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Mittwoch, 05.04.2017

Schokopack-Haus wird IT-Standort

Das verfallende Hochhaus an der Breitscheidstraße soll für 20 Millionen Euro saniert werden.

Von Nora Domschke

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Rettung für das Seidnitzer Wahrzeichen: Der Zwölfgeschosser schreibt ein Stück Architekturgeschichte in Dresden.
Rettung für das Seidnitzer Wahrzeichen: Der Zwölfgeschosser schreibt ein Stück Architekturgeschichte in Dresden.

© Meiag AG

  • Rettung für das Seidnitzer Wahrzeichen: Der Zwölfgeschosser schreibt ein Stück Architekturgeschichte in Dresden.
    Rettung für das Seidnitzer Wahrzeichen: Der Zwölfgeschosser schreibt ein Stück Architekturgeschichte in Dresden.
  • Jetzt wird er umgebaut.
    Jetzt wird er umgebaut.

Dresden. Ende der 1950er-Jahre war es in Dresden das erste Hochhaus in Skelettbauweise. In den vergangenen drei Jahrzehnten verfiel das als Schokopack-Hochhaus bekannte Gebäude in der Breitscheidstraße 48 allerdings mehr und mehr. Das soll sich nun ändern. Denn ein Unternehmen der Itelligence AG will jetzt kräftig in den Seidnitzer Standort investieren. Aus dem ehemaligen Verwaltungssitz des VEB Schokoladen- und Verpackungsmaschinen Dresden wird einmodernes Bürohaus. Noch in diesem Jahr soll die Sanierung starten.

Bis zum Herbst 2018 werden auf einer Bürofläche von 9 000 Quadratmetern IT-Arbeitsplätze für zunächst 350 Mitarbeiter entstehen. „Platz ist später sogar für 500 Arbeitsplätze“, sagt Thomas Stern, Vorstand der Meiag Sächsische Immobilien AG. Sein Unternehmen hatte das Seidnitzer Hochhaus samt Nebengebäude 2011 gekauft – mit dem Plan, eine Seniorenresidenz daraus zu machen und Arztpraxen anzusiedeln. Doch das verweigerte die Stadtverwaltung aufgrund der Nähe zum benachbarten Gewerbegebiet. In den vergangenen sechs Jahren hatten Stern und seine Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, das markante und weithin sichtbare Denkmal vor Einbrechern, Randalierern und Graffitisprayern zu schützen. Genutzt hat es wenig – das Hochhaus hatte sich zuletzt zum beliebten Ziel von linken und rechten Verbalattacken entwickelt (die SZ berichtete).

Das wird nun ein Ende haben, denn Itelligence will den Standort rund um die Uhr nutzen. Die Aktiengesellschaft mit Sitz in Bielefeld beschäftigt derzeit rund 6 000 Mitarbeiter in 24 Ländern weltweit und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen Euro. 2008 nahm das Unternehmen ein Rechenzentrum in Bautzen in Betrieb – nun soll es in der sächsischen Landeshauptstadt weiterwachsen.

Doch was macht dieser sogenannte IT-Dienstleister eigentlich? Er berät mittelständische Unternehmen, wenn es darum geht, Software für ihre Prozesse einzusetzen. Dabei arbeitet Itelligence mit dem Softwarehersteller SAP. Durch die Digitalisierung steige auch in Dresden die Nachfrage nach IT-Beratungen, sagt Itelligence-Chef Norbert Rotter. Der Kauf und die Sanierung des Gebäudes in der Breitscheidstraße seien ein klares Bekenntnis, den Standort Dresden weiter auszubauen.

Seit letzter Woche ist Rotters Unternehmen Eigentümer der Immobilie. Die Meiag koordiniert in den nächsten Monaten den Umbau. Der Bauantrag wurde bereits vor sechs Wochen eingereicht. Thomas Stern rechnet damit, dass die Handwerker im Mai beginnen können. Dabei sollen zunächst Abrissarbeiten im Gebäudeinneren stattfinden. „Es werden komplett neue Grundrisse entstehen“, erklärt Stern.

Campus mit Park geplant

„Im Erdgeschoss wird eine große Kantine eingerichtet.“ Über eine Terrasse gelangen die IT-Experten künftig in den Park, der zwischen beiden Gebäuden liegt. „Es entsteht eine Art kleiner Campus“, so Stern weiter. Die Bäume im Park sollen weitgehend erhalten bleiben. Das fordert das Umweltamt. In den benachbarten Viergeschosser soll ein Fitnessstudio für die Mitarbeiter einziehen. An der Seite zum Moränenende ist ein Parkdeck mit zwei Ebenen geplant. Erweiterungsbauten sind auf dem Areal nicht möglich. Sollte Itelligence einmal mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, gebe es aber ein Grundstück in der Nähe. Den genauen Standort nennt Stern indes nicht.

Offen ist derzeit noch, welche Fenster in Hochhaus und Nebengebäude eingebaut werden. Das Landesamt für Denkmalschutz fordert Holzfenster – wie es sie beim Original gab. Der Zwölfgeschosser wurde 1957 bis 1963 nach den Plänen des Architekten Johannes Junghans errichtet und zählt zu den frühesten Bauten der Internationalen Moderne. Seit 2008 steht der Komplex unter Denkmalschutz.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Jörg

    Seidnitz? Das ist weit weg. Die Breitscheidstraße gehört in diesem Bereich zu Dobritz, aber der Schokopack-Betriebsteil nannte sich offiziell (und zu Recht) „Reick“.

  2. Peter

    Find ich toll! Ein Stück DDR-Baugeschichte wird in Dresden erhalten statt abgerissen.

  3. Volker W.

    Zitat: "Doch was macht dieser sogenannte IT-Dienstleister eigentlich? Er berät mittelständische Unternehmen, wenn es darum geht, Software für ihre Prozesse einzusetzen." Die Initiative ist aller ehren wert. Was mich stört und skeptisch macht, dass es anscheinend kein Unternehmen mehr gibt , dass ohne IT-Beratung auskommen soll. Gefühlt haben wir inzwischen mehr Experten und Berater als Produzierende.

  4. DuliebeGüte

    @3 Volker W.: Hatten Sie zufällig schon einmal das Vergnügen, mit einer komplexen Software-Umgebung zu arbeiten (z. B. SAP)? Diese Programme müssen auf die Erfordernisse des jeweiligen Betriebs angepasst werden (neudeutsch: Customizing). Es wäre kaum zielführend für ein durchschnittliches mittelständisches Unternehmen, dafür eigene Mitarbeiter einzustellen. Dazu sind diese Beratungsfirmen da, die darauf spezialisiert sind. Was genau stört Sie daran?

  5. Andreas

    DuliebeGüte-der Volker W.ist eben einer von denen die immer was zu sch...haben.Wichtig ist doch im Grunde genommen das sich jemand gefunden hat das Gebäude zu sanieren und zu Nutzen.Wurde ja ach bestimmt höchste Zeit.

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