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Samstag, 27.08.2016

Seid bereit für euren Palast

Vor 65 Jahren bekamen die Pioniere auf Schloss Albrechtsberg die Luxusvariante eines sozialistischen Freizeitzentrums. Die vielen Kurse waren beliebt.

Von Lars Kühl

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Die frechen Jungs haben doch bestimmt einen Schabernack vor. Im Römischen Bad ließ es sich besonders gut planschen, inklusive Wahnsinnsblick auf Dresden. Diese Aufnahme entstand 1980.
Die frechen Jungs haben doch bestimmt einen Schabernack vor. Im Römischen Bad ließ es sich besonders gut planschen, inklusive Wahnsinnsblick auf Dresden. Diese Aufnahme entstand 1980.

© Waltraut Kossack

  • Die frechen Jungs haben doch bestimmt einen Schabernack vor. Im Römischen Bad ließ es sich besonders gut planschen, inklusive Wahnsinnsblick auf Dresden. Diese Aufnahme entstand 1980.
    Die frechen Jungs haben doch bestimmt einen Schabernack vor. Im Römischen Bad ließ es sich besonders gut planschen, inklusive Wahnsinnsblick auf Dresden. Diese Aufnahme entstand 1980.
  • Zur Eröffnung am 26.August1951 war Personenkult angesagt.
    Zur Eröffnung am 26. August 1951 war Personenkult angesagt.
  • Das Türkische Bad war Märchenzimmer und Kulisse für den Defa-Film „Der Kleine Muck“.
    Das Türkische Bad war Märchenzimmer und Kulisse für den Defa-Film „Der Kleine Muck“.
  • Noch bis kurz vor der Wende, wie auf diesem Foto von 1989, gab es die Weltraumzentrale.
    Noch bis kurz vor der Wende, wie auf diesem Foto von 1989, gab es die Weltraumzentrale.
  • 1992 zog die Hoga auf Schloss Albrechtsberg. Heute ist das Gebäude ein Veranstaltungsort.
    1992 zog die Hoga auf Schloss Albrechtsberg. Heute ist das Gebäude ein Veranstaltungsort.

Ein ganzes Schloss zum Toben, ein Palast nur zum Spielen. Ein Kindertraum, der vor 65 Jahren am 26. August wahr wurde. Zwar steckte hinter der Übernahme von Schloss Albrechtsberg durch die Halstuchträger sozialistische Methode, doch mit dem ersten Pionierpalast der DDR hatte die Dresdner Jugend unstrittig ein attraktives Freizeitzentrum bekommen.

Das wurde bestens angenommen. Über die Eröffnung berichtete die SZ am 28. August 1951: „Im Park des ehemaligen Albrechtsschlosses herrscht ein turbulentes Treiben. Unsere Jungen Pioniere haben völlig Besitz ergriffen von diesem neuen Geschenk. Lachen, Scherzen und Frohsinn herrschen.“ Tauziehen hinter einem Zeltlager, Wettrennen zur Bonbonkiste und Eierlauf – alle hatten ihren Spaß.

Das Blasorchester spielte Walzerweisen. Die Terrasse am Elbhang war übervölkert mit Kindern und ihren Eltern. Feierlich in blütenweißen Hemden, um die Hälse blaue Tücher, waren die Schüler Teil einer Inszenierung nach sowjetischem Vorbild. Riesige Schilder wurden hochgehalten, darauf Stalin, Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl und natürlich Walter Ulbricht – der Namensgeber für den Palast. Das Schloss war sozusagen die Luxusvariante der Pionierhäuser, die es verteilt in der ganzen DDR gab. Die vielen Kurse waren kostenlos, die Angebote reichten vom Vorlesen im Märchenzimmer, Kosmonaut Spielen in der Weltraumzentrale bis zum Planschen im Becken. Bei der Übergabe hatte Genosse Ernst Lohagen, damals Volkskammermitglied, in seiner Rede den Kindern zugerufen: „Unter euch sind die zukünftigen Meister und Ingenieure, Wissenschaftler und Politiker. Alle Schätze der deutschen Kultur und der Weltkultur, voran die beispielgebende Kultur der großen sozialistischen Sowjetunion, werden euch vermittelt werden.“ Agitation in Reinform.

Die Voraussetzungen im Schloss auf dem Loschwitzer Elbhang waren ideal. Zwischen 1850 und 1854 von Adolf Lohse für Prinz Albrecht von Preußen erbaut, der vom Berliner Hof fortgeschickt worden war. Schuld waren die Frauen: von der einen geschieden, die Neue nicht standesgemäß. Dresden wurde zum neuen Wohnsitz. Noch heute ist der pompöse Bau ein Hingucker – als eines der drei Elbschlösser neben dem Lingnerschloss und Schloss Eckberg. Nicht nur durch seine erhabene Lage fällt es auf, auch wegen seines preußisch-klassizistischen Stils – im Gegensatz zum bestimmenden Barock. Den Park entwarf ebenfalls ein Preuße, angelegt wurde er unter dem Dresdner Hofgärtner Hermann Sigismund Neumann, der später auch den Blasewitzer Waldpark gestaltete.

Es gibt ein römisches Bad, Wasserspiele und einen künstlichen Wasserfall. Nachdem die Stadt den Park gekauft hatte, war er ab 1930 öffentlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die sowjetischen Militärs die drei Schlösser als Verwaltungssitz. Dann erwarb das sowjetische Außenhandelsministerium Albrechtsberg und machte dort 1948 ein Hotel auf. Die Jugendheim GmbH, das Vermögensunternehmen der Freien Deutschen Jugend, wurde 1951 Eigentümer, bevor das Schloss ein Jahr später von der Stadt zurückgekauft wurde. Im Januar 1952 war es auch, als Wilhelm Pieck an die Jungen Pioniere in Dresden schrieb: „Je mehr und besser ihr für den Frieden lernt und arbeitet, umso erfolgreicher werdet ihr später als erwachsene Menschen in einem einheitlichen und demokratischen Deutschland wirken! Seid bereit!“ Immer bereit!