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Freitag, 13.07.2018

Regeneinsatz für die Sicherheit der Radfahrer

Die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern ist gestiegen. Ein Autoclub kämpft dagegen an.

Von Christoph Springer

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Monika und Andreas Becht zählen Radfahrer und Rechtsabbieger auf der Waldschlößchenbrücke. Sie stehen kurz vor einer Kreuzung, die für Radfahrer eine Gefahr ist.
Monika und Andreas Becht zählen Radfahrer und Rechtsabbieger auf der Waldschlößchenbrücke. Sie stehen kurz vor einer Kreuzung, die für Radfahrer eine Gefahr ist.

© Marion Döring

Die Gefahr lauert im toten Winkel. Im Februar 2016 ist er einer Radfahrerin an der Ecke Bautzner Straße/Rothenburger Straße zu Verhängnis geworden. Die 26-Jährige fuhr neben einem Laster, der Fahrer sah sie nicht und erfasste die Frau. Sie starb bei dem Unfall. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Unfälle mit Radfahrern im Vergleich zu 2016 um sechs Prozent. Mehr als 1 100 Menschen wurden verletzt.

Der Auto Club Europa (ACE) will das nicht hinnehmen. Deshalb hat er in diesem Jahr die Radfahrer und die Gefahren, die ihnen auf den Straßen drohen, in den Mittelpunkt seiner Kampagne „Pro Verkehrssicherheit“ gestellt. Die Mitglieder suchen sich viel befahrene Kreuzungen und zählen dort die Rechtsabbieger und die Radfahrer. Denn sie könnten sich gegenseitig in den Weg kommen.

Andreas Becht stellte sich am Donnerstag im Regen auf die Rampe der Waldschlößchenbrücke in der Johannstadt. Auf einem aufgeweichten A4-Vordruck machte er Striche für Rechtsabbieger in Richtung Käthe-Kollwitz-Ufer. 96 waren es in einer reichlichen Stunde. 46 davon haben höchstens in den Spiegel geschaut, um sich zu vergewissern, dass sie beim Abbiegen keinem Radfahrer den Weg abschneiden. Zwei haben beim Abbiegen sogar telefoniert. „Das ist eine kreuzgefährliche Ecke, hier gibt es keine Ampel, und die Autofahrer ziehen einfach rum“, stellte er fest. Selbst bei einer Ampelkreuzung könne man mit zeitversetzten Grün-Phasen dafür sorgen, dass Radfahrer sicherer sind. „Für sie sollte es zwei bis drei Sekunden früher Grün geben, damit der Fahrradpulk weg ist, wenn die Rechtsabbieger kommen“, sagt Becht. Am Albertplatz will er sich demnächst ansehen, ob das dort funktioniert.

Seine Frau Monika Becht hat parallel zu ihm die Radfahrer gezählt, die von der Brücke kommen. Es waren 72, trotz Regens. 35 davon trugen keinen Helm. Ein normales Ergebnis. Alle müssten ihn tragen, sind die ACE-Ehrenamtler überzeugt. Und der Schulterblick ist Pflicht, meinen sie.

Ihre Zahlen aus Dresden wollen sie bis zum Herbst mit denen der Kollegen aus allen 120 deutschen ACE-Gruppen zusammenfassen. Dann sollen sie der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Vielleicht spielen sie danach auch in der politischen Diskussion über die Verkehrssicherheit eine Rolle“, hofft Andreas Becht. Das könnte helfen, vor allem den Radfahrern.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 41 Kommentare

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  1. Felix

    Was wollen sie damit bezwecken? Politische Diskussion über Verkehrssicherheit? Wenn man Rechtsabbieger und Fahrradfahrer zählt? Fälle von Telefonieren am Steuer sind ein Fall für die Polizei und nicht für die Politik. Und wer Hinweise gibt, dass jeder Radfahrer einen Helm tragen müsste, disqualifiziert sich selbst. Was helfen Helme, wenn man von einem LKW/PKW umgefahren/überfahren wird?? Helme sind eine Scheinsicherheit - sie führen eher dazu, dass Autofahrer knapper überholen, Radfahrer sich in falscher Sicherheit wiegen (und evtl. auch riskanter fahren) und sind eine Zusatzbelastung für den Kopf (in vielerlei Hinsicht).

  2. Martin

    Danke für die Arbeit, die sich Herr und Frau Becht da machen. Hilft vielleicht fürs Bewusstsein, dass die größte Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer vom Auto(-fahrer) ausgeht. Der Helm-Kommentar dagegen ist halt obligatorisch, aber wenig sinnvoll, zumal er so daherkommt, als würden Radfahrer ohne Helm etwas Illegales tun. Fußgänger sind dadurch, dass die Gefahr ja von Autos ausgeht, genauso gefährdet. Trotzdem fordert niemand den Fußgängerhelm. Und gerade bei den untersuchten Gefahrenpunkten hilft er halt auch herzlich wenig. Die in deutschen Großstädten bei Rechtsabbiegeunfällen getöteten Radfahrer wurden leider schlicht überrollt.

  3. Genussradler

    Eine Helmpflicht für Radler gibt es aus guten Gründen nicht! Warum wird es immer so dargestellt als ob nicht Helm tragende (erwachsene) Radfahrer leichtsinnig seien und gegen geltendes Recht verstossen? Das sollte doch jeden selbst überlassen sein ob er sich so ein drückendes schickes Plasteding über den Kopf zieht und er nun meint mit diesem könne ihm nichts mehr passieren. Hier wird nur eine scheinbare aber trügerische Sicherheit vorgegaukelt. Haben Fussgänger einen Helm auf? Könnte man ja der Logik folgend auch fordern!

  4. Radler

    Halten wir mal fest: Ca. 50% der Autofahrer kommen beim Abbiegen ihren gesetzlichen Pflicht nicht nach und unterließen den vorgeschriebenen Schulterblick. Scheinbar konnten bei den 72 beobachteten Radlern keine Verstöße beobachtet werden, sodass man, in altbekannter Manier, das Nichttragen von nicht vorgeschriebener, nur bedingt nützlicher, Schutzausrüstung kritisiert. Dabei kann man als Radfahrer 10 Helme tragen, sie nützen alle nichts, wenn man von einem LKW im Blindflug „gefressen“ wird. Wer, aus Sicherheitsgründen, eine Helmpflicht für Radler fordert, müsste konsequenterweise diese auch für Autoinsassen und Fußgängern fordern, schließlich ist auch bei denen die Kopfverletzung Todesursache Nummer eins.

  5. pearschool

    > Alle müssten [einen Helm] tragen, sind die ACE-Ehrenamtler überzeugt. Na ich habe den Eindruck, die lieben Ehrenamtler sind in ihrem Glauben recht gefestigt. > Und der Schulterblick ist Pflicht, meinen sie. Und haben offenbar noch nie in einem Transporter oder Lkw gesessen. Dort kann man keinen Schulterblick machen, d'oh! Was im Artikel fehlt: Was wird mit der Zählung eigentlich bezweckt?

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