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Donnerstag, 07.02.2002

Revolution der sächsischen Polizeiarbeit

Von Sven Eichstädt, dpa

Dresden - Hinter dem unspektakulären Begriff"Integrierte Vorgangsbearbeitung" (IVO) verbirgt sich eine Revolution der Arbeit der sächsischen Polizei. Damit wird ein neues Computersystem bezeichnet, das den rund 12.000 Polizisten im Freistaat die Arbeit enorm erleichtert. Mehr als 25 Millionen Euro investierte das Innenministerium seit 1995 in die Software und rund 5000 neue Computer. Mit IVO können die sächsischen Ermittler das modernste System seiner Art in Deutschland nutzen.

Ziel der Software-Entwickler war es vor allem, die Polizisten von Routineaufgaben zu entlasten. "Sie haben dadurch mehr Zeit, auf der Straße Präsenz zu zeigen", sagt der Sprecher des sächsischen Landeskriminalamts (LKA), Lothar Hofner. "Außerdem verbessert sich die Qualität der Verbrechensbekämpfung entscheidend." Im vergangenen Jahr bestand IVO seine Feuerprobe und wird seitdem in allen Polizeidienststellen eingeführt.

Die Polizisten in Sachsen nutzen zum Großteil IVO bereits wie selbstverständlich. "Wie bei allem Neuen waren sie zunächst skeptisch, haben es aber gut angenommen", sagt Kriminaldirektor Alexander Weiland, der beim LKA die IVO-Entwicklung leitete. Das LKA ließ das Programm zunächst von Polizisten auf Alltagstauglichkeit testen und kurierte dann die Kinderkrankheiten. Dadurch ist es jetzt fast perfekt auf die Arbeit der Beamten angepasst.

Verschiedene Programme werden durch eins ersetzt

IVO ersetzt die bisherigen unterschiedlichen Computerprogramme, mehrere hundert Formulare und ist weit mehr als eine bessere Schreibmaschine. Das System enthält mehr als 500 automatische Prüfungen, die Widersprüche bei der Eingabe von Daten fast unmöglich machen. "Wenn etwas fehlt, macht IVO den Polizisten darauf sofort aufmerksam", sagt Weiland.

Für die Verkehrspolizisten etwa bringt IVO bei der Aufnahme eines Unfalls große Erleichterungen. Manche Daten wurden bislang bis zu zehn Mal auf verschiedenen Formularen eingetragen. Künftig genügt eine einmalige Eingabe. Doch IVO bietet noch weitere Raffinessen. Die Bildschirmoberfläche ist dem Benutzer nicht unvertraut, sie erinnert stark an bekannte Textverarbeitungsprogramme. Der Polizist wird zudem bei seiner Arbeit am Computer gut durch das Programm navigiert. Beim Ausfüllen eines Vernehmungsprotokolls nach einem Unfall beispielsweise kann er die wichtigsten Textbausteine mit nur einem Mausklick einfügen.

Sekundenschnelle Auskunft über Verdächtige

Eine weitere Besonderheit ist die Auskunftsmöglichkeit. Innerhalb von Sekunden lässt sich etwa herausfinden, ob ein Verdächtiger schon bei der Polizei registriert ist. Mit einem Klick hat der Polizist Zugriff auf die Auskunftsdatei der Polizei in ganz Deutschland. Alle sächsischen Polizeirechner sind untereinander verbunden, was weitere Vorzüge hat. Bei Fahndungen sind Fotos des Gesuchten in Sekundenschnelle auf allen Computern und schnell ausgedruckt. Die Fotos können die Streifenpolizisten sich bei ihren Fahrten mitnehmen - und erkennen damit Flüchtige wahrscheinlich schneller als bisher.

Die Verbindung zwischen verschiedenen Abteilungen und Dienststellen der Polizei wird ebenfalls besser und schneller. Benötigt etwa ein Dresdner Beamter die Hilfe eines Leipziger Kollegen, schickt er seine Anfrage nicht mehr mit der Post, sondern über IVO. Wenn der Ermittler einen Fall beendet hat, sendet er ihn über das System an seinen Vorgesetzten. Die dank IVO gewonnene Zeit kann er dann für andere Fälle oder auch Streifendienste nutzen.

Bild: Moderne Verbrecherjagd in Sachsen