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Montag, 14.05.2018

Selbstverteidigung mit Schirm und Stock

Ältere Menschen sind für Räuber oft leichte Opfer. Einige lernen in Kursen, sich zu wehren.

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Jutta Schmidt, eine Teilnehmerin an einem Selbstverteidigungskurs für Senioren, hält einen Regenschirm, der ihr als Waffe dient.
Jutta Schmidt, eine Teilnehmerin an einem Selbstverteidigungskurs für Senioren, hält einen Regenschirm, der ihr als Waffe dient.

© Kristin Bethge/dpa

Berlin. Dieser eine Tag vor vier Jahren am Berliner Hauptbahnhof hängt Jutta Schmidt noch immer nach. Sie wollte verreisen, bugsierte ihren Koffer auf den Bahnsteig und plötzlich war die Handtasche weg. „Das Trauma ist nicht ganz verschwunden“, sagt die 81-Jährige. „Ich bin immer noch vorsichtig.“ Doch sie glaubt: Sollte ihr heute etwas passieren, könnte sie sich besser wehren. Jutta Schmidt ist eine von acht Teilnehmerinnen in einem Kurs für Selbstverteidigung. Dort lernen Senioren, sich gegen Angreifer zu wehren – zur Not auch mit Gehstock oder Regenschirm.

Jeden Donnerstag treffen sich die fünf Frauen und drei Männer im Seniorenklub Lindenufer in Spandau. Luigi Parise begrüßt sie in Jogginghose und Trainingsshirt mit festem Händedruck. Seit zwei Jahren gibt er Selbstverteidigungskurse für ältere Menschen. „Senioren sind vor allem für Räuber einfache Opfer – nicht mehr so agil, dafür umso ängstlicher“, sagt der Trainer.

Für die Übungen stehen sich immer zwei Teilnehmer gegenüber, abwechselnd trainieren sie Schläge mit Händen und Armen. Den Angreifer zu verletzen, sei niemals das Ziel, sondern nur der letzte Ausweg, sagt Parise. „Es geht jetzt wirklich um lebensbedrohliche Situationen, in denen ihr euch wehren müsst.“

Tatsächlich gibt es Menschen, die Räuber mit einem Stock in die Flucht schlugen. In Berlin wehrte sich im Februar eine 56-Jährige mit ihren Krücken, als ihr jemand die Handtasche entreißen wollte – mit Erfolg. Selbstbewusstes Auftreten ist Teil der Selbstverteidigung. Darum lernen die Teilnehmer zunächst das Schreien. So ließen sich Angreifer oft in die Flucht schlagen, sagt der Trainer. Abgesehen von der Sicherheit hat der Kurs einen weiteren Vorteil: die Gemeinschaft. „Es geht auch darum, die Rentner aus ihren Wohnungen zu holen und gegen Einsamkeit vorzubeugen“, sagt die Initiatorin Brigitte Wussow. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Veit Schagow

    Auf den ersten Blick klingt es ja toll, wie Senioren aktiviert werden und durch die Selbstverteidigungskurse zu sicheren Auftreten gelangen. Es ist in kurzer Zeit der zweite Artikel zum Thema, den ich hier lese. Geht es hier um Werbung? Aber: Wäre es nicht wichtiger, eine Diskussion anzuregen, WIESO Senioren überhaupt Selbstverteidungskurse benötigen? Den Rest mag die Werte Leserschaft sich selbst fragen.

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