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Montag, 11.06.2018

Schiebocker holen WM-Punkte

In der Weltmeisterschaft der Supersport 300-Klasse wird eine wichtige Regeländerung vorgezogen. Das hat Folgen.

Von Christian Kluge

Der Bischofswerdaer Pilot Jan Ole-Jähnig (vorn) war im Training auf dem Automotodrom im tschechischen Brünn der schnellste deutsche Fahrer. Im Rennen am Sonntag belegte er am Ende knapp hinter seinem Teamkollegen Luca Grünwald Platz 13.
Der Bischofswerdaer Pilot Jan Ole-Jähnig (vorn) war im Training auf dem Automotodrom im tschechischen Brünn der schnellste deutsche Fahrer. Im Rennen am Sonntag belegte er am Ende knapp hinter seinem Teamkollegen Luca Grünwald Platz 13.

© PR/Mara Paulicek

Nach dem letzten WM-Rennen im englischen Donington hat es eine wichtige Regeländerung gegeben. Die sollte eigentlich erst 2019 in der Supersport 300-Kategorie eingeführt werden, galt aber schon am vergangenen Wochenende beim fünften Lauf der Saison im tschechischen Brünn. Die beiden besten Bischofswerdaer Piloten waren hier wieder einmal Luca Grünwald und Jan-Ole Jähnig. Das Rennen wurde allerdings schon drei Runden vor Schluss mit der roten Flagge abgebrochen, da ein gestürzter Fahrer im Kiesbett medizinisch betreut wurde.

Grünwald konnte als Zehnter der WM-Führenden Ana Carrasco aus Spanien immerhin einen Punkt abnehmen, fiel aber in der Gesamtwertung auf Platz drei zurück. Er hat nun 57 Zähler auf dem Konto, Carrasco 78 und ihr Landsmann Borja Sanchez – er wurde in Brünn Dritter – hat 58 Punkte. Knapp hinter dem besten Bischofswerdaer lauert noch der Niederländer Scott Deroue, der auf seiner Kawasaki schon 55 Zähler eingefahren hat.

Teamchef Carsten Freudenberg sagte nach dem Renntag auf dem Automotodrom: „Der vorzeitige Rennabbruch war etwas schade, da es in den letzten Rennrunden sicher für alle drei noch ein paar Plätze nach vorn gegangen wäre. Luca, Jan-Ole und Max Kappler waren alle in der großen Gruppe, in der 18 Piloten um die Plätze ab Position zwei gekämpft haben. Aber wir konnten wieder wichtige WM-Punkte sammeln. Am Ende ist es ein guter Abschluss für ein durchwachsenes Rennwochenende. Wir sind immer noch unter den besten drei Fahrern in der WM mit direktem Anschluss zu Platz zwei, sodass wir mit positiven Blick auf die kommenden WM-Läufe schauen.“

Was genau in Brünn geändert worden ist, erklärte in einem Beitrag, der auf speedweek.com veröffentlicht wurde, Scott Smart, der technische Direktor des Motorrad-Weltverbandes FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) für die Superbike-WM und ihre Rahmenklassen: „Die Regeländerung wird in zwei Schritten vollzogen. Wir wollen, dass alle Motorräder eines Herstellers die gleiche Performance haben. Das ist nur durch ein Gesamtgewicht aus Fahrer mit Motorrad möglich. Dann können wir die Bikes der verschiedenen Hersteller balancieren. Für Brünn mussten einige Teams ihre Motorräder bis zu acht Kilogramm schwerer machen, für Misano in einem Monat sind es dann bis zu zwölf Kilogramm.“

Anpassung an die Moto 3-Regeln


In der Moto 3-Weltmeisterschaft gibt es diese Regelung bereits. Damit ist nun mit den ständigen Veränderungen an den Motorrädern hoffentlich Schluss. Darüber hatte sich schon in Donington der Bischofswerdaer Luca Grünwald aufgeregt und erklärt: „Wenn man bei den Umdrehungen etwas wegnimmt, dann geht es auch bei der Übersetzung los und die vorab gemachten Berechnungen stimmen nicht mehr. Gut ist das nicht!“ Denn seit dem WM-Auftakt im spanischen Aragón wurden die erlaubte Maximaldrehzahl und das Motorradgewicht pro Hersteller mehrfach angepasst. Nun gilt also ein Gesamtgewicht für Fahrer mit Maschine, das die Chancengleichheit und Leistungsdichte erhöhen soll.

Die ersten Ergebnisse waren in Brünn klar zu sehen. So waren die Yamaha-Piloten, die in den ersten fünf Rennen der Supersport 300-WM keine Rolle gespielt hatten, plötzlich vorn dabei. Auf Startplatz eins raste in Tschechien trotz mehrerer Patzer der Indonesier Galang Hendra Pratama, während die WM-Führende Ana Carrasco aus Spanien nur den dritten Platz ergattern konnte. Der schnelle Indonesier konnte sich dann auch im Rennen am Sonntag an der Spitze behaupten.

Die Balance zwischen den vier beteiligten Motorrad-Herstellern ist nun offenbar ausgeglichener. In den Top Ten fanden sich in Brünn drei Yamaha, drei KTM und sechs Kawasaki. Nur der einzige Honda-Pilot im Feld fuhr als Siebzehnter etwas hinterher.

Bleibt noch der Blick auf das Rennen der Supersport 600-WM, in dem der Bischofswerdaer Max Enderlein mit einer Wildcard starten konnte. Er belegte in Brünn Platz 19, war aber am Ende doch recht zufrieden. „Nach dem wir am Sonnabend einige Probleme mit dem Motor hatten, musste ich im Rennen mit dem IDM-Setup an den Start gehen“, sagte der Freudenberg-Pilot. „Das hat etwas weniger Leistung für mich bedeutet. Damit war es natürlich nicht einfach, von Platz 24 vorzufahren. Aber am Ende habe ich viele Erfahrungen sammeln können. Die werden mir beim nächsten IDM-Rennen in Zolder wieder helfen.“ Dort wird – ebenso wie in Misano – vom 6. bis 8. Juli um die nächsten Punkte gefahren.

www.speedweek.com