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Montag, 11.12.2017

Schloss-Miniatur als Weihnachtsgabe

Beim Adventsfest in Lauterbach standen am Sonntag engagierte Spender und Helfer im Mittelpunkt.

Von Manfred Müller

Modellbauer Rainer Dierchen (li.) und Andreas Hoffmann realisierten das Diorama vom Schloss Lauterbach mit dem ursprünglichen Türmchen. Christian Gebhardt (re.) machte dafür den Wikipediaeintrag
Modellbauer Rainer Dierchen (li.) und Andreas Hoffmann realisierten das Diorama vom Schloss Lauterbach mit dem ursprünglichen Türmchen. Christian Gebhardt (re.) machte dafür den Wikipediaeintrag

© Kristin Richter

Lauterbach. Jedes Jahr im Dezember wird es eng im historischen Gemäuer am Lauterbacher Schlossteich. Hunderte Besucher drängen sich in den nicht allzu großen Räumen, und besonders der stimmungsvolle Gewölbekeller platzt dann aus allen Nähten. „Wir mussten das Basteln für die Kinder schon ins Nebengebäude verlegen“, erklärt Fördervereins-Chefin Randi Friese. Auch das Imbiss-Areal im Außenbereich sei dieses Jahr erweitert worden. Obwohl die Veranstaltung sicherheitstechnisch langsam an ihre Grenzen stößt – der Lauterbacher Verein ist froh über jeden einzelnen Besucher. Er hat sich das Ziel gestellt, das Schlossgebäude wieder in alter Pracht herzurichten, und dafür braucht er natürlich eine Menge Geld.

In diesem Jahr sollte eigentlich das Türmchen, das den Bau über Jahrzehnte zierte, wieder aufgesetzt werden. Aber die Kostenschätzung war etwas zu optimistisch ausgefallen, und als die Lauterbacher nach der Ausschreibung ein Angebot zugeschickt bekamen, lag es fast doppelt so hoch (die SZ berichtete). Und da war noch einmal die Turmspitze inbegriffen, die bei der Planung vergessen worden war. Wohl oder übel musste der Förderverein noch einmal neu planen und auch die Fördermittel neu beantragen. „Ich hoffe, dass nun alles seinen Gang geht und dass wir das Türmchen zur nächsten Schlossweihnacht einweihen können“, sagt Randi Friese. Die Eigenmittel, die in das Projekt eingebracht werden müssen, akquiriert der Schloss-Förderverein vor allem über Spenden.

Da die Lauterbacher noch nie um originelle Ideen verlegen waren, wenn es um die Finanzierung der Verschönerungsarbeiten geht, drucken sie eine Urkunde für potenzielle Spender. Wer mindestens 100 Euro einbringt, bekommt die sogenannte kleine Turm-Herrschaft, ab 500 Euro winkt dann die große. Die Namen der Geber sollen außerdem in eine Kapsel eingeschlossen und hoch über Lauterbach deponiert werden. Eine Herrschaft für die Ewigkeit ist das sozusagen. Gestern Nachmittag bekamen nun wieder ein halbes Dutzend Spender die Turmherrschaft verliehen, so dass der Verein optimistisch ist, die benötigten Gelder im nächsten Jahr zur Verfügung zu haben. Insgesamt wird das Türmchen, das detailgetreu jenem Aufbau nachempfunden wird, der 200 Jahre lang das Dach des Herrschaftsgebäudes zierte, etwa 150000 Euro kosten. Die Krone war 1931 wegen Baufälligkeit abgerissenen worden und soll nun – einschließlich einer neuen Turmuhr – wiederhergestellt werden.

Der Lauterbacher Haus- und Hofmaler Roland Schwenke hat die historische Ansicht schon mal in Öl verewigt, und gestern kam noch ein dreidimensionales Modell hinzu, das künftig im Eingangsbereich stehen und die Besucher zum Spenden animieren soll. Schöpfer der detailgetreu hergestellten Schloss-Miniatur ist der Dresdner Bastler Rainer Dierchen. „Im Frühjahr sprach mich mein Modellbauclub-Kollege Andreas Hofmann darauf an, und ich habe erst einmal abgelehnt“, erzählt Dierchen. Dann aber habe ihm Hofmann, der im Lauterbacher Förderverein mitmischt, ein Foto von Schwenkes Gemälde gezeigt, woraufhin er sich sofort in den historischen Bau verliebte. Fast ein halbes Jahr werkelte der Modellbauer an zwei Miniaturen, bevor er restlos zufrieden war.

„Es sind manchmal solche kleinen Zufälle, die uns ein Stück weiterbringen“, freut sich Randi Friese. Ihr Verein hat allerdings über die Jahre auch ganz aktiv Verbindungen aufgebaut und Kontakte gepflegt – zu den Nachfahren der Lauterbacher Schlossherren etwa, zu Historikern, Künstlern und Kunsthandwerkern, und viele brachten sich finanziell oder mit Sachleistungen ein.

Rainer Dierchens Schulfreund Christian Gebhardt zum Beispiel ist Mitglied der Wikipedia-Community und stellte für die Lauterbacher dort einen erstklassigen Auftritt zusammen. „Bisher war bei uns kaum etwas über das Bauwerk, den Bau und die früheren Besitzer zu finden“, erklärt er. Der Dresdner hat sich auf fast vergessene Dresdner Bildhauer und weitere sächsische Besonderheiten spezialisiert, und das kleine ländliche Schloss gehört für ihn unbedingt dazu. Dank der vielen engagierten Mitstreiter darf der Lauterbacher Schloss-Förderverein darauf hoffen, dass auch sein Turmprojekt im nächsten Jahr umgesetzt wird.