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Donnerstag, 06.07.2017

Schuften am Schiller

Acht Jahre nach der kompletten Sanierung des Pirnaer Gymnasiums läuft schon wieder ein Großumbau – wegen akuten Platzmangels.

Von Christian Eissner

Am Friedrich-Schiller-Gymnasium werden Klassenräume zu Fachkabinetten umgebaut.
Am Friedrich-Schiller-Gymnasium werden Klassenräume zu Fachkabinetten umgebaut.

© Norbert Millauer

Pirna. Seine Ferien hat sich Bernd Wenzel vielleicht auch anders vorgestellt. Der Leiter des Pirnaer Schiller-Gymnasiums ist mit Mitarbeitern des städtischen Bauamts im Schulhaus unterwegs zur Bauberatung. Im Südflügel des Altbaus sind die Gänge mit Filzmatten ausgelegt, Zwischentüren sind mit Folien abgehängt, Bohrer und Steinsägen dröhnen, es stiebt und staubt aus den Klassenräumen. Von 2006 bis 2009 für mehr als zehn Millionen Euro komplett saniert und auf den neuesten Stand gebracht, ist das Schulhaus an der Seminarstraße während der Sommerferien wieder in Bauarbeiterhand. Auf drei Etagen werden vormalige Klassenräume zu Fachkabinetten umgebaut. Dafür müssen Wände und Fußböden raus, Leitungen und Kabel werden neu verlegt, Türen getauscht, die komplette Technik und Möblierung wird erneuert. Gesamtkosten laut Stadtverwaltung: rund 660 000 Euro, von denen Pirna jeden Cent aus eigener Kasse zahlt, weil es für den Umbau keine Fördermittel gibt. Beauftragt ist die Firma Vogel-Bau, deren Mitarbeiter wegen der eng kalkulierten Bauzeit vor einer Herausforderung stehen.

Ein Chemie-, ein Physik- und ein Biologie-Fachkabinett nebst Vorbereitungsräumen entstehen neu. Nach der Umbau-Aktion verfügt das Gymnasium dann über insgesamt neun Fachräume für die genannten Naturwissenschaften. Dafür wird die Zahl an normalen Klassenzimmern erst einmal schrumpfen. Auch das Lehrerzimmer wird umgebaut und außerdem ein Raum für den Kunstunterricht hergerichtet.

Grund für die Investition ist der latente Platzmangel am Schiller-Gymnasium. Als es vor reichlich zehn Jahren an die Sanierung der Schule ging, rechnete der Freistaat Sachsen mit einer schrumpfenden Stadt Pirna und förderte nur eine räumlich sehr knappe Sanierungsvariante. Eins von ehemals drei städtischen Gymnasien musste Pirna damals schließen. Diese Fehleinschätzung rächt sich heute und kostet im Nachhinein viel Geld. Denn der Umbau der Fachkabinette ist nicht das letzte Bauvorhaben am Schiller-Gymnasium.

Die Schule nimmt im August vier neue 5. Klassen auf, in naher Zukunft werden es fünf Klassen pro Jahrgang sein. Um die jetzt schon akute Raumnot zu lindern, werden im Herbst Raumcontainer auf dem Schulhof aufgestellt, die die Stadt vom Herder-Gymnasium an die Seminarstraße umsetzt. Später soll dann ein zusätzliches Gebäude im Schulhof die nötigen Klassenzimmer bieten. Für diesen Neubau wartet Pirna derzeit auf eine Fördermittelzusage.

Bis das neue Gebäude steht, werden Schulleiter Bernd Wenzel und sein Kollegium wie schon in den vergangenen Jahren viel Tüftelarbeit haben, um trotz der Raumnot den Unterricht für alle Klassen zu sichern.