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Mittwoch, 16.05.2018

Reichsbürger findet neue Masche

Von Alexander Schneider

Mehr „netto vom Netto“ wird sich der 27-jährige Kunde gedacht haben, als er im Juli 2017 zweimal nicht den vollen Kaufpreis für seine Lebensmittel zahlte. Er drückte den Netto-Kassiererinnen frech einen Haufen Kleingeld in die Hand und ging. Erst beim Nachzählen stellten die fest, dass der Kunde vom Kaufpreis – rechnerisch völlig korrekt – die Mehrwertsteuer abgezogen hatte. Er habe auch korrekt nach Produkt differenziert 7- bzw. 19 Prozent abgezogen. Statt 22,95 zahlte er einmal nur 21,01 Euro, beim zweiten Einkauf 1,25 statt 1,49 Euro. Dabei könnte es sich um eine neue Reichsbürger-Masche handeln. Angehörige dieser Szene lehnen die Bundesrepublik Deutschland und ihre Gesetze ab. Sie halten die BRD für eine Firma und akzeptieren auch Staatsbedienstete nicht. Anfang Mai sollte sich Julian R. wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Doch anders als die bestohlenen Kassiererinnen kam der 27-Jährige nicht.

Der Angeklagte wird nun eine Geldstrafe über 600 Euro per Strafbefehl erhalten. Dagegen kann er Einspruch einlegen, sollte er die Strafe nicht akzeptieren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werde gegen Julian R. nach einem Fax an die Justiz im März 2018 auch wegen versuchter Nötigung ermittelt. Der 27-Jährige, der sich nach eigenen Angaben nicht der Reichsbürgerbewegung zugehörig fühlt, ist vielfach vorbestraft – für sehr typische Reichsbürger-Delikte, darunter Fahren ohne Führerschein und ohne Versicherungsschutz. Dazu kommen Urkundenfälschung, Betrug, Sachbeschädigung und Beleidigung.