mal Konflikte.

Wenn die Hamburger Straße zum Ankerzentrum wird, muss natürlich für die Sicherheit gesorgt werden. Aber es sollte auch die Chance genutzt werden, das Zentrum so zu gestalten, dass die Bewohner in Ruhe die Zeit bis zur Anerkennung oder Abschiebung verbringen können. Es geht nicht um Luxus, aber um Möglichkeiten, hin und wieder für sich zu sein. Es geht darum, die Zeit menschenwürdig zu verbringen. Denn alle Asylbewerber sind zunächst Schutzsuchende und Gäste – unabhängig davon, wie das Verfahren ausgeht.

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