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Donnerstag, 14.06.2018

Schocknachricht für Tesla-Mitarbeiter

Mitten in der Produktionskrise für Model3 setzt Konzernchef Elon Musk Tausende Beschäftigte vor die Tür.

Von Hannes Breustedt

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Als Tesla-Chef Elon Musk am 28. Juli 2017 auf dem Fabrikgelände in Fremont, Kalifornien (USA), den ersten Wagen des günstigeren Tesla-Fahrzeugs Model 3 vorstellte, wurde er umjubelt. Jetzt herrscht Katerstimmung.
Als Tesla-Chef Elon Musk am 28. Juli 2017 auf dem Fabrikgelände in Fremont, Kalifornien (USA), den ersten Wagen des günstigeren Tesla-Fahrzeugs Model 3 vorstellte, wurde er umjubelt. Jetzt herrscht Katerstimmung.

© Andrej Sokolow/dpa

Elon Musk hat mit dem holprigen Produktionsstart von Teslas Hoffnungsträger Model 3 alle Hände voll zu tun, dennoch will der umtriebige Star-Unternehmer rund neun Prozent der Mitarbeiter feuern. Die Entscheidung sei „schwierig, aber notwendig“, heißt es in einer E-Mail an die Tesla-Kollegen von Musk. Der Firmenchef begründete den Schritt mit der „Notwendigkeit, Kosten zu senken und profitabel zu werden“. Noch in dieser Woche würden die entlassenen Mitarbeiter informiert.

Wie viele Kündigungen es gibt, ist bislang nicht ganz klar. Aus dem letzten Jahresbericht von Tesla geht hervor, dass das Unternehmen Ende 2017 rund 37 500 Mitarbeiter hatte. Damit wären weit über 3 000 Jobs betroffen. Angesichts der rasanten Expansion und der Einstellungsoffensive im Zusammenhang mit dem Model 3 dürfte die Beschäftigung in diesem Jahr jedoch noch kräftig gestiegen sein, sodass es auch um deutlich mehr Stellen gehen könnte.

Laut Musk betreffen die Kündigungen insbesondere doppelt besetzte und überflüssig gewordene Jobs, die während des rasanten Wachstums der vergangenen Jahre entstanden seien. Stellen in der Produktion würden nicht gestrichen, die Fertigung des Model 3 bleibe unberührt. Der Tech-Milliardär sagt zudem, dass Gewinn für ihn und Tesla keine Motivation sei. Aber ohne gehe es langfristig eben auch nicht: „Wir werden unsere Mission niemals erfüllen können, wenn wir nicht irgendwann demonstrieren, dass wir dauerhaft profitabel sein können.“

Mit seiner Mission – „den Wandel der Welt zu nachhaltiger, sauberer Energie beschleunigen“ – wurde Musk zum Fahnenträger der Elektromobilität und gewann viele Anhänger. Doch letztlich muss bei Tesla auch die Wirtschaftlichkeit stimmen, denn die Aktionäre finanzieren das Unternehmen. Die Firma aber verdient bislang, von einzelnen Quartalen abgesehen, kein Geld. In der fast 15-jährigen Tesla-Geschichte wurde noch kein einziger Jahresgewinn gemacht. „Das ist ein zulässiger und fairer Kritikpunkt“, gibt Musk jetzt zu.

In den vergangenen zwei Jahren bezahlte Tesla sein rasantes Wachstum mit immer größeren Verlusten. 2017 stand ein Minus von fast zwei Milliarden Dollar. Die Firma investierte massiv, um mit ihrem ersten günstigeren Wagen, dem Model3, den Sprung von der Luxusnische in den Massenmarkt einzuleiten. Attraktive und erschwingliche E-Autos für die Bevölkerung waren von Anfang an fester Bestandteil von Musks Masterplan – die Masse soll das Geschäft trotz relativ geringer Gewinnspannen irgendwann profitabel machen. Doch ausgerechnet beim Hoffnungsträger Model 3 misslang der Start gründlich – die Produktion kam bislang trotz riesigen Aufwands nur langsam voran. Bis Ende Juni will Tesla pro Woche 5 000 Stück herstellen, dieses Ziel hätte eigentlich schon Ende 2017 erreicht sein sollen. Zuletzt lag die wöchentliche Produktion bei rund 3 500 Model 3.

In den vergangenen Monaten stieg der Druck auf Musk beträchtlich. Doch der Tesla-Chef tat wenig, um Bedenken zu zerstreuen. Im Gegenteil: Musk wirkte teilweise ungewohnt dünnhäutig und reagierte auf Kritik mitunter so unsouverän, dass selbst an der Wall Street Sorgen aufkamen und die Aktie zeitweise deutlich litt.

Es ist zu früh, um sagen zu können, ob Tesla sich mit dem Model 3 übernommen hat. Gelingt es Musk, die Startschwierigkeiten zu beheben und die Produktion kräftig hochzufahren, kann das Großprojekt mit Verzögerung durchaus noch der ersehnte Erfolg werden. Doch die vielen Kündigungen – ausgerechnet zu diesem kritischen Zeitpunkt – zeigen, wie groß der Druck inzwischen ist. Musk hat nicht nur beim Model 3 viel versprochen – im April kündigte er an, dass Tesla im dritten und vierten Quartal Gewinn machen wird. Analysten sehen indes eher Kapitalbedarf, das weist der Tesla-Chef aber energisch zurück. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Klaus

    Jeder Neunte von 37 500 sind 4166 - warum schreiben Sie statt "weit über 3000" nicht einfach "über 4000"?

  2. Henrik

    Der Trend zu E-Autos ist sicher wünschenswert, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre... 1. Problem - der Anschaffungspreis ist immer noch deutlich höher gegenüber vergleichbaren Benziner. 2. Problem - das Leergewicht und damit die verbundene Nutzlast ist ebenfalls deutlich höher, Nutzlast um so geringer. 3. Problem - die gute alte Reichweite. 4. Problem - der allgemeine Nutzwert (Tanken paar Minuten - aufladen Stunden...) 5. Problem - Brandgefahr bei Unfällen. Positiv, zumindest vor Ort keine direkte Abgasebelastung, leise, weniger Baugruppen die einem mechanischem Verschleiß unterliegen, laufende Unterhaltskosten günstiger (auch durch noch staatliche Förderungen). Generell ist noch viel zu tun und wer Zeit und Lust hat kann ja einfach mal einen VW Golf Benzin mit einem E-Golf gegenüberstellen - dort werden die oben benannten 5 Punkte sehr deutlich.... Und damit hadert auch das System Tesla..., denn mal ehrlich, im Schnitt wird der Tesla um die 50.000 Euro kosten.

  3. XXX

    @Henrik: Ich will mal noch einen Punkt hinzufügen: 5.: Das Stauproblem wird durch E-Autos nicht gelöst, da der Platzbedarf für solch ein Gefährt genau der gleiche ist, wie für die bisherigen nicht E-Autos. Naja, da wären wir dann beim Verkehrskonzept der Zukunft...

  4. Prozentrechnung

    @Klaus (1): Nun, es soll aber nicht jeder 9. sondern 9 Prozent aller Beschäftigten gefeuert werden (d.h. von 100 Beschäftigten werden voraussichtlich 9 gefeuert). Und das sind bei 37500 eben "nur" 3375. Wobei ja dann auch da steht, dass von mehr Betroffenen auszugehen ist. Nur zu korrigieren gibt es da zahlenmäßig erstmal nichts.

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