erweiterte Suche
Donnerstag, 08.03.2018

Schmerz lass nach

Dynamos Trainer kündigt Veränderungen an. In den nächsten Wochen könnte dies auch Niklas Hauptmann betreffen.

Von Tino Meyer

1

Die Niederlage gegen Darmstadt ist auch für Niklas Hauptmann nicht nur körperlich schmerzhaft. Dynamos 21-jähriges Toptalent sucht derzeit nach seiner Form.
Die Niederlage gegen Darmstadt ist auch für Niklas Hauptmann nicht nur körperlich schmerzhaft. Dynamos 21-jähriges Toptalent sucht derzeit nach seiner Form.

© Robert Michael

Der Hauptdarsteller neben dem Trainer fehlt. Niklas Hauptmann, der bei der Pressekonferenz vor dem Heimspiel von Dynamo Dresden an diesem Freitag gegen Heidenheim über sich und die aktuelle Lage sprechen soll, ist nicht da – oder schon weg? Natürlich nicht.

Die Avancen von Schalke 04 sind seit dieser Woche nun öffentlich, und vermutlich gibt es weitere Bundesligisten, die den hochtalentierten Mittelfeldspieler für vergleichsweise kleines Geld verpflichten wollen. Gut drei Millionen Euro, heißt es, sind nötig, um den 21-Jährigen aus seinem bis 2020 datierten Vertrag in Dresden herauszukaufen. Zumindest Schalke und auch die TSG Hoffenheim, die vor einem Jahr bereits angefragt hat, nehmen solche Summen aus der Portokasse.

Das Thema kocht zur Unzeit mal wieder hoch. Sowohl Dynamo im Gesamten als auch Hauptmann speziell sind sportlich derzeit genug mit sich beschäftigt, sodass jegliche Nebenschauplätze nur stören. Und ist das vielleicht auch der Grund, warum der Podiumsplatz neben Uwe Neuhaus am Donnerstagmittag kurzfristig frei bleibt?

Die offizielle Begründung ist eine andere. „Heute im Training, deshalb sitze ich alleine hier, hat sich Niklas Hauptmann verletzt. Er hat einen Pferdekuss bekommen, und es macht keinen Sinn, ihn hierhin zu setzen. Er soll sich lieber behandeln und pflegen lassen in der Hoffnung, dass es für morgen reicht“, erklärt Neuhaus.

Morgen – damit meint er die Partie gegen Heidenheim, also Spiel eins nach der 0:2-Niederlage gegen Darmstadt am vergangenen Freitag verbunden mit dem unerklärlich schwachen Auftreten, spielerisch und erst recht in der Körpersprache. Es ist auch Spiel eins nach der Wutrede des Trainers, der ungewohnt deutlich die Leistung kritisiert und von einer jämmerlichen Art und Weise gesprochen hat.

Das Lamentieren und Resignieren habe ihn mehr als nur geärgert. Selbst das 0:4 zu Saisonbeginn im Heimspiel gegen Sandhausen ist nicht so desolat gewesen. „Ich bin mir bewusst, dass nicht immer alle meiner Meinung sind – aber diesmal schon“, meint Neuhaus zufrieden.

Denn offenbar, so glaubt er, wirken die Selbstregulierungskräfte innerhalb des Teams und bei jedem einzelnen noch. „Ein bisschen Einsicht war da. Dass es eine Notwendigkeit war, ein Zeichen zu setzen“, sagt Neuhaus und hofft nun, dass sich die Mannschaft gegen Heidenheim wieder konzentrierter und willensstärker präsentiert. „Ich bin kein Hellseher. Aber bis jetzt hat die Mannschaft immer noch eine Reaktion gezeigt“, sagt er.

Das Spiel gegen den Tabellenneunten, der zwei Punkte mehr als Dynamo gesammelt hat, ist ein weiteres richtungsweisendes. Nur drei Zähler trennen die Dresdner vom Abstiegsrelegationsplatz. Bei einem Sieg würden sie aber vorübergehend einen Sprung auf den achten Platz machen. „Natürlich kann ich das nicht ausblenden, ich gucke auch auf die Tabelle. Aber wichtig ist, dass man sich während der Arbeit auf dem Platz nicht damit beschäftigt und weniger Fehler macht“, sagt Neuhaus.

Mit klaren Worten und Videoausschnitten der schlechtesten Szenen (O-Ton Neuhaus: „Lange suchen musste man ja nicht“) ist es bei der Aufarbeitung des für Spieler, Verantwortliche und Zuschauer gleichermaßen schmerzhaften Rückschlags jedoch nicht geblieben, zumal der Trainer ohnehin Konsequenzen angekündigt hatte. Entsprechend straff ging es im Training zur Sache, zumindest zu Wochenbeginn. „Ich bin ja kein Selbstmörder. Einfach nur um der Konsequenzen Willen Dampf machen, hart trainieren bis zum Umfallen und vielleicht noch Verletzte zu provozieren, macht wenig Sinn. Die Spieler hatten schwere Beine, haben sich müde gefühlt. Aber alles im Rahmen dessen, dass wir am Freitag eine Topleistung liefern können“, sagt Neuhaus, und er betont: „Personelle Konsequenzen wird es auch geben – die ich aber natürlich nicht verrate.“ Man darf also gespannt sein; erst recht, da bis auf Marco Hartmann, Sören Gonther und eben Hauptmann alle Profis fit sind.

Ob auch der zuletzt kriselnde Edeltechniker von den angekündigten Veränderungen betroffen ist, bleibt offen. Neuhaus unterstreicht unabhängig davon noch einmal ausdrücklich dessen Bedeutung. „Er spielt eine große und wichtige Rolle. Aber es muss auch ohne ihn weitergehen, wenn es so kommen sollte“, sagt der Trainer – und meint diesmal die Oberschenkel-Prellung, wobei die Worte auch locker als Reaktion auf den Abgang des nächsten Talents aus dem eigenen Nachwuchs durchgehen.

Früher oder später wird Hauptmann diesen Schritt gehen und zu einem Bundesligisten wechseln. Und früher oder später wird man ihn auch dazu befragen können.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

Alle Kommentare anzeigen

  1. dyndre53

    Es ist eigentlich ganz einfach zu erklären: Es gibt keinen Zusammenhalt in der Truppe. Die "Besseren" und somit Begehrteren wie Heise, Hauptmann, Djulevic...haben längst Flöhe ins Ohr gesetzt bekommen von anderen zahlungskräftigen Klubs in Bundesliga und Ausland. Trotz häufiger nicht genügender Leistungen stehen sie aber immer wieder auf dem Platz, was den Frust bei der zweiten und dritten Reihe nur verstärkt. Da sickert sicher mal so`n Angebot von Schalke oder aus der Premier League in der Kabine durch, vielleicht protzt der eine oder andere auch mal im Kollegenkreis damit rum. Einer mit der schnellen Entwicklung wie Djulevic schwebt dann schnell mal ein paar cm über dem Kabinenboden. Mir scheint, es ist ein wenig wie im Abstiegsjahr mit der Franzosen-Konnection. Dazu die immer noch misserablen Trainingsbedingungen! Anderswo stampft man ein popeliges Trainingsgelände in ein paar Monaten aus dem Boden! Zudem gibt es keinen Fiel oder Sammer, keine Hierarchie, scheint es. Minge? Schweigt

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.