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Donnerstag, 19.10.2017

Schlamperei legt die Operette lahm

Auch im November kann nicht gespielt werden. Die Ausfälle kosten das Haus 380 000 Euro.

Unmengen Wasser flossen auf die Bühne der Staatsoperette Dresden im Kraftwerk Mitte.
Unmengen Wasser flossen auf die Bühne der Staatsoperette Dresden im Kraftwerk Mitte.

© Ronald Bonss

Dresden. Am Donnerstag liegen erste Fakten zur Havarie in der Staatsoperette auf dem Tisch. Doch die Höhe der Schäden kann erst eingeschätzt werden, wenn am Montag die Bautrockner abgestellt werden. Axel Walther vom Bauherren, Betreiber und Eigentümer des Kulturkraftwerkes, der Kommunalen Immobilien Dresden (KID), Operetten-Intendant Wolfgang Schaller und Mario Radicke, Technischer Leiter der Operette, informieren am Donnerstag über den Hergang der Havarie, welche Folgen sie hat und ob das Theater auf andere Spielstätten ausweichen kann.

Staatsoperette nach der Sprinkler-Flut

Wodurch wurde die Sprühflutanlage ausgelöst ?

Alle drei Monate findet eine Turnus-Prüfung statt. Laut Walther wird sie von erfahrenen Mitarbeitern der Firma durchgeführt wird, die auch die Anlage installiert hat. Dabei ist versehentlich der falsche Brand-Prüfabschnitt aktiviert worden. Bei diesem war die Wasserzufuhr noch nicht abgestellt worden. Um 7.15 Uhr morgens ergossen sich 16 000 Liter Wasser in 30 Sekunden über den Bühnenturm, bis das Ventil abgestellt wurde. Normalerweise wird die Funktionweise der Sprühfluter geprüft, indem ohne Wasser geschaut wird, ob sich die Klappen bei einem vom Computer ausgelösten Alarm öffnen. „Es war ein Bedienfehler, kein technisches Versagen“, so Walther. Mit der Firma und dem Mitarbeiter konnte aber noch nicht geklärt werden, wie es dazu kam.

Was wurde alles vom Wasser geschädigt?

350 Geräte, die in der Anschaffung 1,2 Millionen Euro gekostet haben, wurden durchnässt, sagt Radicke. Darunter Scheinwerfer, Audio- und Videotechnik, Bühnendekoration, die Unterbühnenmaschinerie, Vorhänge und der Bühnenboden. Etwas Wasser sei auch in den Orchestergraben gelaufen. Mitarbeiter der Theater hätten sofort geholfen und alles raustransportiert. Die Feuerwehr war schnell da und pumpte über vier Stunden lang Wasser ab.

Was muss jetzt getan werden, und wer kommt für den Schaden auf?

Erst nach der Trocknung könne ab Montag die Schadenshöhe taxiert werden, sagte Axel Walther. Das Wasser habe auch sicherheitstechnische Anlagen geschädigt, die vollständig erneuert werden müssten, bevor wieder gespielt werden kann. Da das Kulturkraftwerk vom Generalunternehmer Züblin gebaut wurde, der auch für die Gewährleistung zuständig ist, müsse auch Züblin die Arbeiten übernehmen. Die Firma habe signalisiert, dass sie zügig arbeiten könne. Derzeit seien Versicherungsfachleute für die KID im Haus. „Wir müssen klären, ob auch die Installationsfirma der Sprühflutanlage herangezogen oder sogar maßgeblich an der Schadensregulierung beteiligt wird“, so Walter.

Wie lange fällt der Spielbetrieb der Operette aus?

Abschließend könne das noch nicht gesagt werden, so Walther. Doch schon jetzt ist klar, dass auch die November-Vorstellungen ausfallen müssen. „Wir erleiden einen riesigen Schaden“, sagt Intendant Wolfgang Schaller. „Ideell wie finanziell.“ Besonders tragisch sei, dass die Uraufführung von „Zaun – Das Nachbarschaftsmusical“, die für den 28. Oktober geplant war, nicht stattfinden könne. Zum Glück konnte die Musik auf einer CD eingespielt werden, so Schaller. Nach seiner Rechnung fallen mindestens 26 Vorstellungen aus, die der Operette 380 000 Euro eingebracht hätten. Nun müssten alle Karteninhaber angeschrieben werden, die sich namentlich registriert haben. Alle anderen müssen im Internet neuste Informationen holen.

Gibt es Alternativspielstätten für das beliebte Theater?

Am Donnerstag hat Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) einen Krisenstab gebildet. Es wird geprüft, ob und wie schnell das alte Leubener Operettenhaus nutzbar wäre. Die Messe sei im November und Dezember sehr stark ausgebucht und teuer, deshalb keine wirkliche Alternative. „Aber wir werden mit allen sprechen, auch mit Hellerau“, so Klepsch.

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Frage

    Braucht Dresden nicht noch eine Schwimmhalle?

  2. rainyx

    Ja, aber nicht 500m von der größten Schwimmhalle der Stadt entfernt...

  3. Leubener

    Hätte man die Staatsoperette in Leuben belassen, hätte es dieses Problem sicher nicht gegeben. Da gab's nämlich keine Sprinkleranlage, nur leider auch sonst keinen Brandschutz.

  4. nichtok

    Sorry aber das als Schlamperei zu bezeichnen finde ich nicht ok. Jedem können Fehler passieren!

  5. Tobias

    @3: siehe Artikel von gestern "[...]So im Jahre 2014, als das Berliner Ensemble unter Wasser stand, oder im November 2001 in der alten Operetten-Spielstätte in Leuben, als innerhalb einer Minute 12 000 Liter Wasser auch auf Bühne und Orchestergraben herabschossen. Ein Pförtner hatte damals vergessen, die Anlage auszuschalten, als ein Spezialeffekt – eine Stichflamme – eingesetzt worden war. [...]" Hoffentlich können die Schäden zügig beseitigt und der Spielbetrieb zeitnah wieder aufgenommen werden.

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