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Montag, 19.02.2018

Schnelle Hilfe bei Hirn-Erkrankungen

Die Enge, das Gefühl, sich nicht bewegen zu dürfen – für viele Patienten ist die Untersuchung in einem MRT-Gerät belastend. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus nutzt nun ein Diagnoseverfahren, das diese Untersuchung bei Erkrankungen des Gehirns überflüssig macht. Bereits leichte Hirnschäden können nun durch Blutuntersuchungen nachgewiesen werden.

Untersucht wird das Blut in diesem Fall auf das Gehirneiweiß Neurofilament. Es stellt das Skelett der Nervenzellen dar. Sterben diese aufgrund von Hirn-Erkrankungen ab, werden die Eiweiße freigesetzt. Sie sind so im Blut nachweisbar. Angewendet wird das Verfahren derzeit beispielsweise schon bei Patienten mit Multipler Sklerose. Die durch das Simoa-Analysegerät der Firma Quanterix möglichen Untersuchungen sind das Ergebnis einer langjährigen Forschungszusammenarbeit des Universitätsklinikums mit Kliniken in Boston, Basel, Barcelona, London und San Francisco.

„Er gewährt uns erstmals über das Blut indirekte Einblicke in das menschliche Gehirn“, sagt Tjalf Ziemssen, Leiter des Zentrums für klinische Neurowissenschaften der Klinik für Neurologie. Bisher glichen Blutuntersuchungen auf Neurofilamente der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen – aufgrund der geringen Konzentration waren sie nicht durchführbar. „Doch mit der uns nun zur Verfügung stehenden Technik könnten wir sogar ein Sandkorn aus tausend 50-Meter-Schwimmbecken herausfiltern.“ Damit können bereits in einem sehr frühen Stadium von Erkrankungen Veränderungen festgestellt und somit Therapien angepasst werden. Bisher war dazu noch eine Punktion des Gehirnwassers notwendig, bei der es zu ernsten Komplikationen wie einer Hirnhautentzündung kommen konnte. (jam)

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