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Freitag, 12.10.2018

„Schildbürgerstreich sondergleichen“

Die Stilllegung des Sportplatzes in Hagenwerder empört viele. Diese Entscheidung könne so nicht stehen bleiben.

Von Daniela Pfeiffer Und Ingo Kramer

Unterstützung von vielen Seiten im Kampf um ihren Rasenplatz ist der Leitung der ISG Hagenwerder auf jeden Fall sicher.
Unterstützung von vielen Seiten im Kampf um ihren Rasenplatz ist der Leitung der ISG Hagenwerder auf jeden Fall sicher.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Hagenwerder. Ein Skandal ist die komplette Schließung des Rasenplatzes in Hagenwerder in den Augen von Rolf Weidle. Der Fraktionsvorsitzende der Bürger für Görlitz und bekennende Fußballfan sichert der ISG Hagenwerder seine Unterstützung im Kampf um den Platz zu. „Es wäre doch das Mindeste, dass die Fußballer wenigstens weiter hier trainieren dürfen.“ Doch auch das untersagt die Stadt, die Angst hat, in das Stadion der Freundschaft geflossene Fördermittel zurückzahlen zu müssen. Die hatte sie nach dem August-Hochwasser von 2010 beantragt – als Ersatzmaßnahme für Hagenwerder. Seit 2015 im Schwarzbuch der Steuerzahler angeprangert worden war, dass es als Steuerverschwendung angesehen werde, Fördermittel auszureichen, obwohl die vom Hochwasser betroffene Sportanlage weiter genutzt wird, war auch klar: Der Sportplatz wird gesperrt, sobald das Stadion der Freundschaft fertig ist.

Am Mittwoch fielen nun auch im Verwaltungsausschuss böse Worte. Hagenwerders Ortsvorsteher Andreas Zimmermann – zugleich CDU-Stadtrat – warf der Stadtverwaltung mangelnde Kommunikation vor – und zwar sowohl mit dem Stadtrat als auch dem Ortschaftsrat und den Vereinen. OB Siegfried Deinege wies sämtliche Kritik zurück: „Ich habe mit Verein und Ortschaftsrat kommuniziert.“ Letzterer sei stets einbezogen gewesen. „Und ich bin auch jetzt bereit, in den Ortschaftsrat zu kommen.“ Er würde den Platz gern weiter nutzen lassen, sagte er: „Wir haben keine andere Verwendung für diese Fläche.“

Um die Sache zu klären, schlug Linkspartei-Fraktionschef Thorsten Ahrens vor, die Verwaltung solle aufarbeiten, wann welche Fördermittelbescheide eingegangen sind und wann wer informiert wurde. Der OB solle diese Aufschlüsselung am besten bei der nächsten Stadtratssitzung am 25. Oktober präsentieren. CDU-Stadtrat Michael Hannich indes erinnerte sich, dass das Ganze im Verwaltungsausschuss thematisiert wurde. Er sprach sich für Nachverhandlungen aus: „Es ist absolut unlogisch, einen funktionsfähigen Platz nicht zu nutzen.“

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Darüber hinaus gab es auf den SZ-Bericht vom Donnerstag viele Reaktionen – sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in Schreiben an die SZ. So schreibt das parteiunabhängige kommunalpolitische Netzwerk Motor Görlitz: Man wünsche sich, dass hier alle an einem Strang ziehen, so Sprecher Mike Altmann. „Die Verantwortung dafür, dass der Sportplatz Hagenwerder nicht mehr für den Fußball genutzt werden kann, trägt nicht das Görlitzer Rathaus, sondern die sächsische Staatsregierung. Wir sollten zusammenhalten und mit einer lauten Stimme sprechen. Auslöser für die jetzige Situation ist die Haltung des Landesrechnungshofes. Dieser meint, der Sportplatz in Hagenwerder darf nicht mehr genutzt werden, selbst wenn er nicht mehr in städtischer, sondern in privater Hand liegt.“ Das war auch versucht worden, Investor Hagen Grothe hatte sich für den Rasenplatz interessiert, war aber wieder abgesprungen. Nach SZ-Informationen wollte die Stadt 400 000 Euro für den Platz.

Wie Motor Görlitz plädiert auch der CDU-Landtagsabgeordnete und Görlitzer OB-Kandidat Octavian Ursu dafür, jetzt gemeinsam eine vernünftige Lösung zu finden. Ursu: „Das sportliche Vereinsleben und umfangreiche ehrenamtliche Engagement der Sportler sind wichtige Ankerpunkte in Hagenwerder, die unsere aktive Unterstützung verdienen.“

Mike Altmann nennt es einen Schildbürgerstreich sondergleichen, dass ein intakter Sportplatz nicht mehr für das genutzt werden kann, für das er errichtet wurde. „Vielleicht sollte dieser Fall deutschlandweit bekannt gemacht werden, damit die Regierungsbeamten in Dresden noch einmal intensiv darüber nachdenken, was sie unter einer lösungsorientierten Arbeit verstehen.“