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Freitag, 19.10.2018 Kommentar

Sachsen hat Schwung kaum genutzt

SZ-Redakteur Georg Moeritz über die Bilanz nach fünf Jahren Aufschwung.

Georg Moeritz
Georg Moeritz

© Robert Michael

Können Sie sich noch an das Jahr 2013 erinnern? In der Statistik steht, dass Sachsens Wirtschaft damals eine Pause eingelegt haben muss. Seitdem geht es ungebrochen aufwärts, seit fünf Jahren. Doch so schön eine lange Aufschwungphase ist: Sie wird ganz automatisch auslaufen. Automatisch deswegen, weil viele Betriebe ausgelastet sind, aber nicht alle den Schritt zum Anbauen wagen, weil nicht alle genügend Mitarbeiter finden und weil die Preise steigen.

Ein regelmäßiges Auf und Ab der Konjunktur ist nicht schlimm, aber Sachsen hat die lange Aufschwungphase nicht gut genutzt. Nach fünf Jahren mit stetigem Wachstum müssten eigentlich mehr neue Betriebe entstanden sein, eine modernisierte Wirtschaftsstruktur mit Ansätzen für das nächste Wachstum nach dem einkalkulierten Rückschlag.

Freilich lassen sich einige neue Fabriken aufzählen: Bosch wird künftig in Dresden Mikrochips herstellen, B. Braun Avitum produziert in Wilsdruff seit diesem Jahr Dialysatoren, und die Batteriefabrik der Deutschen Accumotive in Kamenz wächst kräftig. Doch Siemens in Görlitz und Globalfoundries in Dresden haben Stellen gestrichen, die Lausitzer Braunkohle-Industrie wird schrumpfen, und die Autoindustrie steht vor Herausforderungen, die viele Lieferanten in Ostsachsen treffen. Der einstige Hoffnungsträger Solar-Industrie ist gescheitert, ein Ersatz trotz Aufschwungs nicht in Sicht.

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