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Donnerstag, 08.10.2015

„Schmerzhaften Schritt“ der Füchse

Der Eishockey-Zweitligist aus Weißwasser trennt sich von Ralf Hantschke. Falsch gemacht hat der Sportdirektor aber nichts.

Von Frank Thümmler

Ahnt er hier schon etwas? Ralf Hantschke mit skeptischem Blick auf der Zuschauertribüne. Die Lausitzer Füchse, so hat er immer wieder betont, sind ihm eine Herzenssache. Jetzt muss er sich eine neue Arbeit suchen.
Ahnt er hier schon etwas? Ralf Hantschke mit skeptischem Blick auf der Zuschauertribüne. Die Lausitzer Füchse, so hat er immer wieder betont, sind ihm eine Herzenssache. Jetzt muss er sich eine neue Arbeit suchen.

© Gunnar Schulze

Gegensätzlicher können die Nachrichten von den Lausitzer Füchsen zu Wochenbeginn kaum sein. Die eine heißt: Die neue Torehoffnung der Füchse ist da. Am Sonntagabend, kurz vor Mitternacht, ist Darren Haydar in Weißwasser angekommen – gemeinsam mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und dem Familienhund. Sportdirektor Ralf Hantschke hatte sie alle in Berlin am Flughafen abgeholt. Der Stürmerstar, der vor allem in der zweiten amerikanischen Liga AHL, in der DEL und in Österreich für viele Tore gesorgt hatte, soll helfen, die Sturmprobleme der Füchse zu lösen. Inzwischen hat Haydar schon mit der Mannschaft trainiert.

Die andere heißt: Der Mann, der den Sensationstransfer eingefädelt und abgewickelt hatte, der eben noch in Berlin war, um Haydar abzuholen, muss weg. Die Lausitzer Füchse beenden zum Saisonende die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Ralf Hantschke. Das hat der Verein am Mittwoch offiziell bekannt gegeben und damit auf Vorabmeldungen einer Tageszeitung und heftige Diskussionen im Internet reagiert.

In der Liga gilt er als Trendsetter

Nicht weil er in den vergangenen Jahren (Hantschke ist seit 2008 Sportlicher Leiter) schlecht gearbeitet hätte. Im Gegenteil: Der 50-Jährige wird von vielen Seiten hoch geachtet. Die Fans halten ihn für einen absoluten Experten, dem es immer wieder gelingt, für relativ kleines Geld Qualität nach Weißwasser zu holen, unter viel schwierigeren Voraussetzungen als die meisten Konkurrenten in dieser Liga. Auch wenn diese Spieler nach einer oder zwei guten Serien die Begehrlichkeiten anderer Vereine wecken und sie besser dotierte Angebote annehmen, Hantschke hat immer wieder für Nachschub gesorgt. In der Liga gilt er gar als Trendsetter. Zum Beispiel als er mit Kjaergaard einen Spieler aus der dänischen Liga holte, war er Vorreiter. Inzwischen haben auch andere diese so nahe Liga für sich entdeckt. Und dieser Mann muss jetzt also gehen?

„Diese Entscheidung ist schon lange gefallen. Ralf weiß seit Mai Bescheid. Und sie hat allein wirtschaftliche Gründe“, sagt Füchse-Geschäftsführer Matthias Kliemann. Der Kassensturz am Ende der vergangenen Saison hatte wohl ein dickes Minus ergeben. Das Experiment, mit einem höheren Spieleretat für attraktiveres Eishockey zu sorgen, mehr Zuschauer in die neue Eisarena zu locken und in der Play-off-Phase lange zu spielen, ist schiefgegangen. Es kamen nicht entsprechend mehr Zuschauer, und die Mannschaft schied früh in der Saison, in den Pre-Play-offs, aus. Auch wenn sich manches Spiel schön ansah.

Die Gesellschafter mussten das Defizit ausgleichen, sonst hätte es keine Lizenz für die neue, jetzt laufende Saison gegeben. René Reinert, neben der Nadebor-Erbengemeinschaft und Wolfgang Stiehler Gesellschafter der EHC „Lausitzer Füchse“ Spielbetriebs-GmbH, und mit seiner Logistikfirma einer der Hauptsponsoren, bestätigt das. Eine Summe wollte er gegenüber der SZ zwar nicht nennen, aber erheblich muss die Sonderzahlung gewesen sein. „Man darf auch nicht vergessen, dass wir noch alte Schulden der GmbH vor uns herschieben, die abgebaut werden müssen“, sagt Reinert.

Letztlich hing der Fortbestand der Füchse an der Bereitschaft der Gesellschaft, dieses Defizit auszugleichen. Das soll nicht mehr vorkommen, zumal die Rahmenbedingungen noch schlechter werden. „Das hängt mit der ganzen Unsicherheit im Energiesektor in unserer Region zusammen. Mit Vattenfall direkt, aber auch mit den vielen Unternehmen, die da dran hängen. Einige davon sind auch unsere Sponsoren“, erklärt Reinert.

Das alles hat dazu geführt, dass nach allen möglichen Einsparpotenzialen gesucht wurde, auch auf Leitungsebene. Und ist eben auf die Möglichkeit gestoßen, den Posten des Sportdirektors einzusparen. Dessen Aufgaben, so das Kalkül, lassen sich auch auf die Schultern von Geschäftsführer Matthias Kliemann, Trainer Dirk Rohrbach und Co-Trainer Robert Hoffmann verteilen. Rohrbach könne infrage kommende Spieler auswählen, habe genauso Kontakte zu Ex-Spielern, die Empfehlungen geben. Verträge könne auch Kliemann aushandeln, und für die Betreuung gerade in den ersten Tagen und Wochen vor Ort werde man schon Lösungen finden.

„Einzige Möglichkeit“

„Uns von Ralf Hantschke zu trennen, ist ein schmerzhafter Schritt, aber aus unserer Sicht die einzige Möglichkeit“, sagt Reinert. Co-Trainer Robert Hoffmann, wie von einigen Fans ins Spiel gebracht, stand nicht zur Disposition. „Ein Trainer mit 20 Spielern auf dem Eis, das geht nicht, wenn alle Spieler vorwärtskommen sollen. Die Mannschaft ist unser Kapital, und da noch mehr zu sparen, wäre falsch. Außerdem handelt es sich beim Co-Trainer um eine finanziell ganz andere Dimension“, erklärt Reinert. Dass nicht kurzfristig gekündigt wurde, sondern die Trennung erst zum Saisonende erfolgt, sei eine Anerkennung der Arbeit von Ralf Hantschke. Reinert: „Er soll damit auch die Chance haben, sich neu zu orientieren.“

Wie der Sportdirektor diese Entscheidung vor einigen Monaten selbst aufgenommen hat, ob er sich schon neu orientiert hat, war gestern nicht zu erfahren. Ralf Hantschke war nicht erreichbar. Aber aus Verbitterung hängen lassen hat er sich nicht. Sonst hätte er kaum für die neue Sturmhoffnung der Füchse gesorgt und sie am Sonntag am Flughafen abgeholt.