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Samstag, 09.11.2013

Rudolf Harbig hat seinen Weg

Nach langem Hickhack wird der Wunderläufer endlich gebührend geehrt. Zum 100. Geburtstag des Dresdners wurde im Ostragehege ein Weg nach ihm benannt.

Von Lars Kühl

Für Ulrike Harbig ist es selbstverständlich, dass endlich ein Weg nach ihrem Vater benannt wurde.
Für Ulrike Harbig ist es selbstverständlich, dass endlich ein Weg nach ihrem Vater benannt wurde.

© André Wirsig

Die Ersten auf dem neuen Rudolf-Harbig-Weg waren keine Läufer, sondern Radfahrer. Doch das ist Ulrike Harbig egal. Sie ist einfach nur froh, dass ihr Vater endlich so in seiner Heimatstadt geehrt wird, wie es ihm zusteht. Schließlich war der Leichtathlet Rudolf Harbig der erfolgreichste Läufer, den Dresden je hatte.

Darauf wies Jörg Peter, früher selbst ein Aushängeschild Dresdens über die Langstrecken und noch heute deutscher Rekordhalter auf der Marathondistanz, am Freitag bei der Benennung des Weges im Ostragehege hin. Der vorher namenlose Pfad führt von der Pieschener Allee hinter dem Heinz-Steyer-Stadion entlang bis zur Energie-Verbund-Arena. Der Tag passte, denn am 8. November wäre Rudolf Harbig 100 Jahre alt geworden. Seit 1944 gilt er als verschollen, ist aber vermutlich im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront gefallen. „Bis heute gibt es keinen Läufer auf der Welt, der alle drei Weltrekorde über 400 Meter, 800 Meter und 1.000 Meter gleichzeitig innehatte“, sagte Jörg Peter. Dennoch tat sich Dresden bis zuletzt schwer, seine Sportlerlegende gebührend zu würdigen. „Dabei ist es doch eine Selbstverständlichkeit“, erklärte seine Tochter. Überall in Deutschland würden Straßen, Hallen und dergleichen den Namen ihres Vaters tragen.

Zwar hieß die Ilgen-Kampfbahn, wo heute Dynamos Heimstätte steht, ab 1951 trotz Widerständen wegen der NSDAP-Mitgliedschaft des Wunderläufers „Rudolf-Harbig-Stadion“. Hier lief der gebürtige Trachauer am 24. Mai 1941 seinen Weltrekord über 1.000 Meter. Doch die Ehrung war nicht von Dauer: Offiziell wurde es nie proklamiert, aber seit den 1970er-Jahren wurde aus dem Harbig- das Dynamo-Stadion, obwohl beispielsweise im Telefonbuch von 1989 als Anschrift Harbig-Stadion steht.

1990 war das dann wieder offiziell so: Dynamo spielte im Rudolf-Harbig-Stadion und alle waren glücklich. 2010 verkaufte die Betreibergesellschaft der Arena die Namensrechte aber für fünf Jahre an den bayrischen Energieversorger Goldgas, am 1. Dezember 2010 erfolgte die Umbenennung in „Glücksgas Stadion“. Geht es nach FDP-Stadtrat Jens Genschmar, Inhaber des Dresdner Fußballmuseums und beim Antrag zur Straßenbenennung nach Rudolf Harbig federführend, trägt das Stadion danach wieder den Namen des Läufers. Er hat sogar eine Idee: Ansässige Unternehmen könnten die Namensrechte kaufen und auf Eigenwerbung verzichten. Das wiederum würde bei den Dresdnern so gut ankommen, dass das die beste Werbung sei.