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Montag, 14.05.2018

Runde zwei der Wohnungssanierung

Die Bauarbeiten „Am Sachsenhof 7“ in Klingenberg gehen weiter. Aber nicht ohne Kritik.

Von Anja Ehrhartsmann

Im Block mit der Nummer sieben haben im Wohngebiet „Am Sachsenhof“ in Klingenberg die Arbeiten begonnen. Zunächst wird das Gebäude in den Rohbauzustand versetzt. Für die anstehende Sanierung hat der Gemeinderat alle Arbeiten vergeben.
Im Block mit der Nummer sieben haben im Wohngebiet „Am Sachsenhof“ in Klingenberg die Arbeiten begonnen. Zunächst wird das Gebäude in den Rohbauzustand versetzt. Für die anstehende Sanierung hat der Gemeinderat alle Arbeiten vergeben.

© Egbert Kamprath

Klingenberg. Die Sanierung des ersten Blocks im Wohngebiet „Am Sachsenhof“ ist abgeschlossen, und im Auftrag der Gemeinde haben die Bauarbeiten im zweiten Block begonnen. Der Klingenberger Gemeinderat hatte auf seiner Sitzung im Februar bereits ein Viertel der gesamten Bauleistungen für die Sanierung „Am Sachsenhof 7a-c“ vergeben. Nun standen die restlichen Gewerke auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung. Die Aufträge wurden jeweils mit vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen erteilt.

Nach den eingegangenen Angeboten für alle Bauleistungen seien es nun unterm Strich 35 000 Euro mehr als ursprünglich angenommen – angesichts der Bausumme eine geringe Abweichung, so Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg). Nach einer Kostenberechnung war die Gemeinde Ende 2017 von 2,562 Millionen Euro Gesamtkosten ausgegangen, die für die Sanierung des Wohnblocks 7a-c fällig werden, erläuterte das Gemeindeoberhaupt.

Da die Sanierungskosten am Ende auf die Mieten umgelegt werden, kam die Frage aus dem Gremium, ob das Wohnen nun durch die Mehrkosten noch teurer werde. Oder ob sich für die Gemeinde dadurch gar eine Bugwelle auftürme, schließlich sollen noch zwei Wohnblöcke folgen – weitere Mehrkosten seien also nicht ausgeschlossen. „Wir sind knapp über ein Prozent über den geplanten Gesamtkosten“, sagte der Bürgermeister. Das sei noch kein Grund zur Besorgnis.

Grundsätzliche Bedenken wegen der Sanierung der Blöcke und der geänderten Wohnungszuschnitte seien an sie herangetragen worden, so Sonja Fischer (Die Linke). „Die Leute wollen das nicht, und wir machen es trotzdem.“ Torsten Schreckenbach: „Wir haben uns gemeinsam als Gemeinderat dazu entschieden. Es ist schwierig, und es wird auch schwierig bleiben.“

Denn nach Block 7 ist es nicht getan. Im Wohngebiet „Am Sachsenhof“ gehören der Gemeinde insgesamt vier Wohnblöcke, die zu DDR-Zeiten gebaut worden sind. In den vergangenen Jahrzehnten ist wenig in den Gebäuden passiert. Das gilt als einer der Gründe dafür, warum über 20 Prozent der Wohnungen nicht vermietet sind. Das will die Gemeinde aber ändern, und die Blöcke nach und nach sanieren und modernisieren. Unter anderem werden die Wohnungszuschnitte an heutige Maßstäbe angepasst. Die schmalen Bäder, damals DDR-Standard, werden vergrößert, der Küchen- und Essbereich umgestaltet. Zu haben sind am Ende Wohnungen in unterschiedlichen Größen und Zuschnitten, damit will die Gemeinde als Vermieter ein breites Angebot für potenzielle Mieter schaffen, etwa für Familien, Alleinstehende oder Paare.

Finanziert werden soll die Baumaßnahme über Kredite. Für die Sanierung des ersten Blocks 2 a-c beabsichtigt die Gemeinde, 2,4 Millionen Euro aufzunehmen. Am Ende sollen die Kosten auf die Mieten umgelegt und wieder als Mieteinnahme in die Gemeindekasse gespült werden. Deshalb spricht Carlo Schütze, Amtsleiter Finanzen, von rentierlichen Schulden. Damit die Gemeinde keine Miesen macht, müssen die Blöcke zu 80 Prozent vermietet sein. Im Block 2 a-c liegt die Auslastung derzeit bei rund 60 Prozent.

Für ihre sanierten Wohnungen verlangt die Gemeinde einen Preis von 7,25 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. Da die Gebäude aber unter anderem energetisch saniert und mit neuen Heizungen ausgestattet wurden, gebe es Einsparpotenzial bei den Nebenkosten. Einigen Bestandsmietern, die zum Teil schon seit mehr als 20 Jahren in ihren Wohnungen leben, sind die künftigen Mietpreise aber zu teuer. Manche zahlen bisher noch nicht einmal vier Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Dass die Wohnungen so günstig vermietet wurden, ist dem Umstand geschuldet, dass die Mieter viel selbst in ihren Wohnungen gemacht haben und die Gemeinde wenig investieren musste. Deshalb ist der Sprung nun umso größer. Das ist Verwaltung und Gemeinderat auch bewusst. Im Vorfeld wurden aus diesem Grund auch Alternativen zur Sanierung geprüft – nämlich die Wohnblocks zu verkaufen oder gar abzureißen, wenn der Letzte ausgezogen ist. Doch die beste Möglichkeit war für den Gemeinderat, auch im Sinne der Mieter, das Geld in die Hand zu nehmen und die Gebäude von Grund auf zu sanieren.