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Dienstag, 30.10.2018

Räderwechsel: Der endgültige Ratgeber

Winter- und Sommerräder selbst zu tauschen ist günstig und schnell, kann aber lebensgefährlich sein, wenn man es nicht richtig macht. Wir zeigen den Profi-Weg

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Selbst-Rädertauschen spart Geld und ist fix erledigt. Aber auch hier ist viel sorgfalt vonnöten.
Selbst-Rädertauschen spart Geld und ist fix erledigt. Aber auch hier ist viel sorgfalt vonnöten.

© Karin & Uwe Annas - stock.adobe.

  • Selbst-Rädertauschen spart Geld und ist fix erledigt. Aber auch hier ist viel sorgfalt vonnöten.
    Selbst-Rädertauschen spart Geld und ist fix erledigt. Aber auch hier ist viel sorgfalt vonnöten.
  • Wenn die Anleitung nichts hergibt und die Werkstatt schweigt, sind die rot markierten Rahmenteile ebenfalls als Wagenheber-Aufnahmepunkte geeignet.
    Wenn die Anleitung nichts hergibt und die Werkstatt schweigt, sind die rot markierten Rahmenteile ebenfalls als Wagenheber-Aufnahmepunkte geeignet.
  • Die rötlich markierte Fläche zwischen innerem und äußerem Kreis muss weitestgehend rostfrei und dünn mit Kupferpaste eingestrichen sein.
    Die rötlich markierte Fläche zwischen innerem und äußerem Kreis muss weitestgehend rostfrei und dünn mit Kupferpaste eingestrichen sein.

Es ist mal wieder höchste Eisenbahn. Der Herbst ist in vollem Gange, das Sachsenwetter der kommenden Tage zeigt nichts Gutes. Die Winterreifen müssen drauf. Die Werkstatt-Kalender sind damit proppenvoll. Viele machen es selbst und denken sich, dass dies nicht so schwer sein kann. Doch Jahr für Jahr sehen Sachsens Automechaniker und Polizisten durch Schäden und Unfälle, dass es das sehr wohl ist. Denn auch der Radwechsel kann zur Unfallgefahr werden, wenn man es falsch macht. Auf den folgenden Zeilen präsentieren wir deshalb eine Schritt-für-Schritt-Abfolge vom Profi. Wer sie haargenau befolgt, kann sichergehen, dass alles richtig gemacht wurde.

1. Die Werkzeuge

Automechaniker haben Hebebühne und Schlagschrauber, die Privatmann oft nicht mehr, als das, was im Kofferraum an Pannenwerkzeug steckt. Unser Tipp: Diese Werkzeuge sollten dort bleiben. Sie sind für Notfälle konzipiert, nicht für regelmäßige Jobs. Die folgenden Dinge werden alle benötigt, sie gibt es in jedem gutsortierten Baumarkt:

• Radkreuz bzw. Radschlüssel & Stecknüsse. Gerne mit Verlängerung für bessere Hebelwirkung

• Rangierwagenheber & stabiler, nicht zu dicker Holzklotz

• (Kupfer-)Drahtbürste

• Kupferpaste und Pinsel

• Druckluftkompressor (taugliche Stücke kosten keine hundert Euro)

• Druckluftschlauch und Reifen-Luftdruckprüfer

• Schraubendreher

• Leder/Gummi-Arbeitshandschuhe

• Kunststoffkeil & Spitzzange

• Bremsenreiniger-Sprühdose

• Kreide

• Schwerer Hammer bzw. Vorschlaghammer

• Drehmomentschlüssel (unverzichtbar)

Dann ruft man bei der Werkstatt an und lässt sich die zum Auto passenden Radschrauben-Drehmomente sowie die Wagenheber-Aufnahmepunkte durchgeben – letztere stehen häufig auch in der Bedienungsanleitung.

2. Los geht’s

Für den Radwechsel benötigt man einen absolut ebenen, tragfähigen Untergrund. Ein ordentlich gepflasterter Hof ist gut, eine Garage mit Betonboden besser. Bitte darauf achten, dass man rundherum einen Meter Platz hat.

Der Wechsel beginnt, indem man die „neuen“ Räder checkt. Sowohl Sommer- wie Winterräder müssen auf gesetzeskonforme Mindestwerte kommen. Häuslich kann man das überprüfen, indem man eine Ein-Euro-Münze in die Profilrillen aller vier Räder steckt. Ist der Messingrand nicht mehr zu sehen, ist noch alles in Ordnung. Dann bitte einen Blick auf den generellen Reifenzustand werfen: Profil gleichmäßig abgefahren? Stecken keine Gegenstände darin? Gibt es an den Flanken Laufrichtungspfeile? Wenn ja, verraten die, auf welcher Seite die Räder montiert werden dürfen. Und dann gilt:

Bei Winterreifen gehören die „besseren“ Reifen grundsätzlich auf die Hinterachse.

Jetzt darf das Auto auf die Arbeitsfläche. Dort stellt man sicher, dass die Vorderräder gerade ausgerichtet sind. Dann wird die Hand-/Feststellbremse aktiviert, der Rückwärtsgang eingelegt und der Motor ausgeschaltet.

Anschließend werden die Radkappen händisch oder mithilfe des hebelnden Kunststoffkeils von den Felgen gezogen bzw. die Schutzkappen der Radschrauben mit der Spitzzange entfernt, sie können einfach abgezogen werden. Dann braucht es das Radkreuz bzw. den Radschlüssel. Alle Radschrauben werden eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn gelöst. Nicht mehr.

3. Hoch und ab und auf

Dann heißt es „auf die Knie“ und einen Blick unter den Wagen werfen, um die die Aufnahmepunkte für den Wagenheber zu sehen. Den zirkelt man dann unter das Fahrzeug, bis sein Kopf unterhalb dieses Punktes liegt. Dann schiebt man das Holzstück dazwischen.

Folgendes ist bei allen vier Rädern zu wiederholen:

Dann hebelt man den Wagenheber hoch, bis das Holz den Aufnahmepunkt berührt. Sofern nichts rutscht, darf nun vorsichtig so lange hochgebockt werden, bis das Rad vollständig den Bodenkontakt verliert. Eine Handbreit Luft nach unten reicht aus.

Dann werden die Radschrauben herausgedreht, dazu ist wahrscheinlich nochmals der Radschlüssel vonnöten. Mit etwas Glück wird einem dabei schon das Rad entgegenkommen. Tut es das nicht, mit dem Handballen feste gegen die untere Reifenflanke d klopfen. Es tut sich immer noch nichts? Dann vorsichtig mit dem Hammer gegen die Reifenflanke schlagen, niemals gegen die Felge und nur von außen. In aller Regel reicht das. Nur wenn auch das nicht klappt, ist die finale Notfallmethode erlaubt. Ist das Rad ab, gleich mit Kreide den Montagepunkt (etwa VR – vorn rechts) auf die Lauffläche schreiben.

Dann sieht man vor sich die Radaufnahme (siehe Foto). Sie wird oft ziemlich rostig sein. Mit einem Blick auf die Innenseite der Felge sieht man im Zweifelsfall, wo beide Elemente sich berühren. Diese Stelle der Radaufnahme reinigt man nun von grobem Schmutz mit der Drahtbürste. Anschließend wird alles durch einen Schuss Bremsenreiniger abgewaschen. Dann wird etwas(!) Kupferpaste auf den Pinsel aufgetragen und die Berührungszone damit hauchdünn eingestrichen. Keinesfalls Kupferpaste in die Schraubenlöcher oder aufs Radschraubengewinde applizieren!

Ist das erledigt, darf das neue Rad drauf. Handelt es sich um Radmuttern mit Gewindebolzen in der Radnabe, ist das kinderleicht. Bei der Schrauben-Variante muss man das Rad ggf. etwas auf der Nabe drehen, damit die Schraubenlöcher deckungsgleich liegen. Tipp: Das geht einfacher, wenn man einen Kuli als Führungshebel in eines der Schraubenlöcher steckt.

Dann werden alle Radschrauben ein paar Umdrehungen im Uhrzeigersinn eingedreht. Anschließend setzt man den Schraubenschlüssel an und dreht sie abwechselnd über Kreuz bis zum Anschlag ein. Ein kurzer Schlag auf den Griff des Schlüssels zieht sie fest genug, sodass dieses Rad wieder abgelassen werden darf. Das alles wird viermal wiederholt.

4. Die sorgfältige Pflicht-Kür

Wurden alle vier Räder getauscht und steht das Auto wieder „auf eigenen Beinen“, werden die Radschrauben nun mittels Drehmomentschlüssel auf die korrekten Werte angezogen. Bitte vorsichtig sein, der Drehmomentschlüssel ist ein Präzisionswerkzeug. Auch das geht über Kreuz. Damit man keine Schraube versehentlich auslässt, sollte man halblaut mitzählen. Und: Den Schlüssel zur Sicherheit immer zweimal knacken lassen.

Ist auch das erledigt, kommt der letzte Schritt, der Luftdruck der Räder wird auf den vorgeschriebenen Wert gebracht. Bei Winterreifen darf der um 0,1 bis 0,2 Bar erhöht werden. Und: Ersatzrad nicht vergessen. Das allerdings bringt man auf den höchsten Druck, der in den Auto-Angaben gestattet ist.

Nun werden noch etwaige Radkappen usw. aufgesteckt. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben profimäßig die Räder gewechselt!