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Donnerstag, 09.08.2018

Reformforderung nach Mess-Panne

Das Mess-Chaos im Finale der Weitspringer sorgt für Diskussionen. Nach der Panne beim Sprung von Silbergewinner Fabian Heinle spricht sich der Bundestrainer für eine Änderung des Systems aus. Eine berühmte Ex-Weitspringerin nimmt die Kampfrichter in Schutz.

Von Florian Lütticke, Ralf Jarkowski und Andreas Schirmer

Fabian Heinle aus Deutschland in Aktion.
Fabian Heinle aus Deutschland in Aktion.

© dpa

Berlin. Auch mit etwas Abstand war der Frust über das Mess-Chaos im Finale der Weitspringer bei EM-Silbergewinner Fabian Heinle noch nicht komplett verflogen. Ein zu kurz gewerteter Sprung kostete den Überraschungszweiten von Berlin die zwischenzeitliche Führung - und damit eine noch größere Chance auf den möglichen Gold-Satz. „Das ist ärgerlich, wenn so etwas im Finale einer EM passiert“, sagte der 24-Jährige am Donnerstagmorgen über die Panne der Kampfrichter.

Sein vierter Versuch war zunächst nur mit 7,77 Metern gemessen worden. Nach einem Protest wurde die Weite erst deutlich später auf 8,02 Meter korrigiert. Damit wäre der Athlet des VfB Stuttgart zu diesem Zeitpunkt im Wettkampf in Führung gegangen und hätte seinen nächsten Versuch ausgelassen, um ausgeruht Kraft für einen letzten Angriff auf die Bestweite zu nehmen.

„Das ist unsäglich für uns, für die Athleten, die Trainer und auch die Zuschauer“, sagte Sprung-Bundestrainer Uwe Florczak. „Man fühlt sich nicht mehr sicher. Es ist ja nicht nur in Berlin passiert, sondern auch schon vorher in Zürich oder London.“ Die zweimalige Olympiasiegerin Heike Drechsler nahm die Kampfrichter ausdrücklich in Schutz. „Unser Kampfrichterteam hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Wir haben unsere Arbeit gemacht. Das war alles korrekt“, sagte die 53 Jahre alte frühere Spitzenathletin.

Drechsler war an dem Wettkampf am Mittwochabend als Kampfrichterin beteiligt, sie ebnet nach den Weitsprüngen mit einem Schieber die Sand-Oberfläche. Es habe sich um technische Probleme gehandelt, betonte Drechsler. „Mit dem Bandmaß wäre es allerdings schneller gegangen.“ Die Weiten werden inzwischen nicht mehr von Hand, sondern elektronisch gemessen.

Es sei kein Messfehler, sondern ein Bedienfehler gewesen, sagte Bundestrainer Florczak über den Wettkampf bei schwierigen Lichtverhältnissen. „Sie haben Schatten gemessen.“ Mehrere Athleten beklagten, dass aus ihrer Sicht zu kurze Weiten gewertet worden seien. So kam der Schwede Thobias Nilsson Montler mit seinem letzten Versuch Heinle nochmal gefährlich nahe - diskutierte minutenlang mit den Kampfrichtern, wurde am Ende aber drei Zentimeter hinter dem Deutschen platziert.

Bundestrainer Florczak sprach sich für eine Änderung des Mess-Systems aus und schlug vor, bei der elektronischen Messung wie in der Vergangenheit auch wieder den Messpunkt im Sand abzustecken. „Damit wäre mir deutlich wohler“, sagte der Leitende Bundestrainer für Drei-, Weit- und Hochsprung.

Mit zweimal gesprungenen 8,13 Metern wurde Heinle Zweiter hinter dem Griechen Miltiadis Tentoglou, der 8,25 Meter sprang. „Vielleicht wäre noch was gegangen, ich bin aber auch mit der Silbermedaille zufrieden“, sagte Heinle am Donnerstagmorgen im ZDF.

Nach längeren Verletzungsproblemen hat sich der Junioren-Europameister von 2015 langsam wieder seiner Bestweite von 8,25 Metern angenähert. Der gebürtige Böblinger weiß aber seine Leistung in einem mäßig besetzen EM-Feld international einzuschätzen. „Mit meinen 8,13 Metern bezweifle ich, dass ich bei einer WM ins Finale gekommen wäre“, sagte Heinle. „Da lächeln sie kurz und sind einen halben Meter weg.“

Doch noch ist der 24-Jährige aus Sicht seines Trainers noch nicht am Ende seines Leistungsvermögens angekommen. „Er hat großes Potenzial“, betonte Florczak. „Wir werden noch sehr viel weitere Sprünge von ihm sehen.“ Nun müssen diese nur noch richtig gemessen werden. (dpa)

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