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Donnerstag, 08.03.2018

Russisch Brot im Retrogewand

Die Firma Dr. Quendt hat in den vergangenen drei Jahren die Produktion enorm gesteigert. Jetzt will sie deutschlandweit punkten.

Von Bettina Klemm

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An der Produktionsanlage für Russisch Brot zeigt Werkleiter Robert Schiehandl die neue Verpackung im Retrogewand. Auf deren Rückseite wird die Geschichte des eiweißreichen Gebäcks erzählt. Zur Fußball-WM soll sie auf dem Markt sein.
An der Produktionsanlage für Russisch Brot zeigt Werkleiter Robert Schiehandl die neue Verpackung im Retrogewand. Auf deren Rückseite wird die Geschichte des eiweißreichen Gebäcks erzählt. Zur Fußball-WM soll sie auf dem Markt sein.

© René Meinig

Gutes Marketing ist bekanntlich die halbe Miete. So sucht Claudia Heller immer wieder nach Anlässen, um beispielsweise auf das Russisch Brot aufmerksam zu machen. „Nu Gugge“ hieß im vergangenen Jahr eine Edition des Buchstabengebäcks ohne harte Konsonanten, eben typisch sächsisch.

In Kürze erscheint das Russisch Brot im Retrogewand. Dazu erweckt die Dr. Quendt-Marketingchefin eine Verpackung mit einer Matrjoschka aus den 1960er-Jahren zu neuem Leben. Das Original steht übrigens in einer Vitrine im Unternehmen. Die Matrjoschkas, jene ineinander schachtelbaren, eiförmigen Holzpüppchen, sind wiederum ein typisches Symbol für Russland. Dort wird im Juni/Juli die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Das passt doch gut zusammen, findet Heller. Die 43-Jährige arbeitet seit 2015 im Unternehmen.

„Vor 120 Jahren hat die 1895 gegründete Dresdner Waffelfabrik Gebrüder Hörmann erstmals in Deutschland Russisch Brot industriell gefertigt“, erklärt sie. Vor 30 Jahren, 1988, ging eine von Dr. Hartmut Quendt entwickelte Anlage zur kontinuierlichen Fertigung von Russisch Brot in Betrieb. Nicht lange, denn der volkseigene Betrieb Dauerbackwaren sollte nach der Wende aufgelöst und die Anlage verschrottet werden. Hartmut Quendt ergriff die Chance und gründete 1991 auf der Kaitzer Straße sein Unternehmen. Das Know-how des Firmengründers sei Gold wert, sagt Heller. An beide Jubiläen erinnert ein kurzer Text auf der Rückseite der jeweiligen Tüte. Da aber aller guten Dinge drei sind, erzählt Heller auch noch die Geschichte, wie der Bäcker Ferdinand Wilhelm Hanke 1844 das locker-leichte Gebäck aus Russland nach Dresden brachte, die kyrillischen Buchstaben in lateinische wandelte und als Russisch Brot verkaufte. Für den Relaunch der Verpackung für Russisch Brot, aber auch für die Bio-Produkte setzt die Marketingchefin auf die Dresdner Agentur Quer.

Russisch Brot wird bei Dr. Quendt das gesamte Jahr über produziert. „Den größten Anteil an unserer Produktion hat aber der Dresdner Stollen. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals mehr als zwei Millionen Stück gebacken“, sagt Robert Schiehandl. Bevor der 48-Jährige 2016 die Leitung des Dr.-Quendt-Werks in Dresden übernahm, hat der gelernte Konditormeister 20 Jahre lang beim Zwieback-Spezialisten Brandt und danach sechseinhalb Jahre als Betriebsleiter beim Süßwarenhersteller Halloren gearbeitet. „Dresden ist eine tolle Stadt, hier fühlt sich meine Familie sehr wohl“, gesteht der Niederbayer.

Zufrieden ist er auch mit der Entwicklung des Dresdner Werks, das seit 2014 zur Lambertz-Gruppe gehört. Damit wurden der Produktionsstandort und die Arbeitsplätze gesichert. 2014 hatte Dr. Quendt 2 650 Tonnen Stollen, Dominosteine, Russisch Brot und Bemmchen sowie andere Süßigkeiten produziert. 2017 waren es 4 630 Tonnen, rund 75 Prozent mehr. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 25 Millionen Euro. Werkleiter Schiehandl hofft, mit der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz im Hintergrund die Ostmarke Dr. Quendt künftig stärker auch im Süden des Landes zu etablieren.

Neben dem Dresdner Stollen tragen dazu auch die Dominosteine bei. Diese Spezialität wurde 1936 vom Dresdner Chocolatier Herbert Wendler erfunden. In Kriegs- und Nachkriegszeiten wurde sie auch als „Notpraline“ bezeichnet. Als Wendler 1996 in Insolvenz gehen musste, erbte Dr. Quendt dessen Originalrezept. „Die Qualität der Dresdner Dominosteine mit Kirschgelee und Marzipan unterscheidet sich erheblich von den meisten Angeboten in den Supermärkten“, sagt Heller. Dafür akzeptieren die Kunden auch einen höheren Preis. Weitere Sorten des Lebkuchenkonfekts komplettieren die Reihe.

In den vergangenen Jahren zog wieder Ruhe ins Unternehmen ein. So konnte Schiehandl auch neue Techniker einstellen. Etwa 120 Frauen und Männer gehören zum Personalstamm. Genauso viele werden zusätzlich in der Saison beschäftigt. Derzeit werden Russisch Brot, Dinkelchen und Bemmchen produziert. Die Dominoanlage und die Stollenproduktion pausieren. In dieser Zeit werden die Anlagen gewartet. Im April beginnen die Quendt-Mitarbeiter wieder mit der Produktion von Dominosteinen. Stollen werden ab Sommer gebacken. Gut durchgezogen sollen die Süßigkeiten ab Ende August wieder an den Handel ausgeliefert werden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 18 Kommentare

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  1. Stülpener

    Die an Hälfte ist die Belegschaft! Hier liegt der Hase im Pfeffer! Ein hoher Krankenstand ist nicht immer nur auf Grippe zu schieben, sondern auch ein Zeichen von ineffektiver Leitung!! Als Außenstehender kann ich nur sagen, wenn der Umgang mit der Belegschaft sich nicht grundlegend ändert, muss man Angst um den Betrieb haben und ein Stück “Dresden“ ist vernichtet!

  2. Wolle

    Mehr Schein als Sein...als Ehemaliger kann ich mich nur meinem Vorredner anschließen. Keine Ahnung ob da noch was zu retten ist!!!

  3. Knups

    Eine echte Neuerung bei Russisch Brot wäre es, nicht bloß lateinische Buchstaben zu fabrizieren, sondern auch kyrillische. Warum ist da noch niemand darauf gekommen, das würde auch den Namen "Russisch Brot" etwas plausibler machen.

  4. Ricky

    Großes Blendwerk, Mitarbeiter frustriert, Ein Trauerspiel für die schöne Stadt Dresden!!!

  5. Fovea

    Das Unternehmen hat nach außen einen guten Ruf, aber keiner weiß wie lange noch.

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