erweiterte Suche
Freitag, 14.09.2018

Seit vier Wochen ohne eigene Toilette

Eine junge Frau muss auch nachts in eine Nachbarwohnung aufs Klo. Die Wohnungsverwaltung will rasch Abhilfe schaffen.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Bild 1 von 2

Unter unzumutbaren Umständen muss eine junge Frau die Toilette der leerstehenden Nebenwohnung benutzen, da ihre eigene seit Wochen ausgebaut ist.
Unter unzumutbaren Umständen muss eine junge Frau die Toilette der leerstehenden Nebenwohnung benutzen, da ihre eigene seit Wochen ausgebaut ist.

© Anne Hübschmann

  • Unter unzumutbaren Umständen muss eine junge Frau die Toilette der leerstehenden Nebenwohnung benutzen, da ihre eigene seit Wochen ausgebaut ist.
    Unter unzumutbaren Umständen muss eine junge Frau die Toilette der leerstehenden Nebenwohnung benutzen, da ihre eigene seit Wochen ausgebaut ist.
  • Dieses Loch klafft im Bad der Nachbarwohnung.
    Dieses Loch klafft im Bad der Nachbarwohnung.

Großenhain. Hätte Christina Hempel vor vier Jahren geahnt, in was für eine Wohnung sie zieht, hätte sie sich vielleicht nicht für die Weßnitzer Straße 53 entschieden. Das Haus ist noch unsaniert, die Zweizimmerwohnung stand vorher leer. Dennoch hat sich die 25-jährige gelernte Köchin ihr Zuhause hübsch eingerichtet. Sie arbeitet jetzt in der Werkstatt für geistig Behinderte in Zschieschen und kann bzw. will deshalb nicht mehr bei ihren Eltern in Radeburg wohnen.

Mit der Toilette gab es allerdings schon von Anfang an Probleme. „Das Wasser lief schlecht ab“, sagt die 25-Jährige. Vor vier Wochen zeigte sie den schleichenden Wasserschaden schließlich dem Vermieter, der Großenhainer Wohnungs- und Baugesellschaft (GWVB) an. „Es war alles versifft“, schildert Christinas Stiefvater Dieter. Sofort wurde das Sanitärbecken abgebaut und der Bereich ausgetrocknet, so Geschäftsführer Mike Reuschel von der GWVB. Allerdings lag man mit der Schätzung falsch, dass die Mieterin binnen 14 Tagen wieder eine funktionierende Toilette hätte. Erst dieser Tage konnte neues Linoleum im Bad verlegt werden.

Als „Ersatzbehelf“ muss die geistig beeinträchtigte junge Frau auf Toilette in die Nachbarwohnung, also auch nachts durch den Hausflur. In dieser leerstehenden Wohnung gibt es aber kein Licht, denn Christina Hempel hat keine Lampe angesteckt, was ihr laut GWVB geraten wurde. Wie Christinas Eltern berichten, gibt es deshalb Probleme mit anderen Mietern. „Weil sie nicht wollen, dass sie nachts Wasser laufen hören, drehen sie es einfach ab“, behauptet das Ehepaar Nagler. Deswegen war Mutter Ines schon bei der Polizei.

Mike Reuschel verteidigt das Vorgehen der GWVB und versichert, dass das eigentliche Bad der Hempel-Wohnung in der nächsten Woche wieder „voll funktionstüchtig“ wäre. Die Naglers wollen ihre Tochter aber so schnell wie möglich aus diesem Haus herausholen. Doch eine passende andere Wohnung fänden sie in Großenhain nicht, so die Eltern. Christina sei im ambulant betreuten Wohnen und habe auch zusätzlich einen Betreuer. Doch der sitzt in Leipzig. Die Miete der jungen Frau wird von der Pflegekasse getragen, da gibt es Grenzwerte für Größe und Kosten. Laut Mike Reuschel verfügt die Großenhainer Wohnungsgesellschaft über entsprechende Angebote. „Eine Anfrage an uns ist von der Familie oder dem Betreuer aber noch  nicht herangetragen worden“, sagt er.