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Montag, 27.08.2018

Schreien, laufen, gestikulieren

So liefen Cristian Fiels erste 90 Minuten als Cheftrainer der SG Dynamo Dresden.

Von Tino Meyer

Das Dynamo-Zeugnis

Der „Neue“ bei Dynamo: Trainer Cristian Fiel
Der „Neue“ bei Dynamo: Trainer Cristian Fiel

© Robert Michael

Aufgeregt sei er, hat Cristian Fiel gesagt, und voller Vorfreude. Noch drei Minuten sind es bis zum Anpfiff, als Dynamos Übergangstrainer erstmals seit dem letzten Punktspieleinsatz für die Schwarz-Gelben am 23. Mai 2015 wieder den Rasen betritt. Schwarzer Trainingsanzug, gepflegtes Äußeres, der Bart noch so lang wie am Freitag. Dabei wollte er eigentlich ...

So kurzfristig ließ sich dann doch kein Fachmann finden. Außerdem kennt sicherlich auch Fiel die alte Weisheit vom Zusammenhang des Rasierens und Verlierens.

Wobei: Einer wie er ist bei Dynamo immer Gewinner. Die fünf Spielerjahre haben die Fans nicht vergessen, lautstark feiern sie ihn damals wie jetzt als Fußballgott verbunden mit „Fielo, Fielo“-Sprechchören. Er winkt ins Publikum zurück und klatscht dann energisch in die Hände, als wolle er die Zuschauer noch mehr antreiben.

Das Dynamo-Zeugnis

1 von 14

Markus Schubert: 3

Bei Elfmeter- und Freistoßgegentor streckt er sich vergeblich, rettet nach der Pause dann zweimal ganz stark.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Brian Hamalainen: 3

Erledigt seine Aufgaben unaufgeregt-sachlich und beschränkt sich dabei auf die Defensive.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Jannis Nikolaou: 3

Bleibt auch unter Fiel der Abwehrchef. Macht ein ordentliches Spiel, ohne dabei emotionale Akzente setzen zu können.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Dario Dumic: 3

Mischt nicht nur bei den Standards gern vorne mit. Defensiv sicher, kompromisslos und diskussionsfreudig.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Philip Heise: 3

Präsenter als Wahlqvist auf der anderen Seite. Seine Flanken und Eingaben sind allerdings nach wie vor zu ungenau.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Aias Aosman: 3

Zeigt sich laufstark und entschlossen, die Chance in der Anfangself zu nutzen. Defensiv aufmerksam – zulasten der Offensive.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Patrick Ebert: 3

Handelt sich nach vier Minuten Gelb ein. Versucht seiner Rolle als Anführer gerecht zu werden, was nicht immer gelingt.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Linus Wahlqvist: 4

Zeigt auch diesmal wieder gute Ansätze. Weil es nicht darüber hinaus geht, muss er für Kreuzer weichen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Haris Duljevic: 4

Viel unterwegs, aber auch viel am Boden – nicht alles sind Fouls. Bringt sich so aus dem Rhythmus und hat Glück, nach einem Foul selbst nur Gelb zu sehen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Baris Atik: 3

Darf sich als einer der Gewinner des Trainerwechsels fühlen. Sichtlich bemüht und mitunter übermotiviert. Vergibt eine große Doppel-Chance.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Moussa Koné: 3

Heidenheim, Hacke und Tor – hätte es auch diesmal heißen müssen. Der Schiri entscheidet auf Abseits. Trifft nach der Pause noch den Pfosten.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Erich Berko: 3

Macht sich als Einwechselspieler unverzichtbar. Trifft wie in Bielefeld.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Niklas Kreuzer: 4

Kann nicht für die erhoffte Belebung sorgen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Nicht zu bewerten: der unter Neuhaus gesetzte Lucas Röser. (SZ/-yer)

Für ihn selbst kann das kaum gelten. Wenn es um Fußball geht, ist Fiel in seinem Element. Und jetzt, beim Debüt als Cheftrainer, erst recht. Die Coaching Zone, ein abgegrenzter Raum für die Trainer während der 90 Spielminuten, betrachtet der 38-Jährige bestenfalls als Orientierung. Besonders in den ersten Minuten tigert Fiel an der Seitenlinie hoch und runter. Er gestikuliert, dirigiert, schreit und läuft und läuft und läuft. „Ich bin ein kommunikativer Typ, ich rede gern und nutze den Moment, mir einen Spieler zur Seite zu nehmen“, sagt er. Was fürs Training zutrifft, gilt also genauso im Spiel.

Zum Glück ist auch der Vierte Offizielle kommunikativ. Nach gut zwei Minuten weist er Fiel zum ersten Mal freundlich auf den Sinn der Coaching Zone hin, nach neun Minuten gibt es die zweite Ermahnung – und dafür von Fiel einen Klaps auf den Po.

Dann wird es hektisch. Der umstrittene Elfmeterpfiff, danach der Rückstand, dazu der fälschlicherweise wegen Abseits nicht anerkannte eigene Treffer: Je vehementer seine Spieler protestieren und das Stadion rebelliert, desto ruhiger reagiert Fiel. Das, sagt er, habe er aus seiner Zeit als Spieler mitgenommen. „Ich brauche nicht auszurasten, weil er wegen mir seine Meinung nicht ändern wird“, erklärt Fiel und meint den Schiedsrichter. Anschließend spricht er „von ein paar Situationen, die nicht auf unserer Seite waren. Das muss man auch akzeptieren. Dann kommt eben dieses Ergebnis zustande“.

Trotzdem habe er seinen Spielern zur Leistung gratuliert – sowie dem Gegner. „Glückwunsch an Heidenheim und Glückwunsch auch an dich, Frank (er meint den Gäste-Trainer, Anm. d. A.), wie gut du das Spiel zusammengefasst hast. Da muss ich noch einiges lernen.“

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