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Samstag, 21.07.2018

Sein Traum von der Insel

Philip Heise passt perfekt in Dynamos neues System, aber eigentlich wollte er schon in England spielen.

Von Cornelius de Haas, Herxheim

Philip Heise hat in Dynamos Trainingslager in Herxheim sichtlich Spaß.
Philip Heise hat in Dynamos Trainingslager in Herxheim sichtlich Spaß.

© Lutz Hentschel

Er ist immer noch da. Dabei wollte Philip Heise schon vor einem Jahr auf die Insel, doch Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge lehnte die millionenschwere Offerte von Wolverhampton Wanderers ab. Andernfalls wäre Heise mit dem englischen Traditionsklub in die Premier League aufgestiegen. Der Linksverteidiger hat das damals akzeptiert, wohl auch, weil er die Zusage hatte, in diesem Sommer bei einem entsprechend lukrativen Angebot wechseln zu dürfen. Ein Indiz dafür war auch, dass der Zweitligist mit Brian Hamalainen einen erfahrenen Profi für seine Position verpflichtet hat und die Bekanntgabe offenbar deshalb hinauszögerte, um den Marktwert von Heise nicht zu drücken.

Doch nun sieht es so aus, als würde der 27-Jährige seinen Vertrag bei den Schwarz-Gelben, der bis Juni 2019 gilt, tatsächlich erfüllen. In England Fußball zu spielen, bleibt trotzdem sein großer Traum. Dass es jetzt nicht geklappt hat, liege definitiv nicht an seiner Verletzung, betont Heise. Vor fünf Wochen musste er sich einem Eingriff am Meniskus im rechten Knie unterziehen. „Damit hatte das nichts zu tun.“ Schließlich ist er schon wieder fit, hat im Test gegen Huddersfield Town gespielt, zwar links, aber nicht mehr in einer Vierer-, sondern in einer Dreierkette.

Im neuen System besser abgesichert

Im neuen System, an dem Uwe Neuhaus in der Saisonvorbereitung bisher intensiv arbeitet, wäre sogar Platz für beide: Hamalainen hinten, Heise vorgerückt. Diese leicht veränderte Rolle komme ihm sogar entgegen, meint Heise, weil er sich „offensiv noch besser einbringen kann, die Mannschaft aber trotzdem defensiv besser steht“. Letzteres war in der vergangenen Spielzeit ein Manko. Im Zusammenspiel mit Haris Duljevic initiierte er zwar häufig vielversprechende Aktionen, doch die führten selten zu einem erfolgreichen Abschluss. Die Krux: Bei Ballverlust war Dynamo anfällig für Konter.

Was den Offensivdrang betrifft, sieht der Trainer deshalb kaum Steigerungspotenzial durch das neue System. „Viel öfter, als sich Philipp Heise mit nach vorn einschaltet, kann man sowieso nicht machen, egal, ob man in einer Dreier- oder Viererkette agiert“, erklärt Neuhaus. Was besser werden muss, liegt auch für Heise auf der Hand. „Defensiv über 90 Minuten sicherer stehen und vorn mehr Tore erzielen, dann schwitzt man am Ende der Saison nicht so“, sagt er. Dabei soll die veränderte Taktik als eine neue Spieloption helfen. „Das 4-3-3 der vergangenen Jahre beherrschen wir sehr gut“, erklärt Heise. „Aber es ist nie verkehrt, zwei Systeme perfekt spielen zu können und zwischen denen zu wechseln, um den Gegner in verschiedenen Situationen zum Überlegen und in Schwierigkeiten zu bringen, vor allem mit unseren schnellen Spielern wie Moussa Koné.“

Apropos Optionen: Weil Heise zum Start der Vorbereitung bei Physiotherapeut Tobias Lange individuell trainierte, hatte in den ersten Testspielen Erich Berko links hinten gespielt. „Ich habe gelesen, dass er in einem Interview erklärt hat, er könne jetzt verstehen, warum ich manchmal laut werde“, sagt Heise und grinst dabei. „Wenn man zehnmal nach vorn sprintet und nicht angespielt wird, regt man sich irgendwann mal auf. Jetzt weiß er, wie ich mich fühle.“

Viel geholfen hat das seinem temporären Ersatzmann jedoch nicht. Gegen Huddersfield war er, abgesehen vom verletzten Florian Ballas und einigen aufgerückten Nachwuchsspielern, der einzige Profi, der nicht zum Einsatz kam. „Ich glaube, dass die Systemumstellung für Erich schwierig umzusetzen war, weil er sich damit nicht gleich richtig identifizieren konnte“, erklärt Interims-Sportgeschäftsführer Kristian Walter, der den 23-Jährigen aber nicht hängen lassen möchte. „Da wollen wir gemeinsam eine Lösung finden, damit er schnellstmöglich wieder seine Leistung bringen kann.“ Berko wisse, dass er mehr kann. „Aber nur, weil er jetzt mal nicht gespielt hat, heißt das nicht, dass er raus ist.“

Heise ist wieder drin, und ein vorzeitiger Abschied wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher, auch wenn es schnell gehen könnte. Der Transfermarkt in England kommt zwar nach der WM in Bewegung, aber auf der Insel endet die Wechselzeit mit dem ersten Spiel in der Liga, also am 9. August. Doch er hofft weiter, dass die Tür nicht endgültig zu ist. Seine Einstellung: „Es liegt ja an mir.“ Wenn er Gas gebe und sein Können abrufe, werde es wieder ein Angebot geben. Die vorige Saison war allerdings auch für ihn persönlich alles andere als optimal gelaufen, inklusive der Roten Karte für ein Frustfoul und drei Spielen Sperre. Auch Heise muss besser werden.

Dynamo bestreitet im Trainingslager ein weiteres Testspiel am Sonnabend, 15 Uhr, in Weingarten gegen den Drittligisten 1. FC Kaiserslautern.

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