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Mittwoch, 28.02.2018

„Riesaer Hafen stellt Negativrekorde auf“

Die Grünen monieren, dass 2017 zu wenig Güter per Schiff transportiert wurden. Der Betreiber hält den geplanten Ausbau dennoch für nötig.

Von Christoph Scharf

Der Riesaer Hafen
Der Riesaer Hafen

© Sebastian Schultz

Riesa. Der Anteil des Güterumschlags per Schiff im Hafen Riesa lag 2017 auf einem historischen Tiefstand. Das teilt die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meier mit und bezieht sich dabei auf Angaben der Staatsregierung. Anfang Januar hatte der Hafenbetreiber Sächsische Binnenhäfen Oberelbe (SBO) seinen Jahresbericht 2017 präsentiert und steigende Umschlagzahlen und Rekordergebnisse vermeldet. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion stellte dazu zwei Kleine Anfragen, die jetzt vom sächsischen Wirtschaftsministerium beantwortet wurden.

„Mein Misstrauen gegenüber den Jubelmeldungen der SBO war berechtigt“, so Meier. „Tatsächlich hat der Riesaer Hafen im Jahr 2017 Negativrekorde aufgestellt.“ Der Anteil der Schüttgüter, die per Schiff umgeschlagen wurden, sei 2017 im Riesaer Hafen auf ein Rekordtief von 4,8 Prozent gesunken. „Das ist ein Minus von 23 Prozent.“ Auch der Containerumschlag per Schiff sei in Riesa gesunken – auf 8,5 Prozent. „Ebenfalls ein Negativrekord.“ Die insgesamt gesteigerten Umschlagzahlen im Hafen Riesa seien ausschließlich auf Transporte mit Bahn und Lkw zurückzuführen. „Der Riesaer Hafen ist nur noch dem Namen nach ein Hafen“, so Meier.

Diese Zahlen würden belegen, dass die bestehenden Hafenanlagen für den Umschlag von Waren auf Schiffe völlig ausreichend seien. Die Grünen kritisieren den geplanten Hafen-Ausbau in Riesa schon länger. Beim Betreiber selbst kann man die genannten Umschlagzahlen nicht nachvollziehen. „Der Schiffumschlag im Hafen Riesa ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,15 Prozent geringerer angefallen“, sagt SBO-Prokurist Gunto Mörer. Ursache seien das Niedrigwasser und der immer knapper werdende Schiffraum auf der Elbe gewesen. Gleichwohl sei der Ausbau des Hafens notwendig: Die Stärke von Binnenhäfen sei die sogenannte Trimodalität – also die Verbindung der Verkehrswege Schiff, Straße, Schiene. Zudem würde der Ausbau des Hafens Riesa keinen zusätzlichen Flächenverbrauch bedeuten. „Mit dem Ausbau findet die Umnutzung eines industriell genutzten Hafenareals für den Containerumschlag statt“, so Mörer. Ehemals acht Gleise würden im geplanten neuen Terminal auf sechs halbzuglange Gleise umgerüstet, sodass dann bis zu drei Züge gleichzeitig abgefertigt werden können.

Ob in Riesa künftig wieder mehr Güter per Schiff umgeschlagen werden können, hängt laut SBO von den Navigationsbedingungen auf der Elbe und dem Angebot der Binnenschifffahrt ab.