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Freitag, 18.05.2018

Seriendieb muss zurück ins Gefängnis

In mindestens sieben Fällen hat der Pole in Hirschfelde und Zittau gestohlen. Selbst die gute Sozialprognose half ihm nicht.

Von Rolf Hill

Symbolbild.
Symbolbild.

© Peter Steffen/dpa

Zittau. Der Staatsanwalt warf einem 26-Jährigen aus dem polnischen Nachbarort Porajów (Großporitsch) vor, im August 2014 nachts bei einer Familie an der Zittauer Straße im Ortsteil Hirschfelde eingedrungen zu sein. Er soll mit Drahtnetz gesicherte Fenster des Hobbyraumes eingedrückt und entfernt haben, um dort einzusteigen. Zu seiner Beute gehörten hochwertige elektronische Geräte wie mehrere HD-Beamer, jeder von ihnen allein über 1000 Euro wert. Auch soll er mehrere Sport- bzw. Luftdruckwaffen, eine größere Anzahl hochwertiger Modellhubschrauber sowie Ladegeräte und weiteres Zubehör gestohlen haben. Der Gesamtwert des Diebesguts beläuft sich laut Staatsanwalt auf etwa 9750 Euro. Hinzu kommt ein Sachschaden von 400 Euro.

Unmittelbar nach Verlesen der Anklageschrift legte der Beschuldigte ein Geständnis ab. Ob er denn einen Komplizen hatte, der ihm beim Abtransport der vielen Dinge half, wollte das Gericht wissen. Das wurde verneint. Er sei mit dem eigenen Auto dagewesen und habe alles in diesen verladen. Inzwischen verkaufte er all diese Dinge. Warum es erst jetzt zu diesem Prozess kam, lag vor allem daran, dass man des Mannes nicht habhaft werden konnte. Unter anderem verbüßte er inzwischen in seiner Heimat eine Freiheitsstrafe. Ein europäischer Haftbefehl ermöglichte die Überstellung durch die polnischen Behörden.

Bereits Mitte April stand der als Seriendieb bekannte Mann vor dem Zittauer Amtsgericht. Damals hatte er sich wegen der Einbrüche in zwei Firmen an der Chopinstraße zu verantworten. Das Urteil lautete: ein Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung (die SZ berichtete). Dagegen hatte er inzwischen Berufung eingelegt, weshalb es noch immer nicht rechtskräftig ist. Richter Kai Ronsdorf, der genau wie im April den Vorsitz führte, regte einen Handel an: Sollte der Angeklagte seinen Widerspruch gegen das letzte Urteil zurücknehmen, könne man eventuell unter Auflagen das aktuelle Verfahren einstellen. So zog sich der Staatsanwalt mit Mandant zur Beratung zurück. Der ließ sich aber nicht umstimmen.

So musste also die Hauptverhandlung mit einem Urteilsspruch abgeschlossen werden. Zuvor ließ Richter Ronsdorf das umfangreiche Schuldkonto des Mannes Revue passieren. Allein fünf Eintragungen standen für ihn im Bundeszentralregister zu Buche. Das begann bereits im Jahre 2012. In allen Fällen ging es um Diebstähle in Zittau und Umgebung.

Doch nun wolle er endlich sein Leben in den Griff bekommen, erklärte der Angeklagte. Er konsumiere keine Drogen mehr und gehe seit einiger Zeit einer geregelten Arbeit im Gewerbegebiet der tschechischen Nachbarstadt Hrádek nad Nisou (Grottau) nach. Nicht zuletzt durch das Geständnis des Angeklagten sei der Straftatbestand hinlänglich bewiesen, stellte der Staatsanwalt in seinem Abschlussplädoyer fest. Unter Einbeziehung zweier vorheriger Urteile beantragte er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Natürlich sei die Schuld seines Mandanten unbestritten, räumte der Verteidiger ein. Auch die soziale Prognose müsse man berücksichtigen. Er hielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten für angemessen.

Dabei solle das Gericht doch bitte noch einmal gründlich über die Aussetzung zur Bewährung nachdenken. Dem folgte Richter Ronsdorf nicht. Das Urteil lautete auf ein Jahr und sechs Monate Haft ohne Bewährung. Ihm sei natürlich klar, dass der Angeklagte und sein Verteidiger auch in diesem Falle Berufung einlegen werden, sagte er. Dann müsse eben das Görlitzer Landgericht als zweite Instanz über beide nun ausstehende Urteile befinden. Die Bevölkerung sei im Bezug auf die Grenzkriminalität inzwischen mit Recht sehr sensibel geworden, erklärte er in der Urteilsbegründung. Dem müsse man Rechnung tragen.