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Donnerstag, 09.08.2018

Schnelles Internet für Schulen in Sicht

Auch Krankenhäuser und Apotheken sollen künftig besser vernetzt werden. Das plant zumindest der Landkreis Görlitz.

Von Matthias Klaus

Heike Zettwitz, Dezernentin im Landratsamt Görlitz, ist optimistisch, dass Schulen und Krankenhäuer demnächst schnelles Internet bekommen.
Heike Zettwitz, Dezernentin im Landratsamt Görlitz, ist optimistisch, dass Schulen und Krankenhäuer demnächst schnelles Internet bekommen.

© nikolaischmidt.de

Görlitz. Da ist sie wieder, die Karte, die Heike Zettwitz wohl bei jedem Gespräch über das schnelle Internet auf den Tisch legt. Nicht, dass die vielleicht in der Zeitung abgedruckt wird. Nein, aber zum verdeutlichen, woran es hängt und klemmt beim Breitband-Ausbau ist die Karte ein gutes Anschauungsmittel. Streuselkuchen. Diesen Begriff hat die Dezernentin im Landratsamt Görlitz für die Versorgung des Landkreises mit schnellem Internet mal geprägt. Der Streuselkuchen ist immer noch aktuell. Es gibt noch kleine und größere Flecken, in denn das schnelle Internet nicht verfügbar ist. Aber es gibt Hoffnung.

Im Landkreis Görlitz sind immer noch Problemzonen ein Thema. Gebiete, in denen der Ausbau des schnellen Internets nicht so schnell voranschreitet, wie bisher gedacht. Sind die Nachbarn da schneller? Immerhin: Das sächsische Wirtschaftsministerium hat Ende vergangenen Monats eine Erfolgsmeldung für den Landkreis Bautzen verkündet. Das Breitbandprojekt sei das größte Fördervorhaben im Freistaat, die Telekom bezeichnet es als größtes Projekt in Sachsen und eines der größten Vorhaben überhaupt in Deutschland. Ein zukunftssicheres Breitbandnetz solle demnach entstehen. 100 Mbit für den Download für private Anwender werden angekündigt. Hat der Landkreis Bautzen den Kreis Görlitz beim Internetausbau einfach mal rechts ohne zu blinken überholt?

Heike Zettwitz winkt ab. „So einfach ist das nicht“, sagt die Dezernentin im Görlitzer Landratsamt. Sie erkennt die Bemühungen der Bautzener an. „Aber letztendlich haben sie mehr oder weniger die Vorarbeit für uns geleistet“, sagt sie.

Die Förderverfahren für das schnelle Internet in der Provinz – so muss man es wohl sagen – sind kompliziert. Der Bund hat ein Wörtchen zu sagen, das Land sowieso. Vorläufige Förderbescheide gab es für den Landkreis vom Bund im Sommer, vom Land werden sie im Oktober erwartet. Heike Zettwitz will im Dezember den Sack zumachen. Dann, zur Kreistagssitzung, soll über die Vergabe der unterschiedlichen Baumaßnahmen für Internetverbindungen im Landkreis entschieden werden. „Der Baustart ist dann für das kommende Jahr geplant“, sagt Heike Zettwitz. Der Landkreis Görlitz, für den Internetausbau ist er offensichtlich ein durchaus schwieriges Pflaster. Der Süden, das Zittauer Gebirge, die Kreisstadt Görlitz, die sich wie andere Gemeinden mit der Telekom und anderen Anbietern geeinigt hat, und der mehr oder weniger flache Norden.

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Neun Bereiche hatte der Landkreis bisher für den Internetausbau in seiner Verwaltung vorgesehen. Nun sind es zehn. „Wir wollen Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime, größere Apotheken, generell Gesundheitsversorgungszentren mit einbeziehen“, schildert Heike Zettwitz. Statt neun dieser, wie es heute heißt „Cluster“, sind es damit einer mehr. Ob und wie das funktioniert, bleibt noch offen. Vor allem der Südkreis könnte davon profitieren, aber auch Schulen beispielsweise in Rietschen. Bis Ende des vergangenen Monats liefen schon die Interessensbekundungen unterschiedlicher Anbieter. „Es gab tatsächlich sehr verschiedene Angebote. Darüber freuen wir uns sehr“, sagt Heike Zettwitz. Jetzt sei jede Firma aufgefordert, ein entsprechendes Angebot abzugeben. Bisher waren diese Angebote nicht förderfähig, der Landkreis hofft nun darauf. Ein weiteres Projekt des Kreises ist der Ausbau von Internet-Hotspots in vor allem touristisch genutzten Gebieten. Für die entsprechenden Gemeinden würde der Anteil bei etwa 20 Prozent liegen“, sagt Heike Zettwitz. Das bedeute einen kleinen vierstelligen Betrag pro Jahr. Herrnhut, Niesky, Großschönau nennt sie als Beispiele.

Bis Ende 2020 soll der Landkreis an das schnelle Internet angeschlossen sein. Davon geht Heike Zettwitz weiterhin aus. Bisher sind dafür etwa 104 Millionen Euro vorgesehen. Wenn nun noch Schulen und Gesundheitseinrichtungen hinzukommen, wird sich diese Summe wohl erhöhen. Bund und Land hatten zuletzt 93 Millionen Euro für die Verlegung von Glasfaserkabel in 31 Gemeinden im Landkreis zugesagt.

Im Kreis Görlitz begleitet der Tüv Rheinland das Prozedere. Mit Blick auf das laufende Verfahren bei den Nachbarn sagt Zettwitz: „Wir haben nach deren Erfahrungen anderthalb Jahre Vorsprung gegenüber dem Kreis Bautzen.“