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Mittwoch, 26.02.2014

Selbstmord mit der Sportwaffe

Der Tod der jungen Biathletin Julia Pieper sorgt für große Betroffenheit und eine Diskussion um eine Frage: Warum durfte sie ihr Gewehr mit nach Hause nehmen?

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Julia Pieper bei ihrem letzten großen Rennen. Auf Schalke startete sie bei der Team Challenge.
Julia Pieper bei ihrem letzten großen Rennen. Auf Schalke startete sie bei der Team Challenge.

© Eibner

Thüringen feiert seine Olympia-Starter, doch wirklich ausgelassen ist die Stimmung bei der gestrigen Party in Oberhof nicht. Das hat mit den wenig erfreulichen Ergebnissen der Wintersportler in Sotschi zu tun, es liegt aber vor allem an der Nachricht, die weit über die Grenzen des Freistaats hinaus für Trauer und Betroffenheit sorgt. Und für viele Fragen.

Die Nachwuchsbiathletin Julia Pieper hat sich das Leben genommen. Die 19-Jährige erschoss sich mit ihrem Biathlongewehr im Haus ihrer Eltern in Winterberg. Die Tragödie hat sich bereits am 16. Februar in den Nachmittagsstunden ereignet, bestätigte inzwischen die Kreispolizeibehörde im Hochsauerlandkreis. Die Ermittler der Kriminalpolizei gehen zweifelsfrei von einem Suizid aus. „Es war Suizid. Frau Pieper hat sich erschossen”, erklärte Polizeisprecher Ludger Rath.

Julia Pieper startete für den WSV Oberhof und besuchte das dortige Skigymnasium. Nach Informationen des Internetportals Biathlon-online.de, das den Vorfall am Montag öffentlich gemacht hat, gehörte sie zum C-Kader des Deutschen Skiverbandes (DSV) und war auch bei der Junioren-WM 2013 im österreichischen Obertilliach am Start. Zuletzt nahm Pieper, die schon im Alter von 14 Jahren zu den größten deutschen Nachwuchshoffnungen zählte, bei der Team Challenge auf Schalke im Dezember 2013 teil. „Ihr plötzlicher Tod hinterlässt eine tiefe Trauer. Unsere Gedanken sind in dieser schwierigen Zeit bei ihrer Familie und ihren Freunden“, heißt es in einer Erklärung des DSV.

Geschockt reagierten auch die Wintersport-Kollegen. „Ich hab’s erst am vorletzten Olympia-Tag mitbekommen, weiß aber auch noch nichts Genaueres. Deswegen möchte ich nicht mehr dazu sagen“, meinte Felix Loch am Rand der Willkommensfeier der deutschen Olympia-Athleten am Montag in München. Auch Andrea Henkel äußerte sich zurückhaltend: „Ich habe das schon mitbekommen. Ich kannte Julia Pieper nicht wirklich, ich bin nur letztes Jahr mit ihr einmal eine Staffel gelaufen“, sagte die Oberhofer Biathletin.

Die deutschen Athletinnen in Sotschi, darunter auch Laura Dahlmeier und Franziska Preuß, die jahrelang gemeinsam mit Pieper trainiert hatten, wurden noch vor dem olympischen Massenstartrennen am vergangenen Dienstag informiert.

Laut Tageszeitung „Die Welt“ hatte Pieper in der Vergangenheit psychische Probleme. Im Jahr 2010 war sie für mehrere Monate in einer Klinik am Chiemsee, um ihre Essstörungen behandeln zu lassen. Ihr Gewehr durfte die junge Sportlerin mit nach Hause nehmen, weil sie in Waffen- und Munitionskunde ausgebildet war und eine entsprechende Lizenz besaß. (SZ)

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Ines

    Sollte die Frage nicht eher dahin gehen, warum immer mehr Menschen in unserer sch..ß Leistungsgesellschaft nicht zurechtkommen und psychisch leiden. Wenn man keinen Ausweg mehr sieht ist es doch völlig egal ob man ein Gewehr zu Haus hat oder nicht.

  2. Christoph

    Ich sehe es genaus so, wenn sich Jemand umbringen will, dann wird er es tun, ob mit oder ohne Waffe zu Hause. Man sollte lieber klären, w a r u m sie nicht mehr leben wollte!! Diese bösen Waffen aber auch....

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