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Dienstag, 28.08.2018

Schmerzhafte Bauchlandung

Auch mit dem neuen Trainer will Dynamo offensiv spielen, nur fehlt der passende Stürmer. Die Notlösungen helfen nicht.

Von Tino Meyer

Wieder eine Möglichkeit, wieder kein Tor – und Moussa Koné am Boden. Die Chancenverwertung ist zurzeit Dynamos größtes Problem.
Wieder eine Möglichkeit, wieder kein Tor – und Moussa Koné am Boden. Die Chancenverwertung ist zurzeit Dynamos größtes Problem.

© Robert Michael

Es sind die oft zitierten Mechanismen im Profifußball – die natürlich auch nach einem Trainerwechsel greifen. Was hat der Neue anders gemacht, welche Veränderungen gibt es? Hat er überhaupt etwas bewirken können? Bei Dynamo Dresden sind sich diesbezüglich ausnahmsweise mal alle Beteiligten komplett einig.

Auch wenn Cristian Fiel bis zu seinem ersten von zwei Spielen als Interimstrainer nur drei Tage blieben, ist offensichtlich vieles ein bisschen besser geworden – abgesehen vom Ergebnis, dem 1:3 am Sonntag. Eine Niederlage gegen Heidenheim hat es unter dem in der Vorwoche beurlaubten Uwe Neuhaus nie gegeben, dafür zuletzt häufig wortgleiche Erklärungsversuche für spielerisch und von der Körpersprache wenig überzeugende Leistungen. Am Ende näherten sich Coaching-Stil des Trainers und Spielweise seiner Mannschaft immer mehr an: auf Bewährtes setzen, Risiko vermeiden, im Zweifel ruhig statt explosiv.

Mit dem extrovertierten Fiel ist das Auftreten ein erkennbar anderes. Selbstvertrauen, Emotionen und Leidenschaft habe er ihnen in vielen Gesprächen vermittelt, sagen die Spieler – und damit das, was nach Trainerwechseln oft gesagt und getan wird.

Fiel dagegen, das ist ebenfalls immer wieder gleich, spielt seinen Anteil am Aufschwung herunter. „Dass sie gut kicken können, wissen wir alle. Es ging nur darum, ihnen klarzumachen, dass es auch Spaß machen muss. Geh da raus, spiel Fußball und gib dein Bestes – das war meine Botschaft an die Spieler. Und das haben sie ganz gut gemacht“, sagt er und lobt. Auch das gehört beim Spiel eins nach dem Wechsel an der Seitenlinie dazu wie Veränderungen in der Aufstellung.

Auffällig ist, dass Fiel im Mittelfeld mit Aias Aosman und Baris Atik auf ihm ähnliche Typen gesetzt hat: technisch klasse, passsicher, dribbelstark, emotional. Noch auffälliger ist die Systemumstellung auf zwei Angreifer und dabei die Besetzung der Positionen. Fiel entschied sich einigermaßen unerwartet für Moussa Koné sowie Haris Duljevic, die unter Neuhaus auf den offensiven Außenbahnen spielten. Eindrücke aus dem Training und sein Bauchgefühl hätten ihn dazu bewogen. Duljevic und Koné seien „zwei Spieler, die den Ball haben wollen, die ein Eins-gegen-eins lösen können. Das waren meine Gedanken dahinter“, so Fiel.

Man könnte allerdings auch sagen: Ihm blieb kaum eine andere Wahl als jene personelle Notlösung, zumal vor allem Duljevic, aber auch Koné ihre Schnelligkeit über die Außenpositionen im Mittelfeld wohl effektiver einbringen könnten und sie darüber hinaus keine Torjäger im Sinne eines klassischen Mittelstürmers sind. Den einen im Kader, Lucas Röser, hat Fiel erst mal auf die Bank gesetzt. Auch womöglich unpopuläre Maßnahmen müssen bei einem Neuanfang sein. Und der andere, Pascal Testroet, wurde vor zwei Wochen nach Aue verkauft mit dem Vermerk, man könne ihm nicht mehr ausreichend Einsatzzeiten garantieren.

Bleiben die Angriffstalente Vasil Kusej und Osman Atilgan, deren Verfassung der Nachwuchstrainer Fiel sicher besonders gut einzuschätzen weiß – und sie in der sensiblen Saisonphase außen vor lässt.

Eher Kwasniok, nicht Hasenhüttl

Dynamo mag derzeit „unter Hochdruck“, wie Sportchef Ralf Minge sagt, einen Neuhaus-Nachfolger suchen. Dringender gebraucht wird aber ein neuer Stürmer, zumal die frei gewordene Trainerstelle offenbar schon wieder vergeben ist.

Nach übereinstimmenden Medienberichten kommt Lukas Kwasniok. Der 37-Jährige wurde Anfang des Monats als Nachwuchstrainer bei Drittligist Karlsruher SC entlassen. Seitdem steht er auf der von Dynamos zweitem Sportchef Kristian Walter gepflegten Liste verfügbarer Trainer – und das ganz weit oben. Der gebürtige Pole soll am Sonntag schon im Stadion gewesen sein und kurz vor der Vertragsunterschrift stehen. Bei Ralph Hasenhüttl, dessen Name inzwischen auch kursiert, handelt es sich stattdessen um eine Falschmeldung. Er sei nicht der neue Trainer, wünsche Dynamo aber alles Gute, ließ der Österreicher auf SZ-Nachfrage ausrichten.

Eine vergleichbare Auflistung von Stürmern gibt es ebenfalls, nur gestaltet sich das Abarbeiten deutlich schwieriger. Und jetzt drängt auch noch die Zeit. Am Freitag, 18 Uhr, ist Transferschluss, danach dürfen nur derzeit vertragslose Spieler verpflichtet werden. Es deutet also viel auf eine Wiederholung des Vorjahresszenarios hin, als der beim Ligakonkurrenten Bochum mehr oder weniger aussortierte Peniel Mlapa eine halbe Stunde vor Ablauf der Frist nach Dresden transferiert wurde. Im Sommer hat man ihn nun mangels Perspektive schon weitergereicht, auf Leihbasis zum niederländischen Erstligisten Venlo.

Mlapa hin, Testroet her: Was Dynamo im Aufgebot fehlt, ist ein Stürmer, der Bälle sichern und Chancen verwerten kann. Einer, der Kopfballstärke und den gewissen Torriecher mitbringt angesichts der vielen Flanken und Eingaben – die wie oft zuvor auch gegen Heidenheim keinen Abnehmer fanden. Die gute Nachricht zum Schluss: Der Spieler, den Dynamo spätestens Freitag kurz vor 18 Uhr präsentiert, wird genau jene Eigenschaften besitzen. Zumindest werden die Verantwortlichen genau das sagen, Stichwort Mechanismen im Profifußball.

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