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Freitag, 15.06.2018

Rettungsschwimmer gesucht

Dank freiwilliger Helfer kann die Badesaison im Landkreis Bautzen abgesichert werden. Aber wie lange noch?

Von Jana Ulbrich

Zweitjob im Freibad: Sarah Farkas aus Neustadt gehört zu den fünf jungen Leuten, die in Bischofswerda als zusätzliche Rettungsschwimmer für ausreichend Sicherheit sorgen. Ohne ihre Hilfe hätte das Freibad in diesem Sommer seine Öffnungszeiten einschränken müssen.
Zweitjob im Freibad: Sarah Farkas aus Neustadt gehört zu den fünf jungen Leuten, die in Bischofswerda als zusätzliche Rettungsschwimmer für ausreichend Sicherheit sorgen. Ohne ihre Hilfe hätte das Freibad in diesem Sommer seine Öffnungszeiten einschränken müssen.

© Steffen Unger

Bautzen. Sarah Farkas hat jetzt einen Zweitjob. Seit Kurzem arbeitet die 31-Jährige in ihrer Freizeit mindestens einmal pro Woche noch ein paar Stunden im Freibad Bischofswerda. Sie macht das, weil sie hier dringend gebraucht wird. Die ausgebildete Rettungsschwimmerin hilft, den Badebetrieb abzusichern. „Wir hätten sonst später öffnen und eher schließen müssen“, sagt Ingolf König, der zweite Schwimmmeister.

Weil das nicht sein sollte, hat König alle angerufen, die bei ihm irgendwann mal eine Rettungsschwimmer-Ausbildung gemacht haben. Fünf junge Leute haben zugesagt und teilen sich den Sommer über in die Dienste, darunter auch Sarah, die hauptberuflich im Neustädter Mariba-Erlebnisbad arbeitet. Die Bischofswerdaer Wasserversorgung, die das Freibad betreibt, zahlt den Helfern ein kleines Stundenhonorar.

„Wir machen das, weil es wichtig ist“, sagt Sarah Farkas. „Wir wollen ja alle, dass nichts passiert. Und wenn doch etwas passiert, dann erwarten auch alle, dass sofort professionelle Hilfe da ist“, weiß die junge Frau. „Die Badegäste verlassen sich doch auf uns“, sagt sie.

Genügend Rettungsschwimmer ausgebildet

Auch im Bautzener Spreebad helfen in der Hochsaison Rettungsschwimmer der DLRG und der DRK-Wasserwacht. Vor allem bei schönem Wetter, an den Wochenenden und in den Ferien werden die freiwilligen Helfer dringend gebraucht, sagt Diana Liebsch von der Bautzener Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft. Im ganzen Landkreis Bautzen kann der Badebetrieb auf diese Weise immer wieder gerade noch abgesichert werden.

Dabei werden hier genügend Rettungsschwimmer ausgebildet. Auch der letzte Kurs bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bautzen war wie fast immer voll belegt. Unter den 25 Teilnehmern waren Lehrer, Erzieher und Polizisten, die das Zertifikat für ihren Job brauchen, und ein paar Schüler und Studenten, die ihre Sommerferien als Rettungsschwimmer an der Ostsee verbringen wollen oder das Rettungsschwimmer-Abzeichen fürs Studium benötigen.

Kaum Interesse für Dienst im Freibad

Es gab auch diesmal wieder keinen Kursteilnehmer, der es sich vorstellen könnte, am Sonntagnachmittag im Freibad oder am Stausee Dienst zu tun. Noch dazu ehrenamtlich für höchstens eine Aufwandsentschädigung.

„Wir bilden sehr viele Rettungsschwimmer aus – vor allem aber fürs Sportstudium“, beschreibt Kursleiter Robert Hänsel das Problem. Seit Jahren arbeitet der Bautzener beim DLRG. Der Verein ist im Kreis Bautzen sehr aktiv. Aber es sind nur die wenigsten Mitglieder, die sich nach Feierabend und an den Wochenenden in die Freibäder und an die Badeseen stellen können. In ganz Sachsen, sagt DLRG-Landesgeschäftsführer Sebastian Knabe, würden 1 200 Rettungsschwimmer gebraucht, aber nur 700 stünden aktuell zur Verfügung. Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass die zuständigen Kommunen an der Bewachung der öffentlichen Badegewässer lieber sparen und stattdessen ein Schild „Baden auf eigene Gefahr“ aufstellen würden. Auch der Landkreis sieht sich für das Vorhalten von Rettungsschwimmern nicht zuständig, heißt es aus dem Landratsamt.

Hunderte Stunden ehrenamtliche Einsätze

Diese Situation sieht auch Joachim Weiß von der Wasserwacht des DRK-Landesverbandes kritisch. Die Wasserwacht hat im Kreis Bautzen vier sehr aktive Gruppen mit über 400 Mitgliedern. Zwar sind ein Großteil davon Kinder und Jugendliche, aber es würde auch genügend ausgebildete Rettungsschwimmer geben. Zum Glück, sagt Weiß, gibt es auch noch genügend, die sich in die Listen für die freiwilligen, unentgeltlichen Wochenenddienste an der Olba oder am Bärwalder See eintragen. Rund 700 ehrenamtliche Einsatzstunden haben sie im letzten Sommer am Olbasee geleistet, 1 500 Stunden am Bärwalder See.

Allein am Bärwalder See wurde ihre Hilfe bei Rettungseinsätzen für Badegäste, Kitesurfer und Segler im vorigen Jahr 31-mal benötigt. Bei zwei Einsätzen ging es dabei auch um Leben und Tod. Auch bei vier weiteren Badeunfällen im Landkreis haben die ehrenamtlichen Helfer der Wasserwacht Leben gerettet. Bei der DLRG liegen detaillierte Zahlen für den Landkreis zwar nicht vor. Landesweit waren es hier 213 Hilfeleistungen, darunter acht Lebensrettungseinsätze vor dem Ertrinken.

„Wir sehen, dass wir gebraucht werden“, sagt Joachim Weiß von der Wasserwacht, „und deshalb bleiben wir auch weiterhin vor Ort – auch freiwillig und unentgeltlich.“