erweiterte Suche
Freitag, 20.07.2018

Private Ortsschilder weggeflext

Über die grünen Hinweistafeln hatten sich die Eulaer 2015 gefreut. Doch die DIN-Norm hat auch etwas zu sagen.

Von Marcus Herrmann

Bild 1 von 2

Wie ein Ortsschild nach dem Abmontieren aussieht, findet Bettina Lorch vom Eiscafé traurig.
Wie ein Ortsschild nach dem Abmontieren aussieht, findet Bettina Lorch vom Eiscafé traurig.

© Marcus Herrmann

  • Wie ein Ortsschild nach dem Abmontieren aussieht, findet Bettina Lorch vom Eiscafé traurig.
    Wie ein Ortsschild nach dem Abmontieren aussieht, findet Bettina Lorch vom Eiscafé traurig.
  • Ortsname, Zugehörigkeit zu Stadt und Landkreis – alles war auf den Schildern vermerkt, die Anfang 2015 an der B101 in Eula angebracht wurden. In Ordnung und rechtmäßig ist das jedoch nicht, findet das Straßenbauamt.
    Ortsname, Zugehörigkeit zu Stadt und Landkreis – alles war auf den Schildern vermerkt, die Anfang 2015 an der B 101 in Eula angebracht wurden. In Ordnung und rechtmäßig ist das jedoch nicht, findet das Straßenbauamt.

Nossen/Eula. Vor dreieinhalb Jahren gefeiert, jetzt in Eula schmerzlich vermisst: Die beiden in knalligem Grün gestalteten Ortseingangsschilder zu beiden Seiten der B 101 sind verschwunden. „In einer Nacht- und Nebelaktion haben Mitarbeiter der Straßenmeisterei morgens halb acht die Schilder in dieser Woche einfach weggeflext“, sagt Bettina Lorch, Besitzerin des Eiscafés Zwergenland aufgeregt.

„Wir haben die Schilder damals auf eigene Kosten an unserem Grundstück anbringen lassen, mit der Intention, dass die Eulaer ihre Identität nach der Eingemeindung zu Nossen nicht verlieren. Dutzende hatten sich dafür starkgemacht“, erinnert sich die 53-Jährige. Auch die SZ hatte im Januar 2015 über die Aktion berichtet. „Eula in Grün“ hieß die Überschrift. Dazu der Text: „Ursache für die grünen Schilder ist allerdings keine Novellierung der StVO, sondern die Kreativität der Anwohner“. Schließlich waren diese beim Ausbau der B 101 mit dem Wunsch gescheitert, dass ihr Ortsteil eine gelbe Ortstafel bekommt. Bürgermeister Uwe Anke (parteilos) sah damals die Sache entspannt. „Wenn die Schilder auf Privatgrund und weit genug von der Fahrbahn wegstehen, geht das in Ordnung“, befand er zu dieser Zeit.

Nicht mehr in Ordnung scheint die Sache mit den Schildern nach dreieinhalb Jahren plötzlich jemand zu finden. Nur wer? „Man hat mir auf telefonische Nachfrage beim Landratsamt nur lapidar mitgeteilt, dass die Schilder nicht der DIN-Norm entsprechen und irreführend oder verwirrend wären“, erklärt Bettina Lorch. Deshalb mussten sie weichen. Zufällig war die Café-Besitzerin vor Ort, sonst hätten die Arbeiter die beiden Schilder mitgenommen. „Die konnte ich gerade noch retten. Das wäre Diebstahl gewesen, schließlich gehören die Schilder mir und meinem Mann.“ Während die zu den jeweiligen Schildern gehörende Eisenstange in Fahrtrichtung Nossen komplett abgesägt wurden, steht in Gegenrichtung noch das komplette Gestell. Nur das grüne Ortsschild fehlt.

Bleibt die Frage, wer die Untere Straßenbehörde des Landkreises mit der Aktion beauftragt hat? Hier kann die Sprecherin des Landratsamtes Kerstin Thöns aufklären: „Einem Verkehrsrechtler aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr sind die Schilder beim Vorbeifahren aufgefallen. Er hat daraufhin die Verkehrsbehörde des Landkreises angewiesen, die Schilder abzunehmen.“

Zu den Gründen sagt Thöns, dass die Sorte der in Eula verwendeten Schilder die in Gebrauch stehenden gelben Ortsschilder nur nachahme. So etwas sei verkehrsrechtlich jedoch untersagt. Tatsächlich könnten die grünen Ortseingangsschilder Autofahrer verwirren. „Außerdem ist es rechtlich heikel, wenn jemand in diesem Bereich eine Verkehrswidrigkeit begeht und diese irgendetwas mit den Schildern zu tun hat, die dort eigentlich nicht stehen dürfen“, sagt Kerstin Thöns. Warum es in den vergangenen dreieinhalb Jahren niemanden aufgefallen ist bzw. niemanden störte, jetzt aber die Säge angesetzt wurde, kann die Sprecherin nicht beantworten. Bettina Lorch will sich mit der Antwort nicht zufriedengeben. Am liebsten würde sie gleich die Schilder wieder aufstellen. „Aber ich weiß, dass das keine gute Idee wäre. Ich muss erst mal abwarten.“

Ob die Stadt Nossen hier etwas tun, nach einer anderen Möglichkeit für Eula suchen kann, bleibt zunächst offen. Bürgermeister Uwe Anke wird aus dem Urlaub zurückerwartet. Er wird sich auch über die verschwundenen Schilder wundern.