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Samstag, 09.06.2018

Rummel im Dschungel

Von Frank Grubitzsch

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Angkor Wat zieht jedes Jahr rund zwei Millionen Besucher an.
Angkor Wat zieht jedes Jahr rund zwei Millionen Besucher an.
  • Angkor Wat zieht jedes Jahr rund zwei Millionen Besucher an.
    Angkor Wat zieht jedes Jahr rund zwei Millionen Besucher an.
  • So allein ist man im Tempel Ta Prohm nur selten. Foto: SZ/Grubitzsch
    So allein ist man im Tempel Ta Prohm nur selten. Foto: SZ/Grubitzsch
  • Affen machen das Treiben erst richtig verrückt.Fotos: St. Klameth (2)
    Affen machen das Treiben erst richtig verrückt. Fotos: St. Klameth (2)

Welche Kraft! Die mächtigen Wurzeln tropischer Baumriesen halten die Mauern fest umklammert. An einigen Stellen neigen sie sich bedenklich gen Boden. Anderswo türmen sich Haufen verwitterter Steine auf. Auf manchen sind noch die Reste kunstvoller Reliefs zu erkennen: ein Blumenornament, ein Gesicht, eine Hand. Der Tempel von Ta Prohm gehört zu den Zeugen einer untergegangenen Kultur in Kambodscha. Die Natur hat dafür gesorgt, dass sie bis heute erhalten geblieben sind. Über viele Jahrhunderte hinweg waren sie vom üppigen Grün des Dschungels überwuchert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts hatten französische Forscher die Tempel wiederentdeckt.

Etwas von dem Zauber, den die Wissenschaftler damals empfunden haben müssen, kann der Besucher in Ta Prohm erleben – vorausgesetzt, man findet in den Gemäuern einen ruhigen Platz. Um einen buddhistischen Mönch zu beobachten, der durch ein steinernes Tor schreitet. Um die Geräusche des Dschungels aufzusaugen – das Zwitschern der Vögel und das Geschrei der Affen, die hoch oben in den Baumriesen herumturnen.

Eine günstige Zeit, um die Magie des spirituellen Ortes Ta Prohm zu spüren, ist der frühe Morgen. Dann nämlich, wenn die lange Karawane aus Reisebussen, Vans, Taxis, Mopeds und Tuk-Tuks den berühmtesten Tempel in der Gegend ansteuert: Angkor Wat. Bei Sonnenaufgang liefern die fünf markanten Haupttürme einen spektakulären Anblick. Kurz danach flaut der erste Ansturm aber spürbar ab. Wer jetzt durch das Haupttor tritt, hat ein Stündchen Ruhe, bis die zweite Besucherwelle zum weltweit größten sakralen Bauwerk schwappt. Es entstand vor mehr als acht Jahrhunderten. Einen Eindruck von den riesigen Ausmaßen der Anlage gibt es nach dem Aufstieg auf die oberste Ebene. Einplanen muss man aber längere Wartezeiten. Doch die Mühe lohnt sich: Von oben hat man einen herrlichen Blick über den gesamten Tempelkomplex.

Inzwischen drohen Angkors spektakuläre Tempel förmlich erdrückt zu werden vom Touristenansturm. Der hat sich in den letzten 20 Jahren massiv verstärkt – seit dem Ende des Bürgerkriegs gegen die „Roten Khmer“. Wegen des Andrangs ist es ratsam, sich die Eintrittskarten schon am Nachmittag des Vortags zu besorgen. Am Stadtrand von Siem Reap steht das moderne Besucherzentrum. An mehr als 30 Schaltern werden die Tickets verkauft – bedruckt mit einem Passfoto, das an Ort und Stelle entsteht. Die Preise sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Derzeit kosten sie 37 US-Dollar (etwa 30 Euro).

Auch wenn das Ticket erst für den Folgetag gilt, darf man schon am Vorabend das riesige Gelände betreten, das sich über Dutzende Quadratkilometer ausdehnt – mit Hunderten kleinen Tempeln, Terrassen, Wasserbecken und Kanälen. In der Abenddämmerung fällt magisches Licht auf die verwitterten Mauern. Und es sind deutlich weniger Besucher unterwegs. Viele Touristengruppen sind da bereits in ihre Hotels zurückgekehrt – ermattet vom Besichtigungspensum und der Hitze des Tages. Andrang herrscht dann nur noch auf dem Tempelberg von Phnom Bakheng, der bei Sonnenuntergang fantastische Blicke verspricht. Doch statt sich mit Hunderten anderen Besucher auf den Steinen zu drängen, wäre jetzt der Bayon-Tempel ein besseres Ziel. Da fallen die letzten Sonnenstrahlen auf die Türme mit ihren steinernen Gesichtern, die rätselhafte Blicke aussenden.

Wer nach den Eindrücken des Tages am Abend in der Touristenstadt Siem Reap Entspannung sucht, sollte die Innenstadt meiden. Dort herrscht Trubel bis tief in die Nacht. Riesige Märkte bieten den üblichen Touristen-Krimskrams, unzählige Restaurants und Garküchen die kulinarischen Leckerbissen. Und aus der „Pubstreet“ mit zahllosen Bars dröhnt laute Popmusik. Da sehnt man sich zurück zu den stillen Momenten vom Morgen in Ta Prohm.

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